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Bin ich ein guter Zeichner?

Naja es ist ja ein Unterschied wenn man sagt
“Natürlich kann ich das! Ich bin der/die/das beste! Niemand kann das besser als ich!” und wird dann eines besseren belehrt oder wenn man sagt “Joa, ich kanns schon irgendwie, aber net zu viel erwarten denn es ist alles andere als perfekt”
Es kommt dann natürlich auch wieder darauf an wem man das sagt. Wenn man es jemanden zeigt, der einfach schon vieles gesehen hat, wie Kageko das so schön gesagt hat, dann wird es schwerer sein die Person zu beeindrucken.
Ein Kind zu beeindrucken ist wesentlich leichter.

Die Kiddis in meinem Verein O-Ton “Woa du bist so gut! Ich werde nie so gut! Warum bist du so gut?!” und ich denke nur “Himmel wie reagieren die dann bei den ganzen anderen Leuten, die so viel KRASSER sind als ich?” gleichzeitig versuche ich ihnen zu erklären, dass es eine Frage der Übung ist und dass es Blödsinn ist sich selbst mit mir zu Vergleichen und dass ich zwar gut bin aber es andere gibt die noch viel besser sind.
Man muss immer alles in Relation sehen was das ganze wohl so schwierig macht.

Deswegen stimme ich HeartlessIvy zu. XD Vielleicht sind die Kinder für ihr Alter schon richtig gut und man erkennt das Potential. Man kann sie dann nur ermutigen. Was sie daraus machen ist ihre Sache aber vielleicht werden sie dann zu einem von den KRASSEN Leuten gegen die man selbst dann wieder wie ein Nichts aussieht.

Ein Nichts das trotzdem gut ist auf dem eigenen Level.

Mir ging es mit dem Kindergartenvergleich eher darum, jenes Niveau auf ältere Zeichner zu übertragen. Ich finde auch nicht, dass ein Kindergartenkind fotorealistisch zeichnen können muss, um “gut” zu sein. Aber sowohl ein 4-Jähriger als auch ein 14-Jähriger kann mit viel Liebe ein Bild krakeln, nur würde einer von euch den 14-Jährigen als talentiert oder als guten Zeichner betiteln, wenn das Bild doch eher nach einem 4-Jährigen aussieht? Immerhin ist das Zeichnen als solches ein Handwerk, eine Sprache.

Ich bin davon überzeugt, dass wir hier allesamt zu alt sind, um uns auf dem “mit Liebe gemacht”-Status ausruhen könnten, um als gute Zeichner zu gelten.

Der Vergleich mit Kindergartenkindern finde ich unfair.
Kleine Kinder sind aufgrund ihres Alters nicht in der Lage korrekt zu zeichnen, weil sie den Blick für die Anatomie nicht haben. Aber auch da kann man sehen ob ein Kind sich was bei denkt und ob es gerne malt.

Mein Tochter (5) malt ihre Bilder mit so viel Liebe und dem ihr eigenen Kindlichen Details, das sie für mich die schönsten Bilder sind, weil sie mit Liebe gemacht wurden und sie sind beileibe nicht Perfekt.
Auch ohne den Mamamodus: JA für mich ist und bleibt ein guter Zeichner der mit Liebe ein Bild macht, ganz gleich seines Alters und Könnens. Alles andere ist für mich ein Frage des Geschmacks und der Sichtweise ;)

Also findest du, dass Kindergartenkinder durch die Reihe weg gute Zeichner seien und Können keine Rolle spiele?

Der Vergleich mit Kindergartenkindern finde ich unfair.
Kleine Kinder sind aufgrund ihres Alters nicht in der Lage korrekt zu zeichnen, weil sie den Blick für die Anatomie nicht haben. Aber auch da kann man sehen ob ein Kind sich was bei denkt und ob es gerne malt.

Nur um mal kurz einzuwerfen, und um den Picassovergleich aufzugreifen, Pablo Ruiz Picasso war im Alter vom 5 Jahren tatsächlich im Stande anatomisch korrekte Pferde und Menschen zu zeichnen. Zeichnen hat wenig mit Talent zu tun, es ist ein Handwerk, das sich lernen lässt. Manch einer ist geschickter darin, ein anderer weniger.

