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Seine komplette Lebensplanung umschmeißen - Erfahrungen?

Hey liebe Kakaoler,

ich wende mich heute mit einem ziemlich persönlichen Thema an Euch. Ich suche Leute, die schon Erfahrungen damit haben, ihr ganzes (berufliches) Leben neu aufzurollen. Ich bin zum Beispiel momentan in einem technischen Studiengang, aber das ist überhaupt nicht das, womit ich mich wohlfühle. An sich macht mir das Ganze zwar irgendwie Freude, aber diese Studienatmosphäre passt nicht zu mir. Ich möchte praktisch arbeiten - mein Job im Café und der wöchentliche Sprachkurs sind zum Beispiel viel schöner, als alle anderen Tätigkeiten, die ich so mache.
Ich weiß, dass ich damit wohl nicht gerade dem Bild eines vorbildlichen Abiturienten entspreche, aber ich glaube, ich wäre gerne Frisör. Ich mag es einfach, mit meinen Händen zu arbeiten, ich kann ganz gut mit Farbe und mit oberflächlichen Sozialkontakten habe ich auch kein Problem.

Ich habe aber ziemlich große Angst davor, diesen Schritt tatsächlich zu gehen - was werden meine Eltern sagen, die momentan noch meine Miete finanzieren? Was denkt der Rest der Welt? Ich könnte meinem großen Hobby, dem Radiojournalismus, nicht mehr nachgehen. Ich bin gerade sehr aufgeschmissen.

Gibts irgendwen in dieser bunten Community, der seine berufliche Zukunft für etwas ähnlich “niederrangiges” gewechselt hat?

LG, DMn

Niederranging war es bei mir nicht, ich bin aber nach einer abgeschlossenen Ausbildung und 2 Jahren Berufserfahrung in eine andere Sparte gewechselt und dann studieren gegangen.

Meine Eltern waren auch erst nicht sonderlich begeistert davon, gerade weil ich ja beim Neuanfang auch nicht mehr die allerjüngste war, haben es aber dann eingesehen, dass es das war, was mich glücklich macht und nach einigen Diskussionen war das Thema dann auch abgehakt. Vorher bin ich für meinen eigenen Unterhalt aufgekommen und jetzt bin ich auf Elternunterstützung/Bafög angewiesen, war auch anfangs ein Thema.

(Ich habe von Sozialversicherungsfachangestellte zum Studiengang Industrial Design gewechselt, kann man je nach Sichtweise aber auch als eine “Verschlechterung” ansehen ;D Mein Vater war anfänglich auf jeden Fall dieser Meinung, hat aber eingelenkt, nachdem er gemerkt hat, dass man mich davon nicht mehr abbringen konnte.)

Beim Rest der Welt hatte ich das Glück, dass sie der Meinung waren “wenn es dich glücklich macht, warum nicht?” und Recht hatten sie :) Aber auch da wird es Personen geben, die anderer Meinung sein werden, aber die hat man immer.

Weißt du, im Leben ist man letztendlich immer seines eigenen Glückes Schmied. Wenn du merkst, dass du aktuell in einer Sackgasse steckst, gibt es nichts Sinnvolleres als einfach mal was ganz Neues auszuprobieren und neue Dinge zu entdecken und Altes loszulassen :) Auch wenn der Schritt schwer ist, man wird es selten bereuen. Allein die damit verbundene Aufregung etwas Neues zu machen, gibt einem wieder ein gewisses Lebensgefühl zurück. Und man wird wieder ganz neue Menschen auf diesem neuen Weg kennen lernen und wird überrascht sein, wie unterschiedlich Menschen sind und ebenso interessant. Dadurch lernt man nicht zuletzt auch sich selbst besser kennen - ein ewiger Lernprozess, ein ewiges Auf und Ab. Aber eben das braucht man, um sich lebendig zu fühlen, schätze ich.

Bevor du deine aktuelle berufliche Laufbahn aber ganz aufgibst, kannst du ja versuchen als Frisör einen Probetag zu machen oder sogar ein Praktikum. Ich bin sicher, dass dich allein das schon weiterbringen wird in deinen Entscheidungen.

