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Bin ich ein guter Zeichner?

Vor einigen Tagen ist eine kurze Diskussion zum Thema “Verbesserung” im Skizzen-Thread (und im Spam-Thread) losgebrochen. Viele von uns stellen selbst fest, dass sich zeichnerische Fähigkeiten ständig verändern und auch verbessern. Doch wann wissen wir eigentlich, ob wir gut geworden sind? In welchen Schritten messen wir unseren Grad der Verbessung? Und verlieren wir manchmal vor lauter zeichnerischer Qualität die inhaltliche Komponente aus den Augen?
Ist zum Beispiel eine toll gezeichnetes Gesicht besser als eine fantastische Idee, die nicht ganz so “perfekt” umgesetzt worden ist?
Ist etwas “hübsch” gezeichnetes besser als etwas “hässlich” gezeichnetes (im Sinne von Stil-Geschmacksfrage)?

Wie steht ihr zu euren Werken? Was ist euch wichtig? Richtet ihr euch hauptsächlich nach dem Geschmack der Leute oder habt ihr eigene Ziele? Was ist euch wichtig, wenn ihr andere Werke anseht? Bevorzugt ihr eine konstante Qualität und drückt bei ewig gleichen Bildern ein Auge zu, oder ist es interessanter, wenn ein Zeichner ausprobiert und dafür auch einmal eine weniger gute Karte präsentiert?
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Was macht für euch einen guten Zeichner aus?**

Fragen über Fragen. Sicherlich fehlen da noch einige, aber als Anreiz zum Diskutieren sollte das erst einmal genügen.

Lest bitte auch, was die anderen schon geschrieben haben!

Ich denke, das ein “guter Zeichner” vor allem eine Leidenschaft haben muss, für das was er tut. Ob etwas gut oder schlecht ist, ist ja eh immer eine sybjektive Ansicht, allerdings kann man schon an hand der Machart, der Konstruktion eines Bildes sehen, ob jemand Ahnung hat oder nicht. Ich finde ein perfektes Beispiel ist Picasso. Ich gehörte früher auch zu denen, die gesagt haben “das ist doch nur Schmiererei, das kann ja wohl auch eine 6-Jährige”, aber mittlerweile sehe ich das etwas anders. Wenn man weiß, dass dieser Maler wirklich Ahnung von der Malerei auch im realistischen hatte, dann betrachtet man seine Bilder doch ein wenig anders. Denn eigentlich ist es gar nicht so einfach “etwas hinzuschmieren”, das merke ich oft bei Leuten die einfach mal drauf losmalen. Vielen fällt es schwer ohne ein Konzept oder eine Idee ein Bild zu malen, vor allem wenn es abstrakt sein soll.
Daher kann man mich durchaus auch mit “Geschmiere” (bitte nicht zu ernst nehmen, ich meine das nicht im negativen Sinne) beindrucken, solange für mich die Farben und das Gesamtwerk stimmig sind. Manchmal ist das unperfekte gerade das was mich reizt. Ich lege allerdings schon Wert auf Qualität. Vernüngtige Farbübergänge und -verläufe sind für mich sehr wichtig. Bei Buntstiften ist es immer ganz katastrophal, wenn jemand nicht richtig damit colourieren kann (weiße Ameisen wie beim TV im Bild), ausser es ist bewusst so eingesetzt. Aber das merkt man doch dann wieder am gesamten Bild.
Mir fällt dazu als Beispiel Carcondis ein. Ich weiß nicht wie es heute aussieht, aber ich erinnere mich noch daran, dass sie damals bei einem Tausch zu mir meinte, dass sie mit ihren Gesichtern nicht so zufrieden ist. Dafür kann sie so unglaublich toll colourieren, dass das Gesichtsproblem in den Hintergrund tritt.
Für mich persönlich ist wichtig, dass ICH zufrieden bin mit meinen Bildern, da ist es mir dann auch egal was andere sagen. Wenn ich ein Bild immer wieder ansehe und dann immer noch zufrieden bin, dann ist es gut geworden. Ich richte mich aber auch nach der Meinung anderer. Mir ist es schon wichtig zu wissen, ob anderen gefällt, was ich mache, auch wenn ich hauptsächlich für mich selbst male. Mein Wunsch wäre es, endlich mal nen eigenen Stil zufinden und nicht alle naselang was zu über den Haufen zu werfen, weil mir dann wieder ein Stil von jemand anderem so gut gefallen hat. Aber ich glaube ich bin gerade auf dem besten Weg…hoffe ich.
Um abschließend zu sagen: Ich persönlich betrachte Bilder meistens in ihrer Gesamtheit. Auch wenn mir ein Bild am Anfang nicht gefällt, kann es sein, dass ich meine Meinung ändere, wenn ich mich länger damit beschäftige. Ausserdem kann ein “hässliches” Bild trotzdem so gut gemacht sein, dass es “gut” ist, aber es ist auch ok, wenn einem die Machart gefällt, das Motiv aber nicht.

Wow, viele Fragen, da weiss man gar nicht wo man sich zuerst drauf stürzen soll.

Also mal überlegen: Was macht für mich einen guten Zeichner aus?

Ich könnte da jetzt ganz trocken und objektiv rangehen und Sachen runterrattern wie:
Jemand der Techniken und Anatomie beherrscht aber auch stilisiert zeichnen kann, jemand der mit jeder Colorationstechnik zurechtkommt und auch mit schwarz-weiss Bildern umgehen kann, jemand der in jeder Situation und mit jedem Medium etwas zustandebringt, einfach immer das richtige macht und das ganze auch noch perfekt.

Aber das ist idealisiert und auch nicht unbedingt auf meine persönlichen Vorlieben bezogen wenn es um -für mich- “Gute” Zeichner geht. Ich würde es eigentlich bevorzugen von von mir favorisierten Zeichnern zu sprechen, denn Kunst ist etwas sehr subjektives und was ich mag muss jemand anderem nicht gefallen und schon gar nicht “besser” sein.

Was ich als “gut” empfinde ist auch das was ich selbst mit meinen Bildern anstrebe (und damit meine ich zwar auch, aber am wenigsten, meine Kakaos) und eben bei anderen Zeichnern bewundere.
Wenn jemand mit seinen Bildern etwas rüberbringen kann - sei es eine Geschichte, Stimmung, eine Aussage oder Persönlichkeit der abgebildeten Motive, finde ich das wahnsinnig toll. So etwas zieht mich an und macht mich neugierig, es regt mich zum Nachdenken an.

Natürlich habe ich nichts gegen Bilder die einfach nur schön anzuschauen sind, aber weil viele ähnliche Sachen mögen gibt es entsprechend viele Bilder die genau das zeigen und im Endeffekt ist man damit irgendwann… nun ja, ich sage nicht übersättigt - es gibt Sachen die ich immer wieder anschauen kann und mich drüber freue, wie meinetwegen gelb/violett Kontraste - aber es ist einfach… schön und nicht so abwechslungsreich und interessant wie das was ich oben geschildert habe.

Ideal ist es natürlich wenn so ein Neugierde-weckender Ausdruck der dann praktisch meinen Geist beschäftigt, mit einem passenden optischen Reiz kombiniert wird. Das muss nicht heissen dass das Bild dann mit Dingen vollgepackt sein muss die ich als schön betrachte, es sollte einfach die Aussage unterstreichen.

Was ich ebenfalls wichtig finde: Wissen wann weniger mehr ist. Schlichte Bilder können durchaus auch ihren Reiz haben, nicht alles muss immer nach einer bestimmten Routine “durchgeackert” sein. Ich mag auch Skizzen sehr gerne (eben weil sie auch oft sehr “roh” und ausdrucksvoll sind!).

Experimentierfreudigkeit gehört für mich auch zu den erstrebenswerten Qualitäten eines Zeichners. Man kann durch experimentieren sehr viel lernen und einfach neue Möglichkeiten herausfinden und ausschöpfen.
Ich finde es furchtbar öde wenn jemand, als klassischstes Beispiel immer die gleichen Mangamädchen im Kopf-Schulterportrait zeichnet mit einem Repertoire an Gesichtsausdrücken und Posen. Ab und zu und für manche Zwecke sind solche Bilder super, es wäre gelogen wenn ich sagen ich finde solche Bilder im Vornherein schrecklich! Schade finde ich es eben wenn das dann (scheinbar) schon den gesamten Horizont eines Zeichners darstellt…
Wobei ich natürlich nicht weiss was für unentdecke Kunstwerke diese Person dann noch bunkert die ich vielleicht einfach nicht sehe. XD Eine Kakao-Galerie z.B. ist nicht unbedingt der idealste Ort um festzustellen was jemand alles kann und gerne zeichnen würde.

