Ach ja, ich würde eigentlich auch gerne etwas zu dem Thema Talent schreiben, aber hier sind alle so schnell im Schreiben, darum ist mein Beitrag leider etwas außerhalb der aktuellen Diskussion, Tschuldigung.^^
Gibt es Talent?
Mir fällt es immer sehr schwer meine Meinung zu dieser Frage in die richtigen Worte zu fassen, es ist einfach ein Thema, wo es immer sehr schnell zu Missverständnissen kommt, vermutlich weil man sich so leicht persönlich angegriffen fühlen kann.
Ich finde, wenn man nun auf der Suche ist, ob es dieses ominöse Etwas namens Talent gibt, oder denn doch nicht, dann muss man nicht bei den Leuten gucken, die gut sind und wunderschöne Bilder zeichnen, aber auch nicht bei denen, die unter diese Bilder teilweise neidisch schreiben „Man, hast du ein Talent, möchte ich auch können.“
Wo man das Talent am leichtesten erkennen kann, ist (wie auch schon erwähnt) bei den Leuten, die zwar gut zeichnen können, es aber nicht sonderlich mögen und auch so gut wie gar nicht machen und daher auch nicht dafür üben.
Ich bin persönlich der festen Meinung, dass es so etwas wie Talent gibt, ob man es nun so nennt, oder schnelle Auffassungsgabe, oder ganz anders. (Wasser bleibt ja auch Wasser, auch wenn man es als H2O, oder sogar als DHMO ;-) bezeichnet). Ich finde, es gibt nun einmal etwas, was Menschen voneinander unterscheidet, unterschiedliche Voraussetzungen sozusagen, aber das ist ja auch nicht schlimm. Wenn alle Menschen gleich wären, wäre die Welt ja fürchterlich.
Ich kann jetzt nur von mir selber sprechen, aber so lange ich denken kann liebe ich Bilder, ich liebe Kunst. Ich habe als kleines Kind (wie wahrscheinlich viele hier^^) alles was mir nur unter die Finger kam vollgezeichnet, bis… ja bis mir irgendwann klar wurde, dass ich - noch sehr nett ausgedrückt- einfach schlecht bin. Meine beste Freundin aus dem Kindergarten und der Grundschule konnte dagegen alles mühelos zeichnen und es sah einfach toll aus. Ich habe am Anfang sehr viel geübt, sehr sehr viel, weil ich einfach auch so etwas schönes erschaffen wollte, aber es hat nie richtig funktioniert. Ich war immer sehr neidisch auf meine Freundin. Nein, nicht alleine deswegen, weil sie besser war, sondern weil sie zeichnen konnte, aber es nicht sonderlich mochte und auch kaum machte. Ich habe mir immer gewünscht so viel Talent (ja, ja, da ist das Wort^^) wie sie zu haben.
Mit den Jahren habe ich dann immer seltener gezeichnet, auch weil mir immer zwei Sorten von Menschen begegnet sind. Diejenigen, die sagten, warum möchtest du zeichnen, wenn du es nicht kannst, das ist doch verschwendete Energie, aber auch diejenigen, die sagten, dann musst du halt mehr üben, wenn du so zeichnen können willst. Beides hat mir immer sehr weh getan, das eine weil es mir die Hoffnung nahm und das andere weil es gewissermaßen aussagte, bist halt selber schuld und gar nicht anerkannte, wie schwer es teilweise für mich war.
Aber mit den Jahren kommt ja bekanntlich die Weisheit hust. Mittlerweile möchte ich mir darüber eigentlich gar keine Gedanken mehr machen. Ich weiß, dass mir Sachen zeichnerisch umzusetzen sehr schwer fällt, ich weiß auch, dass ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nie im klassischen Sinne gut zeichnen können werde, aber! ich weiß auch, dass es mich nicht davon abhalten kann etwas schönes zu erschaffen, etwas, was mir (und auch anderen) gefallen kann. Meiner heutigen Meinung nach kann fehlendes Talent einen nur davon abhalten besser zu werden, wenn man sich darin versteift, genauso so werden zu wollen, wie all die tollen Zeichner die man bewundert. Wenn man dagegen versucht sich auf seine eigenen Stärken zu besinnen und für sich selbst einen Weg zu finden, dann kann man zumindest etwas erschaffen, von dem man es selbst vorher nie für machbar gehalten hätte. (Mein allerschönstes Kompliment, das ich bekommen habe wäre für die meisten hier wahrscheinlich eine halbe Beleidung… Meine Mutter, als ich ihr meine erste Kakaokarte gezeigt habe: „DAS hast DU gezeichnet?“)