Sehen wir bitte, wie Kageko es (meiner Meinung nach) auch gemeint hat, ‘Zeichnen’ hier als Handwerk an, nicht als Kunstfertigkeit. Nur weil ein schlechter Tischler einen Schrank mit noch so viel Mühe und Liebe gezimmert hat. Steht er schief, so lässt sich daran nichts ändern, klemmen die Türen, sind die Regale nicht korrekt verbaut so sind das alles Zeichen von schlechtem Handwerk. Darüber kann auch noch so viel Leidenschaft nicht gut hinwegtäuschen.

Und, Traummalerin, deinen Mamabonus darfst du da glaube ich nicht mit einwerfen ^^ Aber versuch doch mal die Werke anderer Kindergartenkinder zu vergleichen. Würdest du mit ihnen tauschen wollen? Eine Karte, die in weniger als einer halben Stunde runter gekritzelt wurde gegen eine tauschen, die dich viel Mühe, Liebe und Leidenschaft, viel Zeit und vielleicht auch Kosten gekostet hat?

Für mich ist Zeichnen kein reines Handwerk. Was nutzt einem alles Wissen darüber wenn man es nicht umsetzen kann? Wenn das gelernte nicht auf das Papier zu bringen ist?
Das malen ist stark vom Talent abhängig und nicht vom reinem Wissen.
Einen Schrank kann man auch korrekt zusammenbauem ohne Talent. Es erfordert lediglich Fingerspitzengefühl und ein bisschen Mathematisches Verständniss um das ganze ins Lot zu bringen.
Beim Zeichnen geht das nicht.

Dein Beispiel mit Picasso bestätigt das mit dem Talent. Ein kleines Kind was zu solchen Leistungen Fähig ist muß Talent haben, woher sonst sollte er das gekonnt haben? Gelernt, mit 5 Jahren?
Gerade Kinder nehmen die Welt einfach mit anderen Augen wahr als wir Großen.

Wenn das Kind nur für mich und mit seinem eigenem Können mir ein schönes Bild macht, ja.
Und ich bin gerne bereit ein Bild zurück zu geben.
Wenn kleine Kinder etwas von sich verschenken, sind das Liebesbeweise und warum sollte ich sowas zurück weisen? Und das hat nichts mit Mamabonus zu tun ^^

@Traummalerin

Hast du schon einmal beobachtet, wie sich Kinder gegenseitig beim Zeichnen einschätzen?
In der Grundschule hatte ich jemanden, der konnte ganz tolle Schiffe zeichnen (so habe ich es in Erinnerung). Alle wollten ein Bild und wenn er eines verschenkte, wurde das in Ehren gehalten. Verschenkte jemand anders sein nicht minder mit Liebe gezeichnetes Bild, dann war es nach spätestens einem Jahr unnauffindbar. (Mal abgesehen davon, dass sich die Zeichner sowieso oft nicht an ihre eigenen Bilder erinnern.)

Für hat Talent weniger mit dem Handwerk als solches zu tun als mit der Fähigkeit und Geschwindigkeit dieses weiterzuentwickeln. Ansonsten kann jeder Zeichnen lernen, der sich nur lang genug mit dem Handwerk beschäftigt.

@Traummalerin
Zeichnen ist tatsächlich absolut erlernbar. Wie Kageko sagte dauert es nur bei manchen länger, bei anderen weniger lang. Jeder ist fähig, mit genügend Übung eine Studie anzufertigen. Zeichnen ist ein Handwerk. Genauso wie einen Schrank zusammen zu zimmern.
Ja, Pablo Picasso hat das tatsächlich gelernt , sein Vater war Zeichenlehrer und hat seinen Sohn täglich zu mehren Stunden Übung angehalten. Auch Wolfgang Amadeus Mozart war zu einem gewissen Maße einfach begabt, aber seine tatsächliche Fähigkeit, schon mit 5 Jahren Klavier zu spielen wie ein großer bestand einfach darin, dass er täglich fünf bis acht Stunden am Klavier verbrachte.
Es ist Übung. Jeder, der Hand-Augen-Koordination hat und über ein gewisses Maß an Feinmotorik verfügt kann zeichnen lernen.

