Theoretisch, ja. In der Praxis wird aber leider jede Frau, die auf unbeabsichtigte Nachteile der neuesten Vorschläge von Trans-Aktivisten verweist, so bezeichnet - und das ist nun mal eine Frechheit. Es ist ein Unterschied, ob man andere Leute bewusst misgendert (was natürlich grob unfreundlich ist) oder ob man als Frau darauf verweist, dass es nun mal unsicher ist, sich in einem Raum voller fremder Männer auszuziehen (das ist nicht nur irgendeine Befindlichkeit, sondern Statistik: dass es dabei regelmäßig zu Übergriffen kommt, ist leider nachgewiesen), und dass man sich dabei selbst nicht wohlfühlen würde. Diese Dinge, die nichts miteinander zu tun haben, munter durcheinanderzuwürfeln, um Frauen mundtot zu machen, ist, mit Verlaub, frauenfeindlich. Dabei bleibe ich.
Moment. Nicht jede Forderung von Trans-Aktivisten ist automatisch berechtigt - und warum soll es nicht legitim sein, die Interessen einer Personengruppe gegen die Interessen einer anderen Personengruppe abzuwägen? Dass es hier einen Konflikt zwischen den berechtigten Interessen zweier Personengruppen gibt, ist doch wohl offensichtlich. Und wenn die Forderungen der einen Gruppe der anderen Gruppe schaden würden, dann muss man darauf hinweisen dürfen, ohne dafür beschimpft zu werden.
Üblicherweise: In der Praktikabilität. Eine Extra-Einrichtung für ca. 0,1-0,2% der Bevölkerung (zumindest sind das die Schätzungen, die mir bekannt sind), die Raum wegnimmt, Miete und Heizkosten kostet und auch noch regelmäßig gereinigt werden muss, lohnt sich schlichtweg nicht. Es macht wenig Sinn, öffentliche Klos zu bauen, die dann so ca. einmal pro Woche zum Einsatz kommen - mal abgesehen davon, dass selbst ein Großteil der Trans-Personen sie nicht nutzen würde. (Eine Transfrau hat überhaupt keine Veranlassung, ins “dritte” Klo zu gehen! Warum sollte sie auch? Sie ist ne Frau, nichts “drittes”. Und wenn sie öffentlich betont weiblich auftritt - mit neuem weiblichem Namen, Styling und allem - hat sie wahrscheinlich gar kein Interesse daran, sich jedes Mal öffentlich vor Fremden zu outen, wenn sie mal für kleine Mädchen muss.)
Die einzigen, für die ein “drittes” Klo tatsächlich gut wäre, sind nichtbinäre Personen. Die gibt es natürlich, und sie haben auch berechtigte Interessen. Und diese Interessen muss man dann halt abwägen gegen die Interessen anderer Personen, wie immer, wenn verschiedene Personengruppen aufeinanderprallen. Da muss dann diskutiert und nach Kompromissen gesucht werden - aber die Diskussion pauschal mit Kampfbegriffen abzuwürgen ist nicht hilfreich. (Nichtbinäre Personen zu leugnen macht überhaupt keinen Sinn, aber sie sind eben nicht die einzige Bevölkerungsgruppe mit berechtigten Interessen.)
Üblicherweise sind die Kabinen unten offen - was sie meines Wissens sogar sein müssen, für den Fall, dass jemand drinnen ohnmächtig wird und Notfallpersonal Zugang braucht.
Übrigens, selbst was die abschließbaren Mini-Badezimmer angeht: ich persönlich habe nicht das geringste Problem mit denen, aber ich hab mal miterlebt, wie ein muslimischer Kollege auf ner Zugfahrt eine Station zu früh aussteigen und dann im nächsten Zug nachkommen musste, weil er diese Unisex-Klos eben nicht benutzen darf. Also… tun wir bitte nicht so, als würde ein allgemeines Umstellen auf Unisex niemandem schaden, ne? Und was hätt der Kollege machen sollen, wenn die Bahnhofsklos auch nur Unisex (und damit faktisch unbenutzbar für viele Muslime) gewesen wären?
Ich persönlich würde eine Unisex-Umkleide gar nicht erst nutzen. Was, wie gesagt, nichts mit meiner Haltung zu Trans- und Nonbinary-Personen zu tun hat.
