Oh Man, so viele unterschiedliche Meinungen und Ansichten. Jetzt kommt mein Senf dazu. ^^
Also für mich gibt es definitiv einen Unterschied zwischen guten Zeichnern in Bezug auf Technik und Herz.
Je nachdem, ob man beides dazu zählt oder nicht ergibt sich eine völlig andere Sichtweise.
Technisch gesehen ist für mich gut, wer Perspektiven, Anatomie, Licht/Schatten, etc. korrekt zu Papier bringen kann.
Ebenfalls zählt das Umgehen mit verschiedenen Medien dazu. Für mich ist es wichtig, dass man sich nicht nur auf ein Medium versteift. Wenn jemand durch die Bank weg immer nur mit Copics oder Buntstiften arbeitet und seien seine Bilder damit noch so toll, ist er/ sie in meinen Augen kein guter Zeichner. Wie Monkey schon zu Anfang schrieb, gehört ein gewisser Grad Experimentierfreude einfach dazu. Ein guter Zeichner erkennt erst dadurch die Potentiale eines Mediums und wie er sie anwenden kann. Es lassen sich durch den gezielten Einsatz eines Mediums komplette Bildwirkungen verändern, wenn der Zeichner sie einzusetzen weiß.
Ein guter Zeichner kann zudem seine Ideen aussagekräftig als Skizze zu Papier bringen, einfach weil er die Botschaft durch die reine Zeichnung abbilden kann. Was dann die letztendliche Ausarbeitung angeht hat meist nur noch mit “hanwerklichem Können” zu tun.
Damit ihr wisst was ich meine: Ich persönlich habe ein gutes Auge für Details und auch eine gute Augen-Hand-Koordination. Damit ist es mir möglich, ein Bild, dass ich vor Augen habe nahezu 1:1 zu kopieren, ohne abzupausen. Dauert halt nur. ^^
Macht mich also zu einem guten Zeichner, dass ich ein Motiv von Picasso oder Monet genauso malen kann? Nein, denn dass ist nur das handwerkliche Geschick getrennt von der kreativen Eigenleistung.
Ich habe immer arge Probleme eigene Ideen so zu Papier zu bringen, wie sie mir im Kopf rumschwirren. Ich brauche immer viele Referenzen und teilweise auch mehrere Skizzen-Anläufe (besonders was Manga/ Anatomie angeht). Das ist mein größtes Manko, was mich vom “Gut sein” noch sehr weit entfernt, auch wenn ich schon oft gehört habe, dass ich toll Bilder male. Aber da kommt dann halt wieder die unterschiedliche Sichtweise ins Spiel.
Kommt noch das Thema Herz hinzu, sieht das ganze wieder anders aus.
Unter diesem Aspekt zählt für mich wieviel Liebe & Herzblut in einer Idee/ Zeichnung/ Bastelei stecken. Sowohl in Idee als auch in der Ausarbeitung.
Oftmals erkennt man fehlendes Herz in der Ausarbeitung u.a. daran, dass Outlines an zig Stellen übermalt werden und dann hinterher vielleicht sogar noch mit anderen Mitteln vertuscht werden. Wenn ich mit Begeisterung dabei bin, dann kommt es nicht dazu.
Bezüglich Idee sind es u.a. oft die schon angesprochenen Wiederholungen. Sehe ich in einer Galerie das zwanzigste Portrait oder die 10.te gleiche Körperansicht, wo sich vielleicht nur Haare/ Kleidung/ was im Hintergrund verändern - egal wie perfekt die Ausarbeitung ist, dann hat das nicht mehr viel mit gut Zeichnen zu tun.
Wenn jetzt jemand sagt, dass auch ein Bild, wo übergemalt wurde mit Liebe gemalt sein kann, so kann ich nur sagen, dass dies meine persönliche Ansicht ist und ich nichts dagegen sage, wenn das mal an ein oder zwei Stellen im Bild passiert. Die Masse machts. Wer nicht “Ausmalen” kann ohne ständig die Lines zu malträtieren, sollte das einfach mal üben. ;o)
Wobei wir bei dem Letzten Punkt sind, den ich auch noch unbedingt ansprechen will. Talent. Was ist das eigentlich und wie äussert sich das beim Zeichnen?
Für mich ist Talent eigentlich ein Sammelbegriff für eine Vielzahl von Fertigkeiten/ Eigenschaften, die man aufgrund seiner biologischen Physiologie, Übung und Erfahrungen hat. Je nachdem wie ausgeprägt bestimmte Dinge sind, braucht es halt mehr oder weniger Übung.
So ist zeichnerisches Talent für mich die Kombination aus einem guten Auge für Details/ Zusammenhänge, Auge-Hand-Koordination, Einfühlungsvermögen/ Sensibilität, Experimentierfreude und Leidenschaft.
Mit einem guten Auge für Details/ Zusammenhänge kann man Anatomie/ Perspektive relativ leicht erkennen und verstehen um sie in Kombination mit einer guten Auge-Hand-Koordination zu Papier bringen. Einfühlungsvermögen/ Sensibilität ist wichtig um die Wirkung von bestimmten Stilmitteln/ -szenerien, etc. zu bemerken/ einzusetzen. Mit Experimentierfreude hat man immer wieder Lust neue Dinge zu erlernen und seinen Horizont zu erweitern. And last but not least die Leidenschaft für Motive, Farben, Stile,… Ohne sie würde wohl keiner aus freien Stücken zeichnen, egal wie toll die restlichen Eigenschaften ausgeprägt sind.
So, das wars von mir. Ich hoffe ihr könnt mein Geschwafel verstehen. ^^