für Talent haben wir auch nen Thread :D
https://www.kakao-karten.de/forum/t/-/6886

Dein Beispiel Kageko kenn ich auch aus meiner Schulzeit, nur war das damals stark geprägt vom Beliebtheitsgrad des Kindes.
Aus eigener Erfahrung weiß ich das.
Ein Mädchen in meiner Klasse war nicht besser als ich beim malen, sie war aber deutlich beliebter und jeder wollte ein Bild von ihr haben.
Und ich denke schon das ich das mittlerweile neutral sehen kann ^^

Ich will nicht wissen wie sehr der kleine Picasso unter seinem Vater hat leiden müssen…Lehrer Eltern sind zu ihren Kindern meistens sehr hart.
Aber auch da sieht man doch: Hätte er nicht doch das Talent und (letztendlich) die Liebe zum Handwerk besessen, hätter er wohl kaum weiter gemacht (oder sein Vater hat ihn so darauf getrimmt ^^°).

Aber ohne das nötige “Talent” das gelernte schnell und gut zu verarbeiten wird keiner sich die Mühe machen es auch wirklich lernen zu wollen.

Nachtrag: Aber ich glaube wir fangen uns an im Kreise zu drehen ^^ Jeder hat eine andere Sichtweise der Dinge :wiiii:

Aber darum geht es doch bei einer Diskussion. Wenn jeder nur kurz seine Meinung hinschreibt und nicht auf fremde Meinungen eingeht, hat “diskutieren” keinen Sinn.

Hehe klar aber ich schätze unsere Diskusion wäre in einem anderen Thread (siehe Monkeys post) besser aufgehoben :wiiii:

Finde ich nicht. Die Themen überschneiden sich teilweise. Es ging hier ja nicht ausschließlich um Talent. Niemand hat behauptet, dass ein guter Zeichner Talent haben muss, oder? Wie ich das gelesen habe, sind die meisten der Ansicht, dass ein guter Zeichner Können und/oder Freude am Tun haben muss.

ich finde talent is schon iwie n wichtiger aspekt… aba kA kreativität und leidenschaft sin sehr wichtige punkte…
wenn ich mir oft bilder von verschiedenen leuten anschau die man als technisch gleich gut einschätzen könnte kommen dann manche viel besser an als andere…
ich bin bis vor kurzem in eine kunstschule gegangen… alle bilder wurden ständig miteinander verglichen, bewertet und benotet…
für mich war das stets depremierend und demotivierend da ich immer bei den schlechtesten war… ~.~
dabei finde ich dass eig die technische qualität nicht alles ist… man kann einen rembrand auch nich mit einem graffity von basquait vergleichen… beides tolle künstler obwohl der eine technisch viel ausgereifter ist…

nun zur frage des anfangsthreat… ich selbst empfinde mich nicht als guter zeichner, egal wie viel ich übe, wie stark ich mich verbessere, ich bin einfach viel zu kritisch mit mir selbst um meinen eigenen arbeiten irgend etwas gutes abgewinnen zu können…

Huhu :3

Ich empfinde mich auch gar nicht als gute Zeichnerin.
Leute, die nix mit dem Zeichnen am Hut haben finden meinen Kram toll, aber wenn ich dann sehe was manche in meinem Alter schon können… dann fühle ich mich schlecht.

Allerdings ist mir aufgefallen dass man einfach nur viel viel viel zeichnen muss und man wird besser!
Ich habe früher (als ich KK noch nicht kannte) höchstens ein Din A4 im Monat geschafft und auf üben hatte ich auch keine Lust.
Erst seit ich regelmäßig zeichnen “muss” (ich machs gerne!) sehe ich auch Verbesserungen. Ich hoffe dass ich noch nicht zu “alt” bin… xD
Wenn meine Ausbildung vorbei ist weiß ich auch nicht wie viel Zeit mir noch zum zeichnen bleibt. Bis dahin versuche ich an so vielen STAs wie möglich mit zu machen und immer mein bestes zu geben :)
Und wenn dann noch Zeit bleibt, versuche ich mit hilfe von “how to draw manga” endlich mal meine ständig failenden Proportionen zu verbessern xDD"

Chakka! Wir schaffen das!

Ich bin mal so frei und ergänze die oberen antworten noch um eine eigene^^: Ich bin unzufrieden mit meinen Arbeiten, aber ich übe fleißig um besser zu werden :)

Und zu eurer Disskusion würde ganz super ein spruch von Rock Lee aus Naruto passen^^ “Es gibt die Genies, denen viele Sachen leicht fallen, und es gibt die Streber, die hart für ihre Fähigkeiten Üben” . Es ist je nach Person anders, wie viel man üben muss um auf das selbe Ergebnis zu kommen.

Bei mir ist es oft so, dass ich zwar weiß, wie ich eine Sache zeichnen MÜSSTE, es aber nicht schaffe weil mir die genügende Erfahrung noch fehlt.

Ich würde auch noch eine Antwort ergänzen XD.

ICh bin zufrieden mit meiner Arbeit, suche aber immer nach neuen Methoden und Herausforderungen um meine Fähigkeiten zu erweitern.

Aber ich finde es auch immer noch schwer mich seler einzuschätzen…

Oh Man, so viele unterschiedliche Meinungen und Ansichten. Jetzt kommt mein Senf dazu. ^^

Also für mich gibt es definitiv einen Unterschied zwischen guten Zeichnern in Bezug auf Technik und Herz.
Je nachdem, ob man beides dazu zählt oder nicht ergibt sich eine völlig andere Sichtweise.

Technisch gesehen ist für mich gut, wer Perspektiven, Anatomie, Licht/Schatten, etc. korrekt zu Papier bringen kann.
Ebenfalls zählt das Umgehen mit verschiedenen Medien dazu. Für mich ist es wichtig, dass man sich nicht nur auf ein Medium versteift. Wenn jemand durch die Bank weg immer nur mit Copics oder Buntstiften arbeitet und seien seine Bilder damit noch so toll, ist er/ sie in meinen Augen kein guter Zeichner. Wie Monkey schon zu Anfang schrieb, gehört ein gewisser Grad Experimentierfreude einfach dazu. Ein guter Zeichner erkennt erst dadurch die Potentiale eines Mediums und wie er sie anwenden kann. Es lassen sich durch den gezielten Einsatz eines Mediums komplette Bildwirkungen verändern, wenn der Zeichner sie einzusetzen weiß.
Ein guter Zeichner kann zudem seine Ideen aussagekräftig als Skizze zu Papier bringen, einfach weil er die Botschaft durch die reine Zeichnung abbilden kann. Was dann die letztendliche Ausarbeitung angeht hat meist nur noch mit “hanwerklichem Können” zu tun.

Damit ihr wisst was ich meine: Ich persönlich habe ein gutes Auge für Details und auch eine gute Augen-Hand-Koordination. Damit ist es mir möglich, ein Bild, dass ich vor Augen habe nahezu 1:1 zu kopieren, ohne abzupausen. Dauert halt nur. ^^
Macht mich also zu einem guten Zeichner, dass ich ein Motiv von Picasso oder Monet genauso malen kann? Nein, denn dass ist nur das handwerkliche Geschick getrennt von der kreativen Eigenleistung.
Ich habe immer arge Probleme eigene Ideen so zu Papier zu bringen, wie sie mir im Kopf rumschwirren. Ich brauche immer viele Referenzen und teilweise auch mehrere Skizzen-Anläufe (besonders was Manga/ Anatomie angeht). Das ist mein größtes Manko, was mich vom “Gut sein” noch sehr weit entfernt, auch wenn ich schon oft gehört habe, dass ich toll Bilder male. Aber da kommt dann halt wieder die unterschiedliche Sichtweise ins Spiel.

Kommt noch das Thema Herz hinzu, sieht das ganze wieder anders aus.
Unter diesem Aspekt zählt für mich wieviel Liebe & Herzblut in einer Idee/ Zeichnung/ Bastelei stecken. Sowohl in Idee als auch in der Ausarbeitung.
Oftmals erkennt man fehlendes Herz in der Ausarbeitung u.a. daran, dass Outlines an zig Stellen übermalt werden und dann hinterher vielleicht sogar noch mit anderen Mitteln vertuscht werden. Wenn ich mit Begeisterung dabei bin, dann kommt es nicht dazu.
Bezüglich Idee sind es u.a. oft die schon angesprochenen Wiederholungen. Sehe ich in einer Galerie das zwanzigste Portrait oder die 10.te gleiche Körperansicht, wo sich vielleicht nur Haare/ Kleidung/ was im Hintergrund verändern - egal wie perfekt die Ausarbeitung ist, dann hat das nicht mehr viel mit gut Zeichnen zu tun.

Wenn jetzt jemand sagt, dass auch ein Bild, wo übergemalt wurde mit Liebe gemalt sein kann, so kann ich nur sagen, dass dies meine persönliche Ansicht ist und ich nichts dagegen sage, wenn das mal an ein oder zwei Stellen im Bild passiert. Die Masse machts. Wer nicht “Ausmalen” kann ohne ständig die Lines zu malträtieren, sollte das einfach mal üben. ;o)

Wobei wir bei dem Letzten Punkt sind, den ich auch noch unbedingt ansprechen will. Talent. Was ist das eigentlich und wie äussert sich das beim Zeichnen?
Für mich ist Talent eigentlich ein Sammelbegriff für eine Vielzahl von Fertigkeiten/ Eigenschaften, die man aufgrund seiner biologischen Physiologie, Übung und Erfahrungen hat. Je nachdem wie ausgeprägt bestimmte Dinge sind, braucht es halt mehr oder weniger Übung.
So ist zeichnerisches Talent für mich die Kombination aus einem guten Auge für Details/ Zusammenhänge, Auge-Hand-Koordination, Einfühlungsvermögen/ Sensibilität, Experimentierfreude und Leidenschaft.
Mit einem guten Auge für Details/ Zusammenhänge kann man Anatomie/ Perspektive relativ leicht erkennen und verstehen um sie in Kombination mit einer guten Auge-Hand-Koordination zu Papier bringen. Einfühlungsvermögen/ Sensibilität ist wichtig um die Wirkung von bestimmten Stilmitteln/ -szenerien, etc. zu bemerken/ einzusetzen. Mit Experimentierfreude hat man immer wieder Lust neue Dinge zu erlernen und seinen Horizont zu erweitern. And last but not least die Leidenschaft für Motive, Farben, Stile,… Ohne sie würde wohl keiner aus freien Stücken zeichnen, egal wie toll die restlichen Eigenschaften ausgeprägt sind.

So, das wars von mir. Ich hoffe ihr könnt mein Geschwafel verstehen. ^^

Wenn jemand durch die Bank weg immer nur mit Copics oder Buntstiften arbeitet und seien seine Bilder damit noch so toll, ist er/ sie in meinen Augen kein guter Zeichner.

Ich bin der Überzeugung, dass, wer ein Medium gut beherrscht, auch mit anderen gut umgehen kann bzw. das schneller lernt als jemand, der es absolut nicht kann.
Bist du ein schlechter Zeichner, weil du chinesische Tuschmalerei oder Kalligrafie nicht beherrschst? Oder weil du realistisch anmutende Landschaften malst, anstatt einen auf Kubismus machst?
Medium hat auch etwas mit Stil zu tun. Ein Ölbild malt man nun einmal anders als ein Aquarellbild. Bist du jetzt eine schlechte Malerin, wenn du deine hübschen Aquarellbilder nicht äquivalent in Öl, Ölpastellen, Buntstiften und Copics gleichermaßen umsetzen kannst? Oder sind deine Aquarellbilder jetzt schlecht, weil du nicht noch welche mit Öl, Buntstifte und Copics danebenstellst? Ich denke nicht.

Du schreibst im Folgenden etwas über Experimentierfreundigkeit und wie das mit einem einzelnen Medium zusammenhängt. Ich stimme dir zu, dass nur jemand, der auch neues ausprobieren möchte, das ganze Potential eines Mediums auszuschöpfen vermag. Nur dann wird er wirklich gut. Aber ich verstehe nicht, wieso er neben diesem einen noch zig andere auf diesem (???) Niveau beherrschen können muss, um als gut zu gelten.

Wenn ich mit Begeisterung dabei bin, dann kommt es nicht dazu.
Einige Seiten zuvor ging es darum, dass auch Kinder u.U. viel Herzblut in ihre Zeichnungen stecken. Und es stand die Frage im Raum, ob sie das zu guten Zeichnern macht. Bist du sicher, dass man mit "Begeisterung" weniger über Linien malt? Abgesehen davon, gibt es auch Bilder, bei denen bewusst über Linien gemalt wird, in denen Zufallsprodukte (z.B. Farbklekse) als Gestaltungsmittel genutzt werden. Und nicht alle guten Zeichner können genauso gut kolorieren, wie sie zeichnen können.

Gibt es noch andere Kriterien, an denen man “Herzblut” erkennen kann? Woran erkennt man Herzblut beim schlechten Zeichner (“der, der über die Linien malt”) und einem guten Zeichner (“der, der nicht über die Linien malt”)? Ist Zeitauswand eines? Oder Sorgfalt?
Wie wird die allgemeine Zeitinvestition in das Handwerk bei “Herzblut” gewertet? Ist der gute Zeichner, der seit Jahren übt, schlecht, wenn er ein Bild zeichnet, das nicht nach Herzblut aussieht? Und ist der schlechte Zeichner, der seit ein paar Monaten sporadisch zeichnet, besser, wenn er (ausnahmsweise) einmal ein “hübsches” zeichnet?
Ist jemand, der dir aufgrund seiner Erfahrung in drei Minuten eine schöne Figur hinzeichnet, schlechter unter der Berücksichtigung des bildbezogenen Herzbluts als jemand, der sich für ähnliches Stunden abmüht?

Hmm, ich glaub ich hab mich missverständlich ausgedrückt. Klar hat jeder sein Lieblingsmedium, weil er damit am besten umgehen kann oder die Bilder so hinkriegt, wie er es möchte. Ich meinte das eher auch ein wenig in Bezug zu der Experementierfreude. Es geht nicht darum, dass man als guter Zeichner alle existierenden Medien perfekt beherrschen muss. Ganz im Gegenteil. Meistens hat man wie gesagt seine Lieblingstechniken. Man baut sich ein Repertoire auf. Ich persönlich finde es halt sehr schade, wenn jemand nur immer in ein und dem selben Medium zeichnet. Ich beziehe das also auf wirklich ein einziges Medium. Bist du wirklich der Meinung, dass jemand, der generell immer nur sagen wir mit Öl arbeitet wirklich ein guter Zeichner sein kann?
Jedes Medium hat halt seine Vorteile und auch Grenzen. Und bestimmte Dinge bekommt man damit nicht ausgedrückt und da geht es dann halt darum ob derjenige auch bereit ist, neue Wege zu gehen, Dinge auszuprobieren und neue Techniken anzuwenden um eben die gewünschte Bildstimmung rüberzubringen. Denn in meinen Augen macht das einen guten Zeichner aus. Zu wissen, wie ich die Bildidee/ Stimmung am besten transportiere. Und jemand, der starr in seinen zeichnerischen Gefilden bleibt gehört dann für mich persönlich einfach nicht in die Kategorie guter Zeichner.

Also Bilder wo das als Gestaltungsmittel genutzt wird, fallen für mich nicht in die Kategorie unsauberes Arbeiten. Ich finde, sowas sieht man aber auch sehr schnell, ob es gewollt ist oder durch Unsorgsamkeit passiert.
Und ich bin definitiv der Meinung, dass wenn man begeistert und mit Freude an ein Bild rangeht, solche Unsauberkeiten eher nicht passieren, als wenn man sich zwingt “endlich diese Tauschkarte fertig zu machen”. Das ist zumindest bei mir so. Deswegen versuche ich Wunschtauschkarten nie unter Druck/ Stress zu machen, weil man das den Bildern sofort ansieht, wie ich finde. Und ich finde es schade, dass man immer wieder Karten in der Galerie sieht, wo man merkt, dass der Zeichner da nicht mit derselben Freude/ Ruhe wie sonst an das Bild rangegangen ist. Aber das ist halt meine Sicht der Dinge.

Ja gibt es meiner Meinung nach, nur kann ich die nicht so schön in Worte fassen. ;o)
Im Endeffekt finde ich, sieht man recht schnell ob “Herzblut” in einem Bild steckt, wenn man weiß, für wen, aus welchem Grund und mit welchen Infos das Bild gemalt wurde und dann noch ein, zwei andere Bilder des gleichen Künstlers im Vergleich dazu sieht. Aber oftmals hat man eben nicht alle diese Infos, und dann kann man es nicht ganz sicher beurteilen. Ich denke, das ist einfach Gefühl und sowas lässt sich schlecht an Kriterien festmachen.

Herzblut bei “schlechten Zeichnern” sieht man oftmals daran, dass sie viel Energie in die Bildidee setzen, weil sie darum wissen, dass sie nicht so gut zeichnen können, wie sie es gerne würden bzw. wissen, dass ihnen noch die Übung fehlt. Bei diesen Zeichnern sieht man auch oft, dass sie sich motivisch sehr ausprobieren und neue Dinge antesten um eben besser zu werden.

Wenn der erfahrene Zeichner diese Figur einfach ohne sich Gedanken darüber zu machen zeichnet, einfach weil es so und so schön aussehen wird und er weiß, dass es den Leuten gefällt, dann ist diese Figur in meinen Augen eindeutig mit weniger Herzblut entstanden. Macht er sich aber vorher genau die selben Gedanken, wie der andere, der dann halt für die Ausarbeitung länger braucht, dann besteht da für mich kein Unterschied. Es hat immer viel mit der Gesamtwirkung eines Bildes zu tun, finde ich. Man kann sowas immer nur im Gesamten beurteilen.

So, ich hoffe, ich hab mich diesmal klarer ausgedrückt, dass es nicht wieder zu Missverständnissen kommt. ^^

Du hast dich klar ausgedrückt. Zusammenfassend kann man also sagen, dass Herzblut eine subjektive Empfindung ist.
Bei mir drückt sich weniger Herzblut nämlich dadurch aus, dass ich Karten dann ganz besonders sorgfältig ausmale, während ich bei “Herzblutkarten” zum Schmieren und Ausprobieren neige. Ein Betrachter würde das aber, sofern er überhaupt einen Unterschied bemerkt, umgekehrt interpretieren. Bin ich also gut oder schlecht?

Meine Frage wäre noch: Wenn gut/schlecht in Hinsicht auf die Qualität eines Bildes sowieso eine subjektive Empfindung ist, ist es dann überhaupt erstrebenswert, “gut” (was auch immer das dann ist) zu werden?
Warum sollte ich z.B. Proportionen üben, wenn ich einfach nur sauber ein Bild ausmalen muss, damit es gut (genug?) ist?

Bist du wirklich der Meinung, dass jemand, der generell immer nur sagen wir mit Öl arbeitet wirklich ein guter Zeichner sein kann?
Genau genommen bin ich der Meinung, dass Malen und Zeichnen zwei Paar Schuhe sind, da sich Malen in der Regel auf den Aufbau eines Bildes über (meist farbige) Flächen bezieht, während das Zeichnen überwiegend aus (meist monochromen) Strichen besteht. Es handelt sich also um zwei völlig verschiedene Vorgehensweisen. Natürlich hat jedes Medium auch seine Grenzen. Jedoch würde ich einen begnadeten Bleistiftzeichner trotzdem als guten Zeichner betiteln, auch wenn er mit Kohle, was ich allerdings bezweifle, nicht ganz so gut umgehen kann.

Vielleicht muss man sich fragen: Wozu braucht man überhaupt Können? Für das eigene Ego oder um sich auszudrücken (= etwas darstellen… ob abstrakt oder gegenständlich spielt keine Rolle)?