Hm, ich schätze das reicht erstmal. Würde ich mich jetzt noch um alle anderen Gedankenanstöße hier kümmern würde dieses Posting keiner mehr lesen. xD

Ich mag meinen Senf dazugeben senf-auf-alles-sprüh

Wie steht ihr zu euren Werken? Was ist euch wichtig? Richtet ihr euch hauptsächlich nach dem Geschmack der Leute oder habt ihr eigene Ziele? Was ist euch wichtig, wenn ihr andere Werke anseht?
Zu allererst: Die Antwortalternativen sind gut, allerdings treffen sie nicht ganz auf mich zu. Ich habe jetzt gewählt “Ich bin zufrieden, möchte aber besser werden und übe fleißig.” Ich bin viel zu selbstkritisch um meine Arbeiten richtig gut zu finden. Selbst bei denen, die ich zuerst toll finde, denke ich beim zweiten mal hinschauen “das und das und das ist net richtig und hätte ich besser machen sollen/können”. Ich bin etwas perfektiionistisch veranlagt. Dementsprechend machen mich meine allerersten Versuche auch echt wahnsinnig. Wenn ich bedenke, dass ich sowas zu STAs eingereicht habe oder vertauscht habe läuft mir ein Schauer über den Rücken.

Nichts desto trotz übe und übe ich bis ich umfalle. Ich habe es nur deswegen innerhalb von zwei Jahren geschafft von ganz weit unten zur Mittelschicht zu gelangen. Zumindest, wenn ich meine Arbeiten selbst beurteile. Ich würde mich, glaube ich, auch nie selbst zu den “guten Zeichnern” zählen, weil ich immer sehr viele andere Zeichner seeehr viel besser finde als mich selbst. Aber ich denke solch eine selbstkritische Sicht ist wichtig um sich überhaupt verbessern zu können. Wäre ich net selbstkritisch würde ich nicht üben um mich zu verbessern sondern würde meine Werke als von einer höheren Macht gegeben hinnehmen und auf dem selben Zeichenstand verweilen.

Ich experimentiere viel und verwerfe unglaublich viele meiner Versuche/Skizzen, bis ich einigermaßen zufrieden bin. Das ist echt anstrengend XD

Doch wann wissen wir eigentlich, ob wir gut geworden sind? In welchen Schritten messen wir unseren Grad der Verbessung?
Ich denke, man hat ein Gespür dafür, ob man sich verbessert. Ich merke es an meiner veränderten Colorationsart, meinem Übergang von Comicfiguren die alle gleich aussehen zu differenzierten andersgearteten Figuren, sowie meinem Gespür für Proportionen, Licht und Schatten sowie Perspektive. Das alles verbessert sich bei mir von karte zu Karte und ich habs mittlerweile so in etwa raus, wo Schatten gesetzt werden können und welche Farben ich dafür verwende. Zudem war es Anfangs so, dass ich mich nicht getraut habe tiefe dunkle Schatten zu setzen, aus Angst ich würd übertreiben und das Bild versauen. Mittlerweile weiß ich, dass gerade diese krassen Schatten ne Menge aus dem Bild rausholen können. Dieser Vorgang hat jedoch Jahre gedauert (ich hab mich schon im KunstLK net getraut tiefe Schatten zu setzen ^^).
Ich weiß also, dass ich besser geworden bin.
Ob ich auch [k]gut[/k] geworden bin ist dann die andere Frage. Ich denke, man merkt ob man gut geworden ist, wenn man seine Werke in den Zeichenstand anderer Leute einordnen kann, die man in eine bestimmte Skala steckt. Man weiß ja, was einem gefällt und hat meist bei anderen ein besseres Auge für das was richtig und falsch ist als bei seinen eigenen Werken (ist zumindest bei mir so. Ich sehe die Fehler bei meinen Bildern net, weiß aber, dass sie da sind - das ist echt hinderlich, wenn man sich verbessernd will). Ich habe andere Zeichner in einer Art Skala in meinem Kopf und könnte sagen “xy ist besser/schlechter” als ich. Und wenn ich den Stand von xy erreicht habe, der besser ist/war als ich, dann bin ich vom damaligen Standpunkt aus gesehen gut. - alles schwerlich zu lesen, aber hoffentlich machbar ^^-

Und verlieren wir manchmal vor lauter zeichnerischer Qualität die inhaltliche Komponente aus den Augen?
Ich denke nicht, dass dem so ist. Klar, man hat Vorbilder und versucht diesen Nachzueifern, aber gerade bei STAs zum Beispiel geht es mir hauptsächlich um die inhaltliche Komponente meiner Bilder und der Bilder der anderen. Ich finde diese 08/15-aber super gezeichneten Mädels die es überall zu sehen gibt sicherlich schön, doch Bilder mit tieferem Sinn und mit kreativem Hintergrund mag ich mehr. Dennoch versuche ich an dieses “alle-mögen-es-also-zeichne-ich-es” ranzukommen um auch massenkompatible Bilder zu erstellen, die sich auch dementsprechend veräußern lassen mini-kapitalist ABER schöner ist es dann natürlich, wenn man sich einen Namen gemacht hat diejenigen Bilder veräußern zu können, die eben nicht diesem Massengeschmack entsprechen. Doch bis zu diesem Punkt ist es ein langer Weg… (ich= KD-Studentin in Spe XD)

Ist zum Beispiel eine toll gezeichnetes Gesicht besser als eine fantastische Idee, die nicht ganz so “perfekt” umgesetzt worden ist?
Da geht es wieder um dieses “Massenkompatibilität vs. Einfallsreichtum und Gedanken”. Ich denke beides ist wichtig, würde jedoch die Gedankenseite der Massenkompatibilität vorziehen. Wenn die Idee dann nicht perfekt umgesetzt ist würd ich dem Zeichner durch Kommentare helfen sein Bild weiter zu verbessern. So kommen dann irgendwann beide Dinge zusammen - Können und Idee.

Ist etwas “hübsch” gezeichnetes besser als etwas “hässlich” gezeichnetes (im Sinne von Stil-Geschmacksfrage)?
Ich denke, dass man jedem Stil etwas abgewinnen kann. Manche mögen Manga-Stile mehr, manche realistische. manche westliche Comic-Stile. Es gibt so viele STile und jeder hat irgendwo seine Vorliebe. Dennoch kann jeder beurteilen, was “schön” und “hässlich” ist im Sinne von “Gut ausgearbeitet, viel Mühe, Idee hinter dem Motiv”. Das alles macht ein Bild aus. Nicht nur der Stil und auch nicht nur die Colo, nicht nur die Idee sondern auch die Umsetzung.

Bevorzugt ihr eine konstante Qualität und drückt bei ewig gleichen Bildern ein Auge zu, oder ist es interessanter, wenn ein Zeichner ausprobiert und dafür auch einmal eine weniger gute Karte präsentiert?
Letzteres finde ich sehr wichtig - nru so kann sich ein jeder von uns verbessern ;-)

Was macht für euch einen guten Zeichner aus?
Es spielen sehr viele Dinge ein um ein Werk zu bewerten und jeder hat andere Vorlieben, doch im Endeffekt lässt sich alles grob zusammenfassen in:

Wenn die Idee und die Umsetzung stimmig sind, wenn alles ordentlich ausgearbeitet wurde und sich Gedanken zum Bild gemacht wurde, sind Stil und Können egal. Es kommt auf das Gesamtpaket an ;-)

Das wars erstmal - ich hab Hunger XD

Liebe Flauschegrüße
Rattata

Ich muss Monkey in weiten Teilen zustimmen, allerdings sehen ich, um es auf meine Meinung übertragen zu können, einen deutlichen Fehler in der Formulierung der von ihr beantworteten Frage: Was mache einen guten Zeichner aus?

Hier im KaKAO Forum tummeln sich ein riesen Haufen guter Zeichner. Außerdem gibt es noch ein paar, die vor allem durch gewisse Spezialitäten aus der Masse hervorstechen. Von vielen bin ich auch einfach vom Stil besessen, könnte nie genug davon sehen. Das sind alles gute, sehr gute Zeichner. Kreative Köpfe, beeindruckende Heimwerker … aber macht sie das zu Künstlern ?

