Hmm, ich steige hier mal etwas unpassend direkt in der Quasselecke ein…
aber das Thema ist mir wichtig und ich habe immer mehr das Gefühl, dass ich dazu öfter mal was sagen sollte. Weil mir bei dieser Art von Diskussionen fast immer Aspekte fehlen, die im Moment meine Realität sind und die ich vielleicht früher hätte wissen sollen (vor fünf Jahren hätte ich sehr ähnlich argumentiert wie die meisten hier):
Zuallererst das Thema Geschlechterprägung bei Kindern: ich bin der Überzeugung, dass wir unsere Kinder grundsätzlich nicht formen, sondern kennenlernen sollten. Natürlich muss man ihnen beibringen wie man sich so verhält, dass das gesellschaftliche Zusammenleben funktioniert, z.B. nicht schlagen, Dinge teilen etc., aber grundsätzlich sollte man an die Kinder mit Neugier statt mit Vorstellungen und Ansprüchen herangehen. Mein Sohn liebt aber eben Autos, Motorräder und Dinosaurier über alles (verkleidet sich aber auch gerne als Fee-Prinzessin…mit Schwert!) und meine Tochter hasst Technikspielzeug und liebt Glitzer. Das weiß ich, weil ich sie beobachte und kennenlerne, nicht weil ihnen das vorgegeben wurde.
Und das ist der Punkt, den ich bei Feminismusdebatten vermisse: Frauen und Männer sind NICHT gleich. Gleichwertig, ja, aber nicht gleich. Unser großes Problem ist, dass den „Frauenaufgaben“ ein geringerer Wert zugeteilt wird, als den Männeraufgaben. „Du bist also nur zuhause bei den Kindern während dein Mann arbeitet?“ Wie bitte, „NUR“???
Eine Frau ist in diesem Denken erst dann gleichwertig, wenn sie sich wie ein Mann verhält. Ihren Mann steht. Damit verstärken wir das eigentliche Problem, nämlich, dass weibliche Arbeit nichts wert ist. Je mehr „Emanzipation“ stattfindet, desto weniger ist das typisch weibliche Wert. Wir entwerten uns selbst, indem wir krampfhaft versuchen endlich genauso viel wert zu sein wie die Männer. Das KÖNNEN Frauen zweifellos, daran liegt es nicht. Die Frage ist, ob sie es sollten.
Ich habe vor einem halben Jahr mein drittes Kind geboren. Meine gesamte Bauch/Beckenregion ist völlig im Eimer. Weil ich immer der Typ „ich stell mich nicht an wie ein Mädchen, ich kann das genausogut wie ein Mann“ war. Zuviele Schwere Sachen durch die Gegend geschleppt, zu schnell wieder voll ins Leben und die Arbeit eingestiegen nach den vorherigen Geburten. Die Folge sind Organabsenkungen, Inkontinenz, Beeinträchtigungen in allen Lebensbereichen.
Was mich jetzt aber wirklich entsetzt hat: das ist normal!!! Damit hat weit über die Hälfte aller Frauen zu kämpfen (selbst Kinderlose). Das weibliche Becken hält der männlichen Lebensart nicht stand.
Und ich als studierte Ingenieurin, mit Kindern, Arbeit, Haushalt, Selbstbewusstsein , Unabhängigkeit und allem, was eine Emanzipierte Frau ausmacht, erlebe, wie SCHUTZBEDÜRFTIG Frauen eigentlich sind. Ich hätte verdammt nochmal beschützt werden sollen davor, meinen Mann zu stehen. Dafür sind die Männer da! Kinder kriegen können sie nämlich nicht! Diese bescheuerten alten Rollenklischees hatten einfach deutlich mehr Sinn, als ich mir das vorstellen konnte.
…übrigens klappt das mit „der Mann kann doch genausogut auf die Kinder aufpassen, wenn sie dann mal geboren sind“ auch nur in der Theorie. Babys wissen nämlich noch nichts von Emanzipation. Diese kleinen Monster drängen die Frau erbarmungslos in die Mutterrolle. Sie sind nicht nur total fixiert auf Mama (sie kennen sie schließlich schon gut als Geborgenheitsspender im Bauch), sie sind auch ernährungstechnisch komplett abhängig. Klar gibts auch Flaschennahrung, aber wer mal kurz die gesundheitlichen Vorzüge des Stillens überfliegt, erkennt, dass man sich da die Emanzipation teuer beim Kind erkauft.
Ok, gestillt wird nur so ca. ein Jahr, aber dann kann ja wohl endlich der Papa ran! …theoretisch, ja, wenn man denn das auf die Mama geprägte, antifeministische Monsterchen dazu bekommt den Papa als Mamaersatz zu akzeptieren. Irgendwie bekommt man es natürlich dazu, sogar bei völlig fremden Leuten in der Krippe zu bleiben, wenn denn beide Elternteile emanzipiert sein wollen (schließlich will sich auch der Papa nicht anhängen lassen „nur“ bei den Kindern zu Hause zu sein während die Frau allein das Geld verdient), aber ehrlich gesagt hat das Kind ja wohl auch keine andere Wahl.
Die negativen Folgen von ausufernder Fremdbetreuung in der DDR können inzwischen aufgearbeitet werden, auf die aktuelle Situation bezieht das aber niemand, weil zur Gleichberechtigung halt dazugehört, dass die Frau „was Richtiges“ arbeitet. Weil Gleichberechtigt und Gleichwertig nicht möglich ist, solange man nur minderwertige „Frauenarbeit“ leistet, die nichtmal durch unser Wertbemessungsmittel Geld entlohnt wird.
…übrigens kann man aktuell gut sehen, dass es daran liegt, wer die Arbeit hauptsächlich ausführt, ob sie viel oder wenig wert ist. Der Herr Oberlehrer war mal viel Wert, inzwischen sind Lehrer unterbezahlt. Sind jetzt ja auch zu einem großen Teil Frauen. Der Wandel vollzieht sich nach und nach auch bei Ärzten, bei bestimmten Zweigen der Naturwissenschaften (z. B. Biologie), einige Meisterberufe (Schneider, Konditor, Friseur…), Designberufe, etc. Solange die Frau versucht den Wert des Mannes zu erreichen indem sie ihn nachahmt, kann sie das Spiel nur verlieren. Emanzipation sollte erreichen, dass Frauenarbeit gleich viel Wert ist… da das aber ein weltweites Problem zu sein scheint, ist das sehr viel schwieriger.
Vielleicht, ganz vielleicht, machen es die völlig unemanzipierten Frauen in vielen Kulturen auch gar nicht so verkehrt. Die Männer glauben lassen, dass sie der Chef sind, Männer eh alles besser und toller und viiiiel wertvoller machen, und unter sich darüber lachen und ihr eigenes Ding machen. Nur leider ufert das oft so aus, dass einige auf die Idee kommen, es wäre tatsächlich so und Männer dürften mit wertlosen Frauen verfahren wie sie wollen… tja, alles ziemlich verzwickt und verfahren.
So, nun steht hier in einem viel zu langen Beitrag mal das, was mir bei den ganzen Feminismussachen immer fehlt.
Abschließend möchte ich anmerken, dass ich hier natürlich extrem stereotypisch in Mann und Frau geteilt habe (um meine Sichtweise einigermaßen verständlich rüber zu bringen); ich glaube im ersten Absatz über Kinder ist aber erkennbar, dass
ich jeden das sein lasse, was er/sie/es sein möchte. Und zwar gleichwertig.