Ich denke das ist wirklich abhängig davon in welchen Kreisen man sich als “Künstler” bewegt und welche Ziele man mit seiner Kunst verfolgt. Wenn man ein Bild malt, weil es schön ist/sein soll, dann wäre es ja wünschenswert, wenn es in 10 Jahren nicht alle rot- und gelbtöne durch die Sonnenkraft verloren hat - also noch so ausschaut.
Ist es Performance-Kunst, die für den Moment und die Kraft des Momentes “lebt”, dann ist es ja wieder was anderes.
Ich hab das Thema jetzt den ganzen Vormittag verfolgt und mir Gedanken darüber gemacht, wie ich selber dazu stehe. Per se muss ich sagen, dass namhafte Hersteller mehr Vorteile haben als vermeintlich bessere Produkte (darüber lässt sich ja streiten). Ein Vorteil ist, die Wirkung nach Außen. Copics sind scheiße teuer, eignen sich aber wegen der Kurzlebigkeit der Farbe eigentlich nur für Skizzen (wofür sie ja auch im technischen Bereich verwendet werden) und nicht wirklich für “langlebige Kunst”. Trotzdem haben sie sich im kreativen Bereich etablieren können. Ich denke, dass das nicht nur die Eigenschaften und Qualitäten sind, sondern auch andere Faktoren wie ‘Prestige’, Sammelcharakter, usw. . Prestige insofern, als dass man im Comic/Anime-Manga-Bereich schon fast schief angeschaut wird, wenn man als Kreativer keine Copics hat.
Ähnlich sehe ich es mit Schmincke (Horadam). Wenn auch das meiste gute Qualität hat, gibt es doch Näpfchen im Sortiment, die einfach schlecht sind (Produktionsfehler ausgeschlossen). Ich kann mir nicht erklären, warum Schmincke Farben im Profi-Sortiment hat, die einen körnigen Farbauftrag und schlechte Lichtechtheit vereinen. Sie sind somit einfach unbrauchbar, um damit etwa Aufträge zu bearbeiten.
Womit wir beim nächsten Punkt wären. Mir ist es wichtig, dass jemand der ein (größeres) Bild von mir kauft daran auch möglichst lange seine Freude hat und nicht nach einem halben Jahr auf mich zurück kommt und mich quasi fragt, wo das Bild hin ist ;D Deswegen verwende ich für meine Aufträge in der Regel hochwertige Farben und Tuschen.
Bei Skizzen und Übungen ist das Variabel . Ich hab auch schon mal mit Stabilo Filzstiften in Kombination mit Wasser gearbeitet. Die Lichtbeständigkeit dürfte schlechter als die von Copics sein. Das Papier könnte vergilben … und die Welt würde davon nicht untergehen. Ich mag es, wenn etwas alt aussieht. Ich liebe altes Papier. Möchte auch mal mit meiner Schellack-Tusche experimentierten (soll bei dicken Schichten aufbrechen und mit der Zeit nachdunkeln).
Andererseits habe ich für mich beschlossen mit dem Material zu üben, mit dem ich auch sonst arbeite. Ich habe einen billigen russichen Aquarellkasten … der verstaubt. Die Farben waren schon okay. Perfekt zum skizzieren und üben … allerdings muss man jedes Mal aufs Neue die Farben studieren. Wo ist welche Farbe, wie deckt welche Farbe usw. und im Endeffekt wäre ich dann damit mehr beschäftigt, als mit dem eigentlichen Malprozess und der Übungscharakter ist ein geringerer, als wie wenn ich in den sauren Apfel beiße und halt mal Aquarell-Näpfchen nachkaufen muss (ist mir übrigens bisher noch nicht passiert).
Zur Synthetik/Echthaar-Diskussion : Ich verwende beides. Für Skizzen aber hauptsächlich billigere Pinsel und für Tusche sowieso nur billige Synthetik-Pinsel. Aber bei größeren Bildern greife ich gerne auf Echthaar zurück. Einfach weil die Pinsel einen Tick mehr Farbe/Wasser halten und (meine) eine schöne feine Spitze haben. Ich gehe mit ihnen aber ehrlich gesagt nicht wesentlich anders um, als mit meinen Synthetik-pinseln. Alle paar Anwendungen werden sie mit Pinselseife tiefengereinigt. Wenn mal ein Haar absteht wird es gestutzt. Wenn der Pinsel nicht mehr zum eigentlichen Malen taugt, wird er verwendet um überschüssige Farbe aufzunehmen, oder Farbe am Papier zu “verschieben” :D
Gegen **1€-Läden ** oder Kick&Co habe ich eine Abneigung. Ich möchte nach Möglichkeit kein Lohn-Dumping und schlechte Produktionsverhältnisse unterstützen. Mag sein, dass die Qualität die Gleiche ist … das Statement ist ein anderes.
Zusammenfassend kann man sagen, dass ich auch denke, dass mit beiden Grundmaterialien gute Ergebnisse erzielt werden können. Begabte Menschen können aus Nichts etwas Geniales schaffen. Für mich ist das jedoch nicht der Knackpunkt. Einen Pinsel für 100€ würde ich mir nicht kaufen, wenn ich mir nicht voher im Klaren darüber wäre, dass ich ihn definitiv verwenden werde. Da hat man ja schon beim Einkaufen ein Bauchgefühl.