Ich glaube Monkey beantwortet die Frage, was einen perfekten Zeichner ausmacht. Nach zwei Jahren Leistungskurs Kunst habe ich, leider, die Lust am malen und zeichnen erstmal sowas von verloren. Wenn ich KaKAO nicht gehabt hätte, hätte ich es wohl aufgegeben (Hoffentlich denken sich jetzt ein paar, dass das schade gewesen wäre, das wäre sehr gut für mein Selbstwertgefühl ^^). Ich weiß nicht, wie viele von euch dieses Gefühl noch hatten, aber ich glaube die Dunkelziffer ist hoch. Leistungskurs Kunst bedeutet nämlich vor allem eines: Von einem Menschen beurteilt zu werden, der dich eventuell nicht leiden kann. Ich hatte das Pech, dass man mich nicht leiden konnte und ich habe sehr gelitten. Kunstlehrer können sehr grausam sein, mit Worten, und mit Kugelschreibern in Bleistiftskizzen. Aber was ich eigentlich sagen wollte, ich hatte ein Mädchen in meinem Kurs, mit der ich auch heute noch einigermaßen befreundet bin, auf die Monkeys Kriterien voll zutreffen. Sie konnte immer und überall mit allem malen. Sie war wirklich der Wahnsinn. Ihre Reclamheftchen waren wirklich echte Kunstwerke und ihre Ideen, einfach so, grob aus dem Kopf entstanden, ohne Sinn und Konzept, waren atemberaubend. Aber sie hat ihre Zeichnungen selbst nicht leiden können. “Zum kotzen” (O-Ton) fand sie sie. Eigentlich durch die Bank alles, es gab nichts, worauf sie stolz war. Nicht mal ihre Facharbeit, die wirklich er absolute Hammer war, hat sie selbst zufrieden gestellt.
Ein anderes Mädchen, eine meiner besten Freundinnen, kommt auch ziemlich nah ran, an Monkeys Beschreibungen. Sie hat toll gemalt, in jedem Stil, jeder Richtung, mit jedem Medium. Außerdem wusste sie auch um ihr Talent. Aber manchmal … manchmal hat sie einfach alles übertrieben. Die Augen wurden plötzlich viel zu groß, die Beine viel zu lang, zarte Kurven zu einem unnatürlichen Bogen. Sie ist mit Sicherheit auch ein guter Zeichner, aber wie auch bei der anderen führt diese kleine Schwäche einfach dazu, dass sie eben nicht ganz perfekt ist.

Ich mag meine Bilder meistens, sonst würde ich sie nicht versuchen in Umlauf zu bringen. Natürlich mag ich die einen mehr, die anderen weniger, aber insgesamt kann ich sie alle gut leiden. Wenn ich einen Wunschtausch mit jemandem habe, von dem ich das Gefühl habe, er ist viel besser als ich bekomme ich Zustände, weil ich Angst habe, dem nicht gerecht zu werden. Bei STAs bekomme ich Zustände, weil ich auf keinen Fall will, dass meine Karten die sind, die keiner haben will. Und das Gefühl hatte ich leider schon öfters, weil Menschen, vor allem kleine Mädchen unglaublich grausam sein können, wenn sie etwas bestimmtes haben wollen. Natürlich spielt auch bei mir bei der Entscheidung zu einer STA auch mit, wer sonst noch teil nimmt, dann freu ich mir nen Keks, wenn ich ne besonders tolle Karte bekomme, aber ich bemühe mich trotzdem, auch in den anderen Karten etwas gelungenes zu finden. Denn manchmal übersieht man schöne Details, wenn man von anderen Dingen besessen ist.

Was ich allerdings nicht mag, und da kann der Zeichner noch so toll sein, ist Schlamperei. Vor allem in letzter Zeit sehe ich die leider immer häufiger. Unsaubere Outlines können die schönste Colo versauen, missglückte Coloration lässt die schönste Idee hässlich werden. Ja, es ist wichtig, dass man seiner Idee entsprechend zeichnen kann, denn sonst wirkt die Idee einfach nicht. Genauso kann ein einfacheres Bild von einem begabteren Zeichner sehr viel schöner sein, einfach weil er gut zeichnen kann. Wir sind nicht in der Schule, wo ein komplizierter Satz mit tausend Fehlern besser benotet wird als ein einfacher ohne Fehler. Wenn ich eine tolle Idee habe, und ich befürchte ihr nicht gerecht zu werden, dann hole ich mir Hilfe. So wie zum Beispiel für meinen Conichi Beitrag. Ich treffe mich am Samtag mit BlueFox, damit sie mir bei der Coloration hilft.

Wer wirklich kein guter Zeichner ist, ist einer, der seine eigenen Fähigkeiten nicht einschätzen kann. Das gilt nach oben wie nach unten. Finde ich.

PS Ach Rattata du plöte Kuh >.< … Ich schick den Beitrag jetzt trotzdem ab xD +ratti flausch+

Jetzt, nachdem ich Rattatas Beitrag noch gelesen habe muss ich noch ein bisschen was hinzufügen.

Ich bin sehr gut in Anatomie, ich weiß, wie ein Bild aufgebaut sein muss, um angenehm auf den Betrachter zu wirken, ich kenne Bedeutung und Wirkung von Farben, ich habe ein gutes Auge für Fehler … bin ich ein guter Zeichner? Nein, damit bestimmt nicht. Vielleicht bin ich nicht mal ein geeigneter Kritiker, weil viele Leute allergisch darauf reagieren, wenn man Dinge kritisiert, die sie selbst gut finden. Aber die Diskussion gibts vor allem im Kritk-Thread.
Wenn ich einen guten Tag habe kann ich das aber auch relativ gut umsetzen. Finde ich jedenfalls. Ich halte mich für einen recht annehmbaren Zeichner. Gut? Ich weiß nicht, jedenfalls hatte ich trotz des Hasses meines Lehrers immerhin letzten Endes ein gut in Kunst. In der Abiprüfung habe ich aber dann doch besser die Theoretische Aufgabe genommen, um nicht eventuell auf Grund mangelnder Sympathie total abzulosen.
Habe ich mich in den letzten Jahren verbessert? Eindeutig. Oder vielleicht auch nicht? Ich weiß es nicht genau. Ich gebe mir viel Mühe und male vor allem auch gerne großformatig. Ich male jedoch vor allem stilisiert und abstrakt, ich lebe mich sozusagen auf meinen Leinwänden aus. Kann man abstraktes als Gut oder schlecht einordnen? Ich denke nicht, es ist Ansichtssache. Ich mag zum Beispiel die meisten Werke Picassos nicht, weil sie pornographisch und anstößig, geschmacklos sind. Andere, zum Beispiel die Guernica, die ich im Abi auch intensiv analysiert habe, gefallen mir sehr gut. Dagegen bin ich ein großer Fan von Dalí, ebenfalls abstrakter Künstler, aber … irgendwie größer, freier, farbiger, agressiver, leidenschaftlicher. Auf der anderen Seite liebe ich Mucha, der wiederum sehr realistisch gemalt hat. Und Elvgren ist ebenfalls einer meiner großen Idole.

Bin ich also ein guter Zeichner? Kann man guter Maler sein, ohne gut zeichnen zu können? Es gibt zahlreiche Beispiele großer Künstler.
Schwere Frage +shrug+

Aber ich finde wichtig, dass man bei all seiner Kritik, Unverständnis nicht mit Beleidigungen kompensiert. Und wenn man missverstanden wurde sollte man sich nicht um Kopf und Kragen argumentieren sondern sich entschuldigen, missverstanden worden zu sein, und sich zurück ziehen. So jedenfalls versuche ich es zu halten.

fertigessen-vom-gesicht-wisch*

@Mieze: Selber plöde Kuh :-p
Als ich meinen Beitrag fertig hatte hab ich zwei Beiträge vor mir stehen gehabt wo zuvor noch nichts stand XD

Kommentar zu allem andren XD:
Ich denke, dass gerade das Beherrschen von Licht, Perspektive etcpp einen guten Zeichner ausmacht - das muss aber nicht heißen, dass es in jedem Bild naturalistisch umgesetzt werden muss, sondern dass es wichtig ist. dass das Bild hinterher stimmig ist. Ich zeichne unheimlich gern plakativ und einige meiner Bilder (kein Kakao) gehen auch eher in die surreale Richtung - und dennoch finde ich, dass es auch da sehr schnell auffällt, wenn ein Zeichner/Künstler gerade diese Dinge nicht beherrscht (Perspektive und Co.) Denn auch diese können ein surreales und Abstraktes Werk unüberlegt erscheinen lassen (mit Ausnahmen natürlich, schließlich gibt es auch Künstler die eben genau durch die “falsche” Perspektive etc hervorstechen und dieses Mittel wählen um gewisse Dinge in ihren Bildern auszudrücken - und dann kommt wieder die "Masse vs Idee-Geschichte ins Spiel ^^)

weghoppel

Eure Beiträge les ich wenn ich daheim bin und bezieh mich dann auf die!