Ich selbst kenne das Gefühl übrigens auch, wenn man am liebsten alles hinschmeißen würde, weil man sich nicht mehr sicher ist, ob das der richtige Weg für einen ist und man so glücklich werden kann. Am Ende habe ich mein Studium aber durchgezogen und arbeite jetzt auch in einem Job, der mir Spaß macht, auch wenn es nicht exakt das ist, was ich studiert habe. Aber ich weiß auch schon, dass ich früher oder später wieder etwas anderes machen möchte. Veränderungen finde ich unheimlich wichtig, also sollte man nicht davor zurückschrecken :)

Halte uns auf dem Laufenden - ich drück die Daumen!

Ich selbst habe die Erfahrung zwar noch nicht gemacht aber in meiner schulischen Ausbildung hatte ich eine Frau in der Klasse, die mit 45 Jahren sich dazu entschieden hat, dass sie nicht mehr Krankenschwester sein möchte, sondern lieber Erzieherin.
Was wir gedacht haben: Es ist toll, mutig und bewundernswert, dass ein Mensch sich traut, seinen Wünschen nach zu gehen. (Und das nicht, wegen dem Alter, sondern allgemein, dass sie ihren festen Beruf an den Nagel gehangen hat und sich für etwas entschieden hat, was finanziell absolut die schlechtere Alternative ist.)
Keiner hat sich gedacht, dass es dumm war, albern oder was weiß ich. Es war einfach die Entscheidung dieser Person.
Wenn du also unglücklich bist mit dem, was du machst, dann solltest du dich trauen dürfen, was daran zu ändern. :)
Wie Harena sagt: Jeder ist für sein eigenes Glück im Leben verantwortlich und niemand sollte dir sagen, dass das, wofür du dich entscheidest, schlecht ist.

Ich kenne natürlich nicht deine Eltern und weiß daher nicht, was für eine Reaktion zu erwarten wäre aber solltest du dich dazu entscheiden, den Schritt zu machen, wünsche ich dir, dass sie deine Entscheidungen akzeptieren und hinter dir stehen. :)
Es ist wichtig, dass du glücklich bist mit dem was du machst und gerade wenn man noch jung ist und das ganze Leben noch vor einem steht, sollte man versuchen, etwas zu finden, was man auch gerne macht.

Das Thema mit dem “Vorbildlichen Abiturienten” kann ich auch nachvollziehen.
Ich habe auch mein Vollabi gemacht und bin danach nicht wie alle anderen Studieren gegangen oder sowas, sondern habe ein Jahrespraktikum in einem Jugendzentrum absolviert und dann meine Erzieherausbildung angetreten, was für viele ja eine Pippifax-Ausbildung ist, in der man angeblich nur Singen und Klatschen lernt.
Mein Gedanke dazu: Na und?
Ich habe Abitur gemacht, weil ich einfach die Möglichkeit haben wollte, vlt iwann doch was anderes zu machen, wenn ich keine Lust mehr habe.
Nicht jeder Abiturient muss studieren. (Auch wenn es viele anders sehen… aber da muss man leider versuchen, drüber zu stehen.)

Was dein Hobby betrifft, da kann ich leider nichts zu sagen. ^^
Ich weiß nicht, wie zeitaufwändig es ist und in wie weit es mit einer Ausbildung Probleme ergeben würde.
Aber da musst du dann natürlich abwägen oder gucken, ob es Alternativen gibt oder ähnliches. :)

Ich hoffe das konnte dir etwas helfen.
Alles Beste, dass du deinen Weg findest und deine Mitmenschen es annehmen! >-<

Was ich auf meinem eher turbulenten Werdegang gelernt habe, ist eins: Tu das, was dich wirklich glücklich macht!
Alles andere ist auf Dauer nicht das richtige, es sei denn du kannst Abstriche machen, und siehst den Beruf nicht so eng. Also, dass du es z.B durch Hobbies ausgleichst. Aber wenn du schon im Studium merkst, dass dich das Feld nicht erfüllt, und du auf Dauer vielleicht sogar traurig damit sein wirst, würde ich mich an deiner Stelle umorientieren. Wobei die Studienatmosphäre nicht die spätere Atmosphäre im Beruf ausmacht - Die kann sich nämlich ganz anders äußern, je nach Bereich, in dem man später ist.

