Ich muss Monkey in weiten Teilen zustimmen, allerdings sehen ich, um es auf meine Meinung übertragen zu können, einen deutlichen Fehler in der Formulierung der von ihr beantworteten Frage: Was mache einen guten Zeichner aus?
Hier im KaKAO Forum tummeln sich ein riesen Haufen guter Zeichner. Außerdem gibt es noch ein paar, die vor allem durch gewisse Spezialitäten aus der Masse hervorstechen. Von vielen bin ich auch einfach vom Stil besessen, könnte nie genug davon sehen. Das sind alles gute, sehr gute Zeichner. Kreative Köpfe, beeindruckende Heimwerker … aber macht sie das zu Künstlern ?
Ich glaube Monkey beantwortet die Frage, was einen perfekten Zeichner ausmacht. Nach zwei Jahren Leistungskurs Kunst habe ich, leider, die Lust am malen und zeichnen erstmal sowas von verloren. Wenn ich KaKAO nicht gehabt hätte, hätte ich es wohl aufgegeben (Hoffentlich denken sich jetzt ein paar, dass das schade gewesen wäre, das wäre sehr gut für mein Selbstwertgefühl ^^). Ich weiß nicht, wie viele von euch dieses Gefühl noch hatten, aber ich glaube die Dunkelziffer ist hoch. Leistungskurs Kunst bedeutet nämlich vor allem eines: Von einem Menschen beurteilt zu werden, der dich eventuell nicht leiden kann. Ich hatte das Pech, dass man mich nicht leiden konnte und ich habe sehr gelitten. Kunstlehrer können sehr grausam sein, mit Worten, und mit Kugelschreibern in Bleistiftskizzen. Aber was ich eigentlich sagen wollte, ich hatte ein Mädchen in meinem Kurs, mit der ich auch heute noch einigermaßen befreundet bin, auf die Monkeys Kriterien voll zutreffen. Sie konnte immer und überall mit allem malen. Sie war wirklich der Wahnsinn. Ihre Reclamheftchen waren wirklich echte Kunstwerke und ihre Ideen, einfach so, grob aus dem Kopf entstanden, ohne Sinn und Konzept, waren atemberaubend. Aber sie hat ihre Zeichnungen selbst nicht leiden können. “Zum kotzen” (O-Ton) fand sie sie. Eigentlich durch die Bank alles, es gab nichts, worauf sie stolz war. Nicht mal ihre Facharbeit, die wirklich er absolute Hammer war, hat sie selbst zufrieden gestellt.
Ein anderes Mädchen, eine meiner besten Freundinnen, kommt auch ziemlich nah ran, an Monkeys Beschreibungen. Sie hat toll gemalt, in jedem Stil, jeder Richtung, mit jedem Medium. Außerdem wusste sie auch um ihr Talent. Aber manchmal … manchmal hat sie einfach alles übertrieben. Die Augen wurden plötzlich viel zu groß, die Beine viel zu lang, zarte Kurven zu einem unnatürlichen Bogen. Sie ist mit Sicherheit auch ein guter Zeichner, aber wie auch bei der anderen führt diese kleine Schwäche einfach dazu, dass sie eben nicht ganz perfekt ist.
Ich mag meine Bilder meistens, sonst würde ich sie nicht versuchen in Umlauf zu bringen. Natürlich mag ich die einen mehr, die anderen weniger, aber insgesamt kann ich sie alle gut leiden. Wenn ich einen Wunschtausch mit jemandem habe, von dem ich das Gefühl habe, er ist viel besser als ich bekomme ich Zustände, weil ich Angst habe, dem nicht gerecht zu werden. Bei STAs bekomme ich Zustände, weil ich auf keinen Fall will, dass meine Karten die sind, die keiner haben will. Und das Gefühl hatte ich leider schon öfters, weil Menschen, vor allem kleine Mädchen unglaublich grausam sein können, wenn sie etwas bestimmtes haben wollen. Natürlich spielt auch bei mir bei der Entscheidung zu einer STA auch mit, wer sonst noch teil nimmt, dann freu ich mir nen Keks, wenn ich ne besonders tolle Karte bekomme, aber ich bemühe mich trotzdem, auch in den anderen Karten etwas gelungenes zu finden. Denn manchmal übersieht man schöne Details, wenn man von anderen Dingen besessen ist.
Was ich allerdings nicht mag, und da kann der Zeichner noch so toll sein, ist Schlamperei. Vor allem in letzter Zeit sehe ich die leider immer häufiger. Unsaubere Outlines können die schönste Colo versauen, missglückte Coloration lässt die schönste Idee hässlich werden. Ja, es ist wichtig, dass man seiner Idee entsprechend zeichnen kann, denn sonst wirkt die Idee einfach nicht. Genauso kann ein einfacheres Bild von einem begabteren Zeichner sehr viel schöner sein, einfach weil er gut zeichnen kann. Wir sind nicht in der Schule, wo ein komplizierter Satz mit tausend Fehlern besser benotet wird als ein einfacher ohne Fehler. Wenn ich eine tolle Idee habe, und ich befürchte ihr nicht gerecht zu werden, dann hole ich mir Hilfe. So wie zum Beispiel für meinen Conichi Beitrag. Ich treffe mich am Samtag mit BlueFox, damit sie mir bei der Coloration hilft.
Wer wirklich kein guter Zeichner ist, ist einer, der seine eigenen Fähigkeiten nicht einschätzen kann. Das gilt nach oben wie nach unten. Finde ich.
PS Ach Rattata du plöte Kuh >.< … Ich schick den Beitrag jetzt trotzdem ab xD +ratti flausch+
Jetzt, nachdem ich Rattatas Beitrag noch gelesen habe muss ich noch ein bisschen was hinzufügen.
Ich bin sehr gut in Anatomie, ich weiß, wie ein Bild aufgebaut sein muss, um angenehm auf den Betrachter zu wirken, ich kenne Bedeutung und Wirkung von Farben, ich habe ein gutes Auge für Fehler … bin ich ein guter Zeichner? Nein, damit bestimmt nicht. Vielleicht bin ich nicht mal ein geeigneter Kritiker, weil viele Leute allergisch darauf reagieren, wenn man Dinge kritisiert, die sie selbst gut finden. Aber die Diskussion gibts vor allem im Kritk-Thread.
Wenn ich einen guten Tag habe kann ich das aber auch relativ gut umsetzen. Finde ich jedenfalls. Ich halte mich für einen recht annehmbaren Zeichner. Gut? Ich weiß nicht, jedenfalls hatte ich trotz des Hasses meines Lehrers immerhin letzten Endes ein gut in Kunst. In der Abiprüfung habe ich aber dann doch besser die Theoretische Aufgabe genommen, um nicht eventuell auf Grund mangelnder Sympathie total abzulosen.
Habe ich mich in den letzten Jahren verbessert? Eindeutig. Oder vielleicht auch nicht? Ich weiß es nicht genau. Ich gebe mir viel Mühe und male vor allem auch gerne großformatig. Ich male jedoch vor allem stilisiert und abstrakt, ich lebe mich sozusagen auf meinen Leinwänden aus. Kann man abstraktes als Gut oder schlecht einordnen? Ich denke nicht, es ist Ansichtssache. Ich mag zum Beispiel die meisten Werke Picassos nicht, weil sie pornographisch und anstößig, geschmacklos sind. Andere, zum Beispiel die Guernica, die ich im Abi auch intensiv analysiert habe, gefallen mir sehr gut. Dagegen bin ich ein großer Fan von Dalí, ebenfalls abstrakter Künstler, aber … irgendwie größer, freier, farbiger, agressiver, leidenschaftlicher. Auf der anderen Seite liebe ich Mucha, der wiederum sehr realistisch gemalt hat. Und Elvgren ist ebenfalls einer meiner großen Idole.
Bin ich also ein guter Zeichner? Kann man guter Maler sein, ohne gut zeichnen zu können? Es gibt zahlreiche Beispiele großer Künstler.
Schwere Frage +shrug+
Aber ich finde wichtig, dass man bei all seiner Kritik, Unverständnis nicht mit Beleidigungen kompensiert. Und wenn man missverstanden wurde sollte man sich nicht um Kopf und Kragen argumentieren sondern sich entschuldigen, missverstanden worden zu sein, und sich zurück ziehen. So jedenfalls versuche ich es zu halten.