Ich denke Verbesserung ist eine Konstante. Man macht keine Sprünge, sondern es kommt nach und nach, immer ein bisschen mehr.
Wenn man bei dem einen Bild das Gesicht noch sehr flach gemalt hat, ist es ein paar Bilder weiter vielleicht nicht mehr flach sondern man hat die Dreidimensionalität entdeckt und kann sie anwenden!

Wann genau die Verbesserung eingetreten ist kann man nicht sagen. Auch nicht was es ausgelöst hat. Vielleicht waren es die 20 Gesichter, die man zwischenzeitlich in sein Skizzenbuch, an den Rand von Schulblättern oder auf diverse Zettel gezeichnet hat ohne wirklich darüber nachzudenken. Vielleicht war es auch der Kommentar einer Freundin, eines Freundes, eines Familienmitglides, dass das Gesicht viel zu Flach aussieht. Vielleicht war es auch ein Satz oder ein Bericht von erfahrenen Zeichnern die darüber geschrieben oder gesprochen haben.Vielleicht Ein Bild in einem Buch oder eine Diskussion der man gelauscht hat.

Man darf auch nicht vergessen, dass jeder seine eigene Geschwindigkeit hat!
Während einige in den ersten Jahren in denen sie zeichnen einen Fortschritt nach dem anderen machen brauchen andere für ähnlich große Fortschritte mehr Zeit.
Die Verbesserung ist trotzdem da und wenn man dann Jahrealte Bilder vergleicht wird man die Unterschiede sehen.
Zwischendrin wird jeder Phasen haben in denen die Verbesserung weniger als kaum vorhanden ist aber sie ist trotzdem da.
In dieser Zeit wird man vielleicht die Anatomie und den Realismus nicht verbessern aber man fängt an mehr über Hintergründe und Details nachzudenken und diese hinzu zu fügen. Im Prinzip bin ich der Meinung: je länger jemand zeichnet, desto schwerer wird es “große Sprünge” zu machen, dafür festigt sich immer mehr der “Stil”

Ein guter Zeichner ist jemand der keine Angst davor hat neues aus zu probieren und gewillt ist sich zu verbesser und zu verändern, auch wenn das Ablehnung zur Folge hat.
Jemand der immer nur das gleiche zeichnet, weil es gerade beliebt ist, der wird sich nicht weiter entwickeln. Wenn er jedoch was völlig neues macht, dann kann es passieren, dass kein mag was man jetzt tut aber das darf einen nicht abhalten.
Ich kann mich nicht immer auf die Lobhudeleien von anderen verlassen, vor allem nicht wenn ich mich verbessern will. Wenn ich immer das gleiche zeichne lerne ich nichts neues. (Außer vielleicht, dass mich mein eigenes Zeug anödet und dann ist es auch nur noch ein kurzer Schritt, bis es die anderen langweilt)

Ein guter Zeichner ist für mich auch jemand, der gerne zeichnet (wie Jacaj es schön gesagt hat). Wenn jemand Spaß an einem Motiv hat, dann wird das Bild eine ganz andere Qualität haben als eines durch das er sich gequält hat.
Vor allem ist dann auch die Freude größer, wenn man merkt, dass das Motiv in welches man wirklich Gefühl investiert hat, bei anderen Leuten ebenfalls Gefühle auslösen.

Ein guter Zeichner kann für mich auch mal abschalten. Er wird nicht immer versuchen das perfekte Bild zu Papier zu bringen. Ein Künstler ist für mich jemand, der einfach mal ein paar Striche hin schmiert um eine Idee fest zu halten ohne erst mal weiter darüber nach zu denken. Er wird nicht versuchen Perfektionismus zu erreichen, denn das ist nicht möglich. Jemand der versucht pefekt zu sein hat schon verloren, denn das ist unerreichbar. Ein guter Zeichner weiß, wenn es jetzt nicht klappt, dann vielleicht ein anderes mal. Und es wird ihn nicht belasten, denn wenn er dann das nächste mal los legt wird es leichter gehen, weil er entspannter ist, weil er weiß, wenn es wieder nicht klappt dann halt beim nächsten mal!
Das ist natürlich frustrierend aber deswegen muss er auch abschalten können. Das Bild einfach mal ruhen lassen.

Zeichner die mit wenigen Strichen und in kurzer Zeit das gleiche darstellen können wie jemand anders, der dafür Stunden braucht und 100 Details einbaut, beeindrucken mich wesentlich mehr.
Wenn jemand mit wenigen Strichen etwas zeichnet UND ICH ERKENNE DAS ist dies für mich, größere Kunst als eben das andere extrem. Die Einfachheit in einem Bild, Details zu haben ohne zu überladen. Einen Ausgleich zu finden zwischen zu viel und zu wenig. Diejenigen die das können sind für mich wahre Künstler. Und dann ist es auch nicht wichtig, dass es vielleicht nur Bleistiftstriche sind.
Für mich ist das eine echte Kunst.
Deswegen mag ich auch Skizzen so. In einer Skizze muss ich nicht unbedingt jedes Haar auf dem Arm eines Menschen zeichnen. Ich schraffiere kurz drüber und jeder wird wissen, dass sind Haare auf dem Arm.

Was Stile angeht ist das immer so eine Sache. Es ist schwer zu sagen “Mir gefällt dein Stil” denn vielleicht ist es gar nicht der Stil sondern die komplette Art.
Das sieht man immer so schön bei Comics, speziell Mangas.
Nehmen wir z.B. One Piece. Der Stil, sind wir ehrlich, in den meisten Fällen nicht ästhetisch (auf den ersten Blick). Aber wenn man Fan von der Serie ist, z.b. wegen der Charaktere oder der Story, wird man darüber hinweg sehen und legt sein Augenmerk auf Kleinigkeiten. Auf Schraffuren, auf Bildkompositionen, auf kleine Details die im Hintergrund versteckt sind.
Das gleiche ist mit Mangas und Comics die keinen so eigenen Stil haben, z.B. die 100.000 Anira Tanemura Klone. Große Augen sind vielleicht für viele ansprechend, aber wenn es dann zu Gesichtsausdrücken, Dynamik, Bildkompositionen kommt wird man die Schwächen erkennen.
Wenn man es natürlich schafft beides in Einklang zu bringen: Glückwunsch! Ein groooßer Schritt nach vorne!
Aber wenn einem eins davon fehlt ist das nicht schlimm. Ein Bild, eine Karte kann ja trotzdem schön sein und mich ansprechen. Es kann auch sein, dass ich den Stil gerade deswegen toll finde, weil es mich an die spezielle Person erinnert. Das ist gerade bei Freunden so.

Kommen wir zu meinem Stil. Es gibt wohl nicht viele, die den als “schön” oder “ansprechend” bezeichnen würden. Ich kann mir sogar vorstellen, dass ihn viele hässlich finden. XD Aber das ist mir ganz ehrlich egal (zudem es doch einige gibt, die meinen Stil mögen). Ich bin mit meiner Art zu zeichnen zufrieden. Meine Bilder sind oft einfach gehalten und ich kann kann Details einbauen ohne, dass ein Bild überladen wirkt! (8D) Ich kann auch in wenigen Strichen zeichnen was ich möchte. Natürlich alles andere als perfekt. Aber das sind meine Stärken (finde ich zumindest)
Meine Schwächen liegen dafür in Coloration und oft genug in Anatomie. Ich weiß ich verbessere mich langsam aber stetig und niemand kann mich in diesem Prozess aufhalten.
Die meiste Zeit über werde ich nur kurze Bilder von 5-15 Minuten in mein Skizzenheft kritzeln und der großteil dieser Bilder wird nie nie darüber hinaus kommen sondern im Buch versauern aber ich kann trotzdem stolz auf sie sein und wenn ich mir meine alten Skizzenbücher anschaue… heilige Scheiße ich habe mich unendlich viel verbessert!

Ich bin überzeugt ich kann das auch in Zukunft sagen. Vielleicht nicht in einem Jahr oder in zwei aber vielleicht in fünf oder zehn. :]

Entschuldigt diese Textwand. Wenn ihr das alles tatsächlich gelesen habt (und ich weiß meine Postings werden gerne ignoriert XD) dann dürft ihr euch einen Keks nehmen Dose hinhalt

Übrigens ist das alles meine persönliche Meinung und die Informationen sind aus persönlichen Erfahrungen/Gedanken geschrieben. Also müsst ihr nichts darauf geben. XD

Bin ich ein guter Zeichner?
Die Semesterscheine aus meinem Studium sagen “Ja.”

Die Frage ist natürlich hierbei, was man unter “gutem” Zeichnen versteht. Meiner Meinung nach ist gutes Zeichnen, wenn man das, was man sieht, zeichnerisch darstellen kann, sprich, wenn jemand 'ne Flasche zeichnet, diese auch von anderen als Flasche zu erkennen ist. Das kann ich.
Geht man nun ins abstrakte Zeichnen, wird die Antwort auf die Frage natürlich schwieriger, genauso wie meine Definition.

Nehmen wir als Beispiel das Portrait: Natürlich sind diese 5-Minuten-Portraitisten auf dem Weihnachtsmarkt, die mal eben so locker-flockig ein Portrait ihres Gegenübers runterscribbeln, gute Zeichner, aber sie setzen sich nicht mit dem Menschen an sich auseinander, was einfach in dieser kurzen Zeit nicht möglich ist und weshalb die meisten Portraitierten am Ende eigentlich unzufrieden sind mit dem Portrait und sich selbst oft so gar nicht darin wiederfinden. Unsere Wahrnehmung ist einfach viel zu emotionsgesteuert, um klar zu definieren, was wir eigentlich sehen und wie wir es gern dargestellt hätten.

Im Gegenzug stellt man beim abstrakten Zeichnern viel mehr den Charakter einer Person oder eben eines Gegenstands dar. Das wiederum führt dann zu sehr umstrittenen Darstellungen, die eben entweder den Geschmack treffen oder nicht. Kein Betrachter wird das selbe Gefühl verspüren, was der Schaffende seinerzeit bei Erstellung der Zeichnung/Malerei empfand. Dieser abstrakte Zeichner wird nie den Ruhm ernten, den ein offensichtlich handwerklich versierter Zeichner erntet, obwohl er nicht einfach nur Oberflächliches darstellt. Da entscheidet dann die breite Masse, was “gut” ist. Und das ist meist leider das 1:1 abgemalte, ewig durchgekaute Zeichnen nach korrekter Anatomie, festgesetzten Regeln über Verhältnismäßigkeiten, günstiger Lichteinfall und massentaugliches Motiv.
Das ist gutes Zeichnen. Die Frage ist nur, ob man eben gut sein möchte und sich mit einem “Gut” zufriedengibt.
Ich bin ein guter Zeichner und ich möchte es eigentlich nicht sein. Und ich schaffe es nichtmal, das in Worte zu fassen, was ich eigentlich sagen möchte… glaub ich.

Ich bin auf der Suche nach Anerkennung und Akzeptanz. Dabei lege ich wert auf Kommentare und Stimmenvergabe auf Plattformen wie dieser. Dafür zeichne ich das, was man von mir sehen will und von dem ich weiß, dass es andere gut finden. Das habe ich gelernt und das funktioniert. Darin wurde ich ausgebildet. Das ist gut.
Mir gefällt, was ich zeichne, aber eigentlich reicht mir das nicht. Und das ist ein Durst, den ein solch banales Wort wie “gut” nicht stillen kann. Und die Frage ist, ob das eine charakterliche Eigenheit, wenn nicht gar Unart ist, oder ob das völlig normal ist.
Ich finde Leute unsympathisch, die gute Zeichner sind, ständig rumjammern, wie schlecht sie sind und dann anfangen aufzumucken, weil ihnen nicht genügend Aufmerksamkeit zuteil wird, oder wirklich mal Kritik kommt, die nicht alles lobt, obwohl sie ja lautstark ständig auf ihre eigenen, selbst eingeredeten Unzulänglichkeiten hinweisen.

Erst einmal danke für eure langen, ausführlichen Antworten. :)

Das sehe ich ein bisschen anders. Bis zu einem gewissen Grad kann man “gut” schon am handwerklichen Können festmachen. Der unvermeidliche Arina-Tanemura-Vergleich (von konfuse) erklärt es, finde ich, ganz gut. Es gibt Leute, die können fantastisch diesen Stil nachahmen. Deren Bilder sind auch so lange gut, wie sie sich eben in diesem Rahmen bewegen. Geht es aber darum, diesen Pfad zu verlassen, versagen sie völlig. Da hat jemand ganz offensichtlich zeichnerische Grundlagen nicht verinnerlicht.

Schon. Aber ist Experimentierfreudigkeit wirklich ein Qualitätsmerkmal? Ich stimme dir zwar in Bezug auf das Lernen zu, aber für mich ist die Tatsache, dass jemand experimentiert, erst einmal wertneutral.
Ich kenne Leute, die experimentieren, die ich aber nicht für besonders gute Zeichner halte. Dass, was sie Herumexperimentieren, sieht zwar nett aus, aber schaut man sich deren “Werk” im Gesamten an, dann sind es eigentlich nur minimale Variationen. Ich finde es wichtiger, aus den Erkenntnissen, die man aus dem (unbedarften) Experimentieren gewonnen hat, etwas zu machen.
Hier in der KakAO-Galerie sind einige schöne Beispiele, bei denen jemand schreibt, dass er diese und jene Technik zufällig mal entdeckt hätte, und genau diese die jeweilige Karte besonders spannend machen.

Ich habe die Ausgangsfrage bewusst über “Zeichner” gestellt, denn das sind wir hier auf der Seite größtenteils. Künstler können ja auch Zeichner sein. “Was ist Kunst” ist ja schon wieder ein völlig eigenes Thema.

Leistungskurs Kunst bedeutet nämlich vor allem eines: Von einem Menschen beurteilt zu werden, der dich eventuell nicht leiden kann.

Stimmt. Genau deshalb sollte man Lob und Kritiken grundsätzlich erst einmal skeptisch betrachten und für sich selbst überlegen, ob etwas davon zutreffend ist. Was die Kunstlehrer möglicherweise total sch**ße finden (Manga in der Regel), finden andere Leute widerum supertoll, und umgekehrt.
In Stilfragen ist “gut” allerdings immer relativ.

Für mich ist ein guter Zeichner derjenige, der bewegende Bilder zeichnet, bei denen man vielleicht überrascht ist von Strichen und Lösungen, der eine Idee gut umgesetzt hat. Auch das 0815-Manga-Mädchen, das in der Gegend herumsteht, kann von einem guten Zeichner so in Szene gesetzt werden, dass man trotzedem noch darüber staunen kann.

Das sehe ich anders. Ein guter Zeichner bringt stets ein gutes Bild zustande, und wenn nicht, dann frickelt er so lange daran herum, bis es gut ist. Alle guten, die ich bisher erlebt habe, hatten allesamt das Bedürfnis, ihre Idee adäquat umzusetzen.
“Das” perfekte Bild gibt es ohnehin nicht, da es zu einer Idee viele Lösungen gibt, die alle auf ihre Weise gut sein können.

Gut heißt ja nicht perfekt.
Ich hatte letztens eine kuriose Prüfungssituation. Während der Prüfung des vorletzten Semesters wurde mir gesagt, ich solle meinen Werken positiver gegenüberstehen. Im letzten Semester habe ich meine Arbeit als “relativ gut” betitelt, woraufhin mir dann durch die Blume Arroganz bescheinigt wurde.
Ich persönlich halte mich für relativ gut. Jedes Mal aufs Neue hoffe ich, dass ich meinen Zenit noch nicht überschritten habe, dass ich mich weiter verbessere, mein Repartoir erweitere. Die Welt ist immerhin groß. Viel größer als das, was ich jemals zu Papier bringen könnte.

Mir gefällt, was ich zeichne, aber eigentlich reicht mir das nicht. Und das ist ein Durst, den ein solch banales Wort wie "gut" nicht stillen kann. Und die Frage ist, ob das eine charakterliche Eigenheit, wenn nicht gar Unart ist, oder ob das völlig normal ist.

Mit der Auffassung bist du jedenfalls nicht allein. Mir geht es genauso.
Auch mir haben Leute oft genug gesagt, dass sie mich/meine Sachen gut finden. Selbst vor einigen Jahren fanden mich Leute gut. Aber anstatt den Geschmack weiter zu bedienen, hat mir das irgendwann (auch) nicht mehr gereicht. Heute zeichne ich fast gar nicht mehr Manga, weil ich, je besser ich werde, nicht mehr die Fähigkeit habe, unbedarft etwas “falsch” zu machen und mich selbstbewusst mit einer krüppeligen Mangafigur hinzustellen, wie es früher einmal gewesen ist.

Ich würde noch einen Unterschied machen. Für mich ist ein guter Zeichner leicht zu erkennen: Das ist jemand, der die technischen Grundlagen perfekt beherrscht. Macht das ihn zu einem guten/großartigen Künstle? Nicht, wenn außer der Technik sonst nichts stimmt. Für mich mag jemand noch so gut zeichnen können - wenn die Bildatmosphäre mich nicht überzeugt finde ich das Bild nicht interessant. Das mag jetzt nach Haarspalterei klingen, aber ich würde diese zwei Begriffe trennen - so überstrapaziert das Wort Künstler auch ist.

Ich denke nicht, dass ich ein besonders guter Zeichner bin - auch wenn einiges an z.B. den Gesichtern die ich zeichne Absicht ist habe ich doch sehr wenig Ahnung von Anatomie und anderen Grundlagen. Um mich zu verbessern müsste ich allerdings sehr viel mehr skizzieren und üben als ich es tue - und dafür habe ich zur Zeit einfach noch zu viele andere Hobbies/Dinge zu tun und bin auch bis zu einem gewissen Grad zu bequem. Allerdings denke ich, dass ich ein gewisses Gefühl für Farbe und Bildatmosphäre, wenn auch nicht für den perfekten Bildaufbau habe. Ich bin zwar fast nie zu hundert Prozent zufrieden, bin mir aber über meine Defizite bewusst und bilde mir nicht ein, besser zu sein als ich bin und habe meinen Frieden damit gefunden - für den Moment.

Sehe ich ganz genauso.
Es gibt da ein wunderbares beispiel einer Zeichnerin, die ich vor einigen Jahren sehr bewundert habe. Ihre Technik war zwar noch nicht perfekt was Anatomie etc betrifft, aber ihre Zeichnungen haben Gefühl ausgestrahlt und genau die Stimmung rübergebracht die gewollt war.
Je perfekter der Stil über die Jahre allerdings wurde, ist er inzwischen zwar anatomisch und technisch korrekt, aber leider nur noch steril und strahlt absolut gar nichts mehr aus.

Kunst ist und bleibt eben subjektiv, genau wie Schönheit immer im Auge des Betrachters liegt.

Ich liebe solche Threads. Schauen wie sich die Leute so einschätzen und dann schnell in ihre Gallerie linsen :wiiii: Also bin ich eine gute Zeichnerin? Also generell wenn ich so schaue…jep schon! Bin ich zufrieden …nah! Tja ich will nämlich meistens das gut können was ich halt grad nicht so gut kann z.B schöne saubere Outlines am besten noch mit Tinte…zum verzweifeln für mich.(Zitterhände hoch 3) Aber ich übe trotzdem weiter (und schmeiss die hälfte in die Tonne) Generell wenn man ein gewisses Niveau erreicht hat muss man sich irgendwie entscheiden mach ich einfach nur das was ich gut kann oder versuche ich noch mehr Fähigkeiten zu erlernen? (okok natürlich geht bis zu einem gewissen Grad auch beides gleichzeitig.) Ich möchte so vieles können zeichnerisch oder dann malen oder auch Silhouetten ausschneiden Modellieren Fotos machen…usw. Nebenbei spielt einem noch das Pokemon Thema durch den Kopf “Ich will der allerbeste sein…” Das kann natürlich nicht gut gehen… Dann kommen auch noch so Stimmungsschwankungen zwischen ich bin kagge und will nie mehr Zeichnen und keiner guckts sich an weils kagge ist oder mann das ist doch gut ey WAAAAAAAAAAAAAATCHT MICH verdammich wiso watcht ihr mich nicht!! öhm ja… :püh: Was will ich eigentlich sagen…? Viel üben aber sich nicht unter Druck setzen dann klapts auch. Locker flockige Weisheit.

Hm, du hast mich offenbar falsch verstanden, ich möchte hier noch einmal wiederholen und betonen:
-Für mich- macht es einen guten Zeichner aus dass er bereit ist zu experimentieren und sich nicht bequem auf immer der gleichen Schiene ausruht. Ansonsten stimme ich dir vollkommen zu.

Für mich ist ein guter Zeichner jemand, der seinen eigenen Stil entwickelt (und damit zufrieden ist!). Wenn man ein Bild sieht, muss man gleich sehen können, das Person XY das gemalt hat. Dabei macht es mir nicht aus, ob der Stil Manga, realistisch oder doch eher abstrakt ist. Man muss sich nicht krankhaft an Proportionen fest klammern, um ein “richtiges Bild” zu mahlen. Ein Bild, wo Gefühle und eine Story drin stecken, ist für mich ein Stilelement.
Klar kommt es auch auf Techniken an. Wenn man die Tricks kennt, sehen Bilder schnell besser aus. Dazu gehören für mich Farbkontraste, Lineart und Schatten/Lichteinfall. Das zu beherrschen hilft einem ein guter Zeichner zu werden, aber es ist nicht alles.

Und was Monkey sagte; Durch experimentieren entdeckt man neue Möglichkeiten. Der Zeichner sieht dann, “Oh, dass und das kann ich auch noch machen!” Allerdings ist die Experimentierfase für mich eine Fase, wo in der Zeichner nicht gut ist. Er hat noch keinen festen Stil. Die Bilder sehen ständig anders aus, was eigentlich auch gut ist, aber meistens gibt es dann null Wiedererkennungswert. Erst wenn der Zeichner diese Fase von experimentieren abgeschlossen hat, wird er ein guter Zeichner sein. Dann hat er die verschiedene Techniken ausprobiert, so wie Materialien und Kolomethoden. Dann weiß er, was bei seinem Stil passt.

Ob ich mich selber als ein guter Zeichner bezeichnen würde? Noch nicht. Ich habe noch viel zu lernen. Ich habe zwar meinen eigenen Zeichenstil gefunden, aber zufrieden mit meine Kolo und Perspektiven bin ich noch nicht. Ja, es sieht schön aus. Aber das Bild lebt nicht, es bleibt ein totes Bild ohne Gefühle. Und wenn ich Gefühle in das Bild reinbringe, sieht es nicht realistisch aus. Es sieht so aus, als würde das Bild mir etwas vorlügen wollen.

Ach ja, Anatomie. Manche sagen, meine Anatomie stimmt nicht. Doch ich finde, dass sie stimmt. So zeichne ich halt, das ist mein Stil, und den bleibe ich treu. Wir leben nicht mehr in die Zeit des Neoklassizismus, wo nur ein Stil “richtig” war. Jeder Mensch hat seinen eigenem Geschmack. Manche Leute werden deine Bilder lieben, während andere sie hassen. Ich finde, Anatomie ist auch subjektiv. Die Anatomie in ein Bild ist erst “falsch”, wenn es verzerrt aussieht, und das Gesamtpaket nicht stimmt.
Wenn man die klassische Regeln des Anatomie einhält, würden alle Manga figuren falsch sein. Niemand würde sie lieben. Und doch sind sie jetzt beliebt, seeeeehr beliebt sogar.
Also ist Anatomie ein Stilelement und nicht etwas das sagt ob ein Zeichner gut oder schlecht ist.

Das ist meine, sehr subjektive, Meinung. ^^

Ich finde deine Meinung sehr interessant, vermutlich weil ich das jetzt größtenteils nicht nachvollziehbar finde für mich.
Vielleicht verstehe ich das aber auch falsch.

Aber andersrum gefragt:
Was, wenn ein Zeichner sein Leben lang in einer Experimentier"phase" ist? So sehe ich das nämlich - man probiert immer neues aus und lernt dadurch dazu. Sonst würde man ja ganz theoretisch im Umkehrschluss iimmer das gleiche tun und sich nicht entwickeln. Dabei wird sich unweigerlich auch ein fester “Stil” entwickeln, sogar sehr schnell weil man keine neuen Einflüsse in sich aufnähme - aber wäre das dann in deinen Augen gut?
Ist ein Wiedererkennungswert wichtiger als gute einzelne Bilder die unterschiedlich sind?

Ich vertrete anscheinend eine sehr gegenteilige Meinung über das was ich als gut und damit erstrebenswert finde, woran sich mein zeichnerisches Handeln dann auch ausrichtet.
Ich bin selbst der Meinung keinen besonders konstanten oder gar eigenen Stil zu haben (auch wenn mir das Freunde immer wieder bestätigen) weil ich selbst gar nicht so genau weiss was ich will und so immer wieder mal verschiedenes ausprobiere. Das gehört für mich zum Lernprozess dazu und ist (hoffentlich!) auch etwas was nie abgeschlossen sein wird. Mit der Zeit haben sich wohl einige Merkmale meines “Stils” klarer herausgebildet die meine Freunde wohl auch als meinen Stil bezeichnen würden und die es wohl sind, aber ich habe Schwierigkeiten für mich zu sagen “Ich habe einen festen Stil” wenn ich für verschiedene Bilder ganz unterschiedliche Lösungswege wähle und auch mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen herauskomme.
(Vielleicht wirkt das auf andere gar nicht so arg wie ich es hier umschreibe - das ist auch nur mein subjektives Empfinden über Sachen die sehr subtil sein können und anderen vielleicht nicht einmal so sehr auffallen wie mir.)

Früher hat mich das sehr gestört, weil ich gerne einmal einen Comic zeichnen wollte und es da ziemlich störend ist wenn die Personen in jedem Panel aussehen als hätte sie eine andere Person gezeichnet, übertrieben ausgedrückt.
Jetzt aber sehe ich das nicht mehr so eng. Einige Stilelemente entwickelt früher oder später wohl jeder für sich.

@Monkey
Ach so. Ich dachte, du meinst mit Experimentieren jetzt wirklich “einfach mal draufloskleckern” und nicht etwas Neues ausprobieren, um nicht auf derselben Schiene weiterzufahren.

Das ist nicht richtig. Ein Stil entwickelt sich automatisch, wenn man viel zeichnet. Wie ??? (Mensch, wer war das gleich!) schon weiter oben schrieb, ist das Zeichnen an sich etwas subjektives, weil wir Menschen unsere Welt subjektiv betrachten. Was ich sehe, siehst du vielleicht ganz anders. Zeichnen ist immer eine Interpretation dessen, was wir sehen. Doppelt subjektiv also. Niemand zeichnet wie der andere, nicht nur wegen des subjektiven Empfindens, sondern auch wegen der individuellen Anatomie.

Wenn ein guter Zeichner, der normalerweise nur mit Bleistift zeichnet, jetzt großformatig mit einem fetten Pinsel und Tusche zeichnet, dann SIEHT man sehr wohl, dass das von dem Zeichner ist. Man sieht es möglicherweise an der Strichführung, bestimmt an der Komposition und noch wahrscheinlicher an der Art, wie er ein Thema umsetzt.

Ich sehe das wie Monkey. Ein gewissenhafter Zeichner probiert immer etwas Neues aus. Alleine, wenn er nur einmal eine andere Pflanze oder einen anderen Faltenwurf zeichnet, ist schon ein Ausbruch aus seiner gewohnten Bahn. Unter Umständen lernt er dabei etwas Neues, sagt sich, dass ihm diese Lösung besser gefällt, und zeichnet künftig grundsätzlich anders.

Früher habe ich Hände immer als zwei gleichgroße Kästen am Arm gezeichnet, jetzt zeichne ich grundsätzlich den ersten Kasten so, dass das Daumengelenk mit inbegriffen ist. Seitdem sind meine Handzeichnungen wesentlich besser und sie gefallen mir auch besser. Ist das ein anderer Stil? Ich finde nicht.

Dann weiß er, was bei seinem Stil passt.

Für dich ist also “gut” “einen eigenen Stil haben”? Woran erkennst du denn den Stil? An gleich aussehenden Mangaaugen? Oder ist es nicht viel mehr ein Gesamtbild, das sich aus einer Summe an fähigkeiten ergibt? Ist jemand für dich gut, wenn er dir gefällige Mangabilder zeichnet, dessen realtistischen Tierbilder aber völlig anders aussehen, so dass du nicht auf den ersten Blick erkennst, dass sie von ihm sind?

Und wenn ich Gefühle in das Bild reinbringe, sieht es nicht realistisch aus. Es sieht so aus, als würde das Bild mir etwas vorlügen wollen.

Zeichnen ist immer eine Abstrahierung von etwas viel Komplexerem. Insofern “lügt” ein Bild immer. Sollte ein guter Zeichner nicht in der Lage sein, individuell zu entscheiden, ob er bewusst realistischer zeichnet oder auch einmal bewusst etwas übertreibt, um sein Bild ein bestimmtes Gefühl transportieren zu lassen? Denk nur an den Shôjo-Stil mit den Riesenglupschaugen. Definitiv nicht realistisch, aber innerhalb der eigenen Bildwelt glaubwürdig.

Ich finde, Anatomie ist auch subjektiv. Die Anatomie in ein Bild ist erst "falsch", wenn es verzerrt aussieht, und das Gesamtpaket nicht stimmt.

“Falsch aussehen” beruht auf Erfahrung. Wir sind es gewohnt, dass der Kopf auf einem Hals sitzt. Das ist objektiv. Anatomie ist objektiv. Frag einen Arzt. Du kannst Proportionen nur bis zu einem gewissen Grad variieren, damit es noch “funktioniert”. Das macht für mich auch einen guten Zeichner aus: Er kann nicht nur eine Vorlage nachzeichnen, sondern diese auch glaubwürdig verändern.

Die meisten Cartoon-/Manga-Anatomien funktionieren wohl “in echt” nicht, da hast du recht. Aber es geht ja darum, die Illusion zu erschaffen, dass es eben doch funktioniert.

Rattata: Ich bin viel zu selbstkritisch um meine Arbeiten richtig gut zu finden. Selbst bei denen, die ich zuerst toll finde, denke ich beim zweiten mal hinschauen "das und das und das ist net richtig und hätte ich besser machen sollen/können". Ich bin etwas perfektiionistisch veranlagt.

Das mit dem Perfektionimus hab ich auch, beim ersten gucken noch gut, dann fallen einem die ganzen Fehler auf oder was einem dann doch nicht mehr gefällt. Um so glücklicher bin ich, wenn mir ein Bild nach 2 Wochen oder sogar einem Jahr immer noch gefällt.

Kampfmieze: Leistungskurs Kunst bedeutet nämlich vor allem eines: Von einem Menschen beurteilt zu werden, der dich eventuell nicht leiden kann. Ich hatte das Pech, dass man mich nicht leiden konnte und ich habe sehr gelitten. Kunstlehrer können sehr grausam sein, mit Worten, und mit Kugelschreibern in Bleistiftskizzen.

Kunst war immer mein Lieblingsfach, bis ich in die Oberstufe kam und mit einer absoluten Zicke hatte. Wir konnten leider kein Kunst-LK wählen, aber bei der Alten hätte ich meine Abi dann wahrscheinlich nicht mal geschafft. Die hat mir den Spaß an der Sache auch genommen, zum Glück war sie dann aus gesundheitlichen Gründen irgendwann weg. Ich habe auch oft gedacht “ach haben wir wieder mal unsere Lieblinge? Klar kriegt die ne 1 und ich ne 3, obwohl meine Leistung mindestens genau so gut war.” Ich neige dazu mich selbst immer schlechter zu bewerten als ich wirklich bin, also schätze ich mal, dass ich mich da nicht überschätze habe. Wenn die Alte mir in meinen Bildern rumgefuscht hätte, hätte die sich noch eher aus ihrem Beruf verabschieden können. Sowas kann ich ja mal gar nicht: rummaulen und dann noch dazwischen malen. Das sollte man nur tun, wenn man gebeten wird oder vorher gefragt hat und bejaht wurde.

Kampfmieze: Ein anderes Mädchen, eine meiner besten Freundinnen, kommt auch ziemlich nah ran, an Monkeys Beschreibungen. Sie hat toll gemalt, in jedem Stil, jeder Richtung, mit jedem Medium. Außerdem wusste sie auch um ihr Talent.

Ich hatte in der Schule auch zwei Freundinnen (mit der einen bin ich noch befreundet, mit der anderen habe ich keinen Kontakt mehr), die wirklich sehr gut waren. Die eine war immer recht zurückhaltend und hat mit ihrem Talent nicht angegeben. Die andere musste sich oft profilieren und mit ihrer Wichtigtuerei hat sie mir auch viel von meinem Selbstbewusstsein genommen in Punkto zeichnen. Ich kam mir sehr oft neben ihr wie ein Versager vor und habe sie viel zu wichtig genommen.Sie hat mich immer unterstützt, das rechne ich ihr hoch an, aber sie musste sich immer in den Mittelpunkt drängen. Das schlimmste war, als ich mal mein Skizzenbuch dabei hatte, wo sie eine Skizze reingezeichnet hatte. Ein Bekannter guckte sich mein Buch an und sagte zu meinen Bildern gar nichts und zu ihrem “Wow das sieht ja klasse aus”. Das hat mich schon ziemlich getroffen, ich kam mir vor, wie ein Idiot. Naja, auch Freunde können da nen Komplex auslösen. Mittlerweile sehe ich das aber so, dass ich mir denke ich kann mit beiden mithalten. Ich brauche zwar länger und auch mehr Anläufe, aber trotzdem kann ich stolz sein, denn der einen wurde es in die Wiege gelegt und ich muss dafür viel üben.

Kampfmieze: Aber ich finde wichtig, dass man bei all seiner Kritik, Unverständnis nicht mit Beleidigungen kompensiert. Und wenn man missverstanden wurde sollte man sich nicht um Kopf und Kragen argumentieren sondern sich entschuldigen, missverstanden worden zu sein, und sich zurück ziehen. So jedenfalls versuche ich es zu halten.

Das Missverständnis auszuklären ist wichtig, aber Rückzug ist nicht immer die beste Methode, denn letztlich geht’s ja darum, dass jeder seine eigene Meinung äussert, aber man muss natürlich aufpassen, wie man es verpackt.

Konfuse: Wenn jemand Spaß an einem Motiv hat, dann wird das Bild eine ganz andere Qualität haben als eines durch das er sich gequält hat.

Das ist wahrscheinlich auch das Problem vom Kunstunterricht…

Konfuse: Deswegen mag ich auch Skizzen so. In einer Skizze muss ich nicht unbedingt jedes Haar auf dem Arm eines Menschen zeichnen. Ich schraffiere kurz drüber und jeder wird wissen, dass sind Haare auf dem Arm.

Da schließe ich mich an. Skizzen können manchmal mehr Wirkung haben, als fertige Bilder, vor allem, wenn man die Lockerheit der Strichführung sieht.

Kageko: Das sehe ich ein bisschen anders. Bis zu einem gewissen Grad kann man "gut" schon am handwerklichen Können festmachen. Der unvermeidliche Arina-Tanemura-Vergleich (von konfuse) erklärt es, finde ich, ganz gut. Es gibt Leute, die können fantastisch diesen Stil nachahmen. Deren Bilder sind auch so lange gut, wie sie sich eben in diesem Rahmen bewegen. Geht es aber darum, diesen Pfad zu verlassen, versagen sie völlig. Da hat jemand ganz offensichtlich zeichnerische Grundlagen nicht verinnerlicht.

Ja da gebe ich dir recht, so habe ich es eigentlich auch gemeint, aber wohl nicht klar genug ausgedrückt. An den Nachahmer hatte ich auch nicht gedacht.

HeartlessYvi: Für mich ist ein guter Zeichner jemand, der seinen eigenen Stil entwickelt (und damit zufrieden ist!). Wenn man ein Bild sieht, muss man gleich sehen können, das Person XY das gemalt hat.

Allerdings ist die Experimentierfase für mich eine Fase, wo in der Zeichner nicht gut ist. Er hat noch keinen festen Stil. Die Bilder sehen ständig anders aus, was eigentlich auch gut ist, aber meistens gibt es dann null Wiedererkennungswert. Erst wenn der Zeichner diese Fase von experimentieren abgeschlossen hat, wird er ein guter Zeichner sein. Dann hat er die verschiedene Techniken ausprobiert, so wie Materialien und Kolomethoden. Dann weiß er, was bei seinem Stil passt.

Dem kann ich mich nicht anschließen. Ich finde es toll, wenn ich ein Bild von jemandem wieder erkenne und ich selbst strebe ja auch meinen persönlichen Wiedererkennungswert an, aber wenn man die Bilder im Einzelnen betrachtet, ist es weniger wichtig, ob jedes Bild den Stil erkennen lässt, als das Bild an sich.

Kageko: Wenn ein guter Zeichner, der normalerweise nur mit Bleistift zeichnet, jetzt großformatig mit einem fetten Pinsel und Tusche zeichnet, dann SIEHT man sehr wohl, dass das von dem Zeichner ist. Man sieht es möglicherweise an der Strichführung, bestimmt an der Komposition und noch wahrscheinlicher an der Art, wie er ein Thema umsetzt.

Schließe ich mich voll an.

@Monkey

Natürlich bleibt man in seinem Leben neue Dinge ausprobieren. Das ist auch gut so! Manche Leute experimentieren nie, und werden gute Zeichner. Andere entwickeln sich dadurch nicht weiter. Was ich sagen will, ist das manche diese “Experimentierzeit” brauchen, während andere auf sie verzichten.

Und bei jeder Person ist diese Fase unterschiedlich. Wie du sagst, du bist immer noch in diese Fase. Andere Zeichner, wie zBs Arina Tanemura, habe sie schon abgeschlossen und zeichnen immer dasselbe. Und wieso? Weil es verkauft. Weil die Massen es so möchten.

Es gibt zwei Gruppen Menschen; die Konservativen, die keine Änderungen in einem Zeichner(stil) sehen möchten, und die, die erwarten, dass ein Zeichner sich immer weiter entwickelt.
Ich finde, wenn ein Zeichner “gut” ist, muss er sich nicht weiter entwickeln, und muss daher auch nicht mehr experimentieren. Ich bin also eher Konservativ xD

@Kageko

Du gehst davon aus, das ich nur Manga mag? Dann liegst du völlig falsch! Ich mag keine Mainstream Manga Zeichner. Und wieso? Genau wie du sagst, weil die Zeichnungen alle gleich aussehen. Ich mag keine große Shoujo Augen.
Zum Stil gehört nicht nur WIE man zeichnet, sondern auch Materialien, Kolomethoden… Daran erkennt man einem Künstler auch. Ich kenne auch Künstler, die sowohl Manga als realistische Tiere zeichnen… Und die erkennt man eben an die Art, mit den sie kolorieren. So wie sie Striche zeichnen. Daran kann man sehen, wer derjenige ist, der das gezeichnet hat. Ich habe keine Ahnung wie ich das sonst auf Deutsch sagen sollte, ich hoffe, du verstehst was ich meine.

@Anatomie
Und genau DAS meine ich.

Die Anatomie in ein Bild ist erst "falsch", wenn es verzerrt aussieht, und das Gesamtpaket nicht stimmt.

Man darf auch nicht ausser acht lassen, ob etwas “falsches” gewollt oder ungewollt ist. das was auf den Betrachter vielleicht falsch wirkt, kann der Maler auch absichtlich eingebaut haben, um eine bestimmte Aussage zu machen, dann ist ja nicht mehr falsch, weil es ja Absicht ist. Aber dann muss man auch wieder sehen, aus welcher Warte man das Bild betrachtet: Als Arzt, als Künstler, als Biologe oder oder…

Bitte “Phase”, nicht Fase (Die Fase ist eine abgeschrägte Fläche, die an einer Werkstückkante erzeugt wird)
sorry fürs klugscheißern.

Ich kann nicht sagen dass ich das auch so sehe.
Wenn niemand je etwas neues beim Zeichnen gewagt hätte wäre er immer noch genau da wo er von Anfang an war - nämlich bei Kindergartenniveau-Kopffüßern. xD

Und bei jeder Person ist diese Fase unterschiedlich. Wie du sagst, du bist immer noch in diese Fase. Andere Zeichner, wie zBs Arina Tanemura, habe sie schon abgeschlossen und zeichnen immer dasselbe. Und wieso? Weil es verkauft. Weil die Massen es so möchten.

Wie ich bereits sagte, ich sehe das nicht als Phase an: Wie bei so vielen Sachen geht der Lernprozess durch das Aufnehmen von neuem doch ewig, zumindest glaube ich das.
Aber wenn sich meine Qualität als Zeichner dadurch definieren würde ob ich Sachen zeichne die sich verkaufen… hmm, vielleicht sollte ich mal massentaugliches Zeug am Fließband produzieren, vielleicht bringt mir das mehr Ansehen ein. ;)