Ich würde dir auf jeden Fall raten, auf dein Herz zu hören. Ich habe lange das gemacht, was ich laut meines Kopfes für richtig hielt. Hab’ immer an die Zukunft gedacht, an Geld, an Chancen, an Sicherheit. Ich habe kurz in einem Job gearbeitet, in dem ich wirklich viel Geld verdient habe. Aber das ganze Geld konnte das, was ich dabei an Freude und Kraft verloren habe, nicht aufwiegen.
Ein Job wird immer anstrengend sein, Energie kosten und die meiste Zeit deines Lebens einnehmen. Und da würde ich mir an deiner Stelle definitiv einen aussuchen, mit dem ich mich arrangieren kann, und mit dem ich Freude habe. Für den ich gern morgens aufstehe, bei dem ich mich nicht jeden Tag quälen muss, und der mich nicht anödet.

Ich weiß nicht, wie deine Eltern vom Wesen sind, aber ich würde so argumentieren, dass eine Ausbildung sofort Geld einbringt, und du dann vielleicht nicht mal mehr so viel Geld von ihnen brauchst wie jetzt. Immerhin verdient man ja beim Studium nicht unbedingt Geld, und bei einer Ausbildung schon.
Ich habe eine gute Freundin, die nach ihrem Studium mit 28 noch umgesattelt hat und jetzt Bürokauffrau lernt.

Von meinen Eltern kam zum Glück nie Druck. Ich stand mir nur immer selbst im Weg, ich wollte immer vernünftig sein. Gerade mit Abi wollte ich nichts “normales” machen, sondern richtig Karriere. Letztes Jahr habe ich gemerkt, dass die Einstellung falsch ist. Und jetzt mache ich etwas, dass wahrscheinlich wirtschaftlich das unvernünftigste überhaupt ist: Ich werde ab September Schauspiel studieren! Und damit bin ich endlich glücklich! Ich freue mich richtig darauf!

Glaub an dich, nimm dir den Mut und ändere, was dich stört :)! Das kann ich dir wirklich von Herzen raten

Eine krasse veränderung mache ich gerade durch. Aufgrund von psychischer Erkrankung musste ich meine Ausbildung zum Technischen Systemplaner abbrechen und muss nun was anderes machen. Fakt ist aufgrund meiner Erkrankung und die dadurch verbundenen kognitiven Fähigkeiten kann ich mein Fachabi nicht wirklich gebrauchen.
Man kann es zwar mit dir nicht vergleichen aber ich verstehe deine Sorgen nur zu gut. Rede mit deiner Familie und sag ihnen was du für Bedenken hast und was du am liebsten machen würdest. Kommunikation ist das Zauberwort.
Was der Rest der Welt denkt ist vollkommend egal. Wichtig ist etwas zu machen was dir Spaß macht und du keine negativen Gedanken hast.
Ich kann gut reden aber in wirklichkeit mache ich mir Gedanken, dass ich mich unter Wert zu verkaufen würde. Tja, aber studieren oder ne hohe Ausbildung kann ich nicht mehr machen. Dazu habe ich ein Jahr leerlauf wo ich mich um meine Krankheit kümmern musste. Ich mache mir Sorgen dieses Jahr kein Umschulungsplatz zu bekommen. Auch wenn die in der Maßnahme, wo ich bin sagen:" Das wird schon."
Ansonsten würde ich auch Praktikum vorschlagen, ist zu mindestens das was ich momentan mache um meinen neuen Beruf zu finden.

Hallo Ihr Lieben, ich komme nun mit einer ganz anderen Perspektive. Ich kenne Zeiten, wo ich gemacht habe, was ich wirklich gliebt habe, doch davon kam keine Butter auf’s Brot. Nun mache ich seit vielen Jahren, das, was nicht unbedingt mein Traumjob ist (ich würde ihn definitiv kein 2. Mal mehr wählen), doch damit verdiene ich soviel Geld, daß ich mir keine Sorgen mehr machen muß.

In den Zeiten, wo ich sehr wenig Geld hatte, hatte ich IMMER die Sorge: Wie komme ich durch den Monat? Es durfte nichts dazwischen kommen (Krankheit des Pferdes, Autoreparatuer, Waschmaschine kaputt…). Oft bin ich zu meinen Ellis gefahren und habe deren Kühlschrank leergeräumt. Das fand ich sehr schrecklich. Mit meinem jetzigen Job kann ich mir viel erlauben und das läßt mich beruhigt schlafen. Ich finde sowas ist auch nicht zu verachten.

Früher mußte ich wirklich jeden Cent umdrehen, doch jetzt brauche ich nicht zu überlegen, OB ich mir einen 24er Horadam Aquarellkasten hole, sondern nur, welche Farben ich darin haben möchte.

Versteh mich bitte nicht falsch. Das ist kein Protzen, sondern einfach nur eine kleine gedankliche Hilfe um zu überlegen, wie und wo Du irgendwann mal stehen möchtest.

Ich für meinen Teil habe lieber einen sicheren, nicht ganz soooo interessanten Job, als daß ich meinen Traum lebe, aber immer die Angst im Nacken habe, ob das Geld bis Ende des Monats reicht.

Obwohl… als Friseurin kannst Du ja nebenher auch noch was machen. Mach bitte einen Allergietest, ob Du die ganzen Farben oder Gummihandschuhe vertragen kannst. Meine Mum war Friseuse und mußte ihren Job aufgeben, weil sie auf einige Mittelchen hochallergisch reagiert hat.

Das Stimmt daran sollte man auch denken, dass man davon leben kann. Man wird auch nicht glücklich wenn man was macht das einem Spaß macht, wenn man jeden Cent umdrehen muss und um sein Überleben “kämpfen” muss.
Daher finde ich es in meiner Situation unglaublich schwer. Die Zeit ist gefühlt gegen mich, ich will mich nicht unter wert verkaufen und es sollte Spaß machen.

Sodele da kann ich mal was einwerfen mit Erfahrungen die ich zwar nicht gemacht habe aber meinen Bekanntenkreis :)

Mein Bekannter hatte einen Job wo er stets gestresst war und eine Erfolgsqoute ect durchstehen musste in einer sehr erfolgreichen Firma doch das hat ihn nicht mehr gefallen bis er gekündigt hat.

Danach ging für ihn die Suche los nach etwas, was ihm gefällt da er selber keine Ahnung hatte was das isr aber eine abgeschlossene Ausbildung hatte sah er sich um und hat für deutlich weniger Geld beim DRK für eine lange Zeit gearbeitet wo er auch glücklich war.
Das Geld hat für ihn und seine Freundin gereicht auch um ein Haus zu finanzieren :)

Jedoch kam dann der Punkt mit Kindern und deren Absicherung wie sieht eine finanzielle Zukunft aus?

Seine Freundin wurde schwanger und genau dann hat er sich abermals neu umgeschaut und ist in eine ganz andere Schiene gerückt vom DRK in den Verkauf wobei ich da so genau nicht weiß wie das abläuft aber das Geld reicht nun für eine kleine Familie und er ist glücklich.

Meine Sache die ich persönlich empfinden würde ist solange es für mich ausreicht und ich glücklich bin ist das doch alles prima, sodass ich ein Leben leben kann womit ich zufrieden bin und keine Sorgen habe muss, dass ich von dem.was ich mache allein nicht leben kann.

Um die Zukunft kann man sich kümmern wenn sie kommt aber da findet man auch eine Lösung :)

Nur was leider stimmt finde ich ist der Geldaspekt ich habs besonders als Kind (Älteste von Dreien) miterlebt wie sich daran Leute zerstreiten können wenn sie einen neuen Anfang wagen wollen.
Besonders wenn das Geld knapp ist mit Kindern war das kein Spaß aber letztendlich haben sich meine Mutter und Vater bessere Stellen dann zulegen können und musste das etwas neu Umkrempeln mit Schichtdienst usw.

Ich sage nur, dass du dir sicher sein solltest, dass du mit der Arbeit zufrieden bist und dem Geld was du in diese Arbeit investiert, denn 100% geben und nur 50% zurückzubekommen kann ganz schön demotivierend sein das hat mich schon am Minijob damals scheitern lassen zwar 100% Freude und Einsatz aber am Ende war es erdrückend die Zahlen zu sehen ^^"

Ja ich gehe hier besonders aufs Geld ein tut mir Leid aber es hängene da einfach Erinnerungen aus der Kindheit dran zwar sagen viele “Geld ist nicht wichtig” aber sobald sich die Lebenssituation ändert dieses denken auch :)

Jedoch solang du jung und entschlossen bist orientier dich neu!
Es gibt Hilfe überall du kannst auch Praktikas und Test beim Jobcenter machen und und und (die liebe Schule hst mir mit solchen Test super weitergeholfe ich wollte immer Fotograf werden doch seitdem es kein Meister mehr gibt kann es jeder machen und der Markt ist überflutet danwar ich schon geknickt doch das Lehramt hat mich danach wieder gepackt da ich da die Kreativität auch wieder im Fach Kunst haben könnte)

Mach dir deinen Plan, schreib allerlei Sachen auf die dich interessieren und mach aus deinem Leben, was du willst!

Auch wenn Leute am.Anfamf skeptisch sein können wenn sie dich glücklich sehen sind sie es auch ;)

(Hier sorry für das lange Gerede ums Geld aber vielleicht ist es bei dir ja ne andere Sache als bei mir ;) )

Krass, wie viele einfach geantwortet haben. Vielen, vielen Dank!
Ich werde heute mal darüber nachdenken, was genau meine Interessen sind, und dann demnächst zum Jobcenter gehen und mich beraten lassen.
Zum Thema Geld: Mir ist es nicht so wahnsinnig wichtig, dass ich jederzeit so und so viel auf dem Konto habe. Ich lebe jetzt seit einem halben Jahr eher sparsam - oft habe ich ab Mitte des Monats weniger als 50€ zum Auskommen. Mir ist klar, dass das nicht die beste Situation ist, und irgendwann hätte ich auch gern etwas mehr Freiraum, aber solange ich alle Rechnungen usw zahlen kann, reicht es mir zum Leben.
Da ich keine Kinder bekommen will/kann, ist das Thema bei mir raus ^^"

Well, ich weiß grad gar nicht, was ich noch sagen soll…

LG, DMn

Ich denke, man muss einen gewissen Mittelweg einschlagen zwischen dem, was man tun will und dem, was einem im Leben weiterbringt.
Denn Firlefanzereien hat recht: Was bringt dir die schönste Arbeit der Welt, wenn du damit nicht in der Lage bist, für sich selbst zu sorgen?
Im Gegenzug weiß ich aber auch, wie quälend es sein kann, in einem Job zu arbeiten, den man nicht ausstehen kann. Deswegen der Mittelweg: Lieber der Job, der etwas mehr Geld ins Haus bringt und mit dem man sich auch über Jahre hinweg arrangieren kann, als eines der beiden extreme wählen. Wenn dein Traumberuf dich finanziell unabhängig macht: Umso besser. Aber das ist leider recht selten.

Ich würde übrigens in jedem Fall raten, in dem jeweils angestrebten Beruf erst einmal ein Praktikum zu machen. In meinem Ausbildungsbetrieb hatten wir einfach zu viele Azubis, die sich das alles ganz anders vorgestellt haben und dann entweder unglücklich ihre drei Jahre durchgezogen haben, oder direkt abgebrochen haben, dann aber eben ohne etwas dastanden.

Ganz wichtig: Es spielt absolut keine Rolle, was der Rest der Welt von dir denkt. Es gibt Meinungen, die sollten angehört werden und auch in die Entscheidung miteinfließen, aber das sind nur sehr, sehr wenige. Die Eltern und der Partner, wenn vorhanden (und auch da nur, wenn du glaubst, das die Beziehung langfristig eine Chance hat)
Was der Rest denkt, kann dir egal sein. Es gibt immer welche, die eine Entscheidung schlecht finden und welche, die sie toll und mutig finden. Du kannst es nicht jedem Recht machen.
Schließlich musst du mit der Entscheidung am Ende leben und nicht der Rest der Welt ;D

(Ansonsten: Ja, ich habe von meinem Ausbildungsberuf in eine Zeitarbeitsfirma gewechselt, was ich definitiv als Abstieg werte. Allerdings ist meine Situation eine ganz andere und weil dir das wohl nicht weiterhelfen würde, erspar ich dir die Details ^^)

Manche Allergien entwickeln sich erst im Laufe der Zeit. Ein Kollege hatte zu Beginn meiner Ausbildung absolut keine Probleme mit der einen Chemikale, als ich nach 5 Jahren die Firma verließ konnte er nur noch mit Gummihandschuhen damit arbeiten. Deswegen ist leider nicht gesagt, dass bei einem negativen Ergebnis das auch so bleibt.

Hallo zusammen,

ich finde es spannend alle Beiträge zu diesem Thema zu lesen, weil das Leben nun mal nicht schwarz und weiß ist. Ich bin in einer ähnlichen Situation, in der ich mich beruflich nicht mehr wohl fühle. Das Ergebnis nach 3 Jahren Ausbildung und einer Stelle, die mir wenig Spaß machte, war eine Depression und ein Arbeitsvertrag, der bald ausläuft. Nach einer neuen Stelle zu suchen, machte mir wahnsinnig Angst, weil ich aus meinem gewohnte Umfeld raus musste, obwohl ich mich dort lange nicht mehr wohl fühlte.
Doch desto mehr ich begann mich neu zu orientieren, desto besser ging es mir mit der Zeit. Ich habe auch endlich mit meinen alten Hobbies wieder angefangen. In meiner Gallery kann man deutlich die Lücke sehen, in der ich keine Kakaokarten gezeichnet habe. Für mich steht klar fest, wenn man in einer Situation ist, in der man pysisch leidet, dann sollte man einen Weg daraus suchen. Wenn das heißt, sich beruflich zu verändern, dann “go for it!”
Allerdings habe ich nicht studiert, weshalb ich deine Situation vielleicht nicht ganz so gut einschätzen kann.

Dafür hat mein Freund nach langem Studium auf Lehramt mit 30 nun einen neue Ausbildung angefangen, da er glaubte als Lehrer nicht glücklich zu werden. Er nimmt nun mehr am Leben teil und scheint das neugewonnene Gehalt zu genießen.

Letztlich ist es deine Entscheidung allein, was du im Leben machen willst. Die Zeit in der ein Lebenslauf liniear war ist schon lange vorbei. Natürlich sollte man sich nicht unüberlegt verändern. Finanzielle Sicherheit und Partnerschaften spielen immer in die berufliche Wahl mit rein, aber wenn man sich auf den Weg der Veränderung begibt, wundert man sich manchmal, welche Lösungen man schließlich findet. Jetzt möchtest du vielleicht Friseur werden, aber möglicherweise hast du deinen wirklichen Traumberuf noch gar nicht entdeckt.

Ich möchte meinen Beitrag abschließen und sagen, streck einfach mal die Fühler aus. Führe vielleicht ein paar Vorstellungsgespräche, such eine Jobberatung auf oder mach ein Praktikum/Probearbeiten. Man weiß nie, was auf einen wartet, wenn man nicht aktiv wird :-)

Erstmal vorweg, sein Leben kann man nicht komplett durchplanen, schon gar nicht in dem Alter. Es passieren 1000 Dinge die unvorhergesehen sind. Ich glaube kein 50-jähriger hat sich mit 18 schon dort gesehen, wo er jetzt ist. Außer es hat was mit Familienbetrieben zu tun, aber das ist was anderes.

Außerdem gibt es keine schlechten Studenten. Sorry, aber schau einfach mal wie viele Leute heute Abi machen. Es praktisch schon ein Standart-Abschluss und hat nichts mehr damit zu tun, dass du später mal Akademiker wirst. Ich kenne ziemlich viele Leute, die nach dem Abi eine Ausbildung gemacht haben und auch bei Frisören ist mittlerweile ein Realschulabschluss normal geworden.

Und das man sich umentscheidet ist mittlerweile auch ganz normal und wird akzeptiert. Ich und viele andere die ich kenne, haben das Studienfach gewechselt und wir werden deswegen auch nicht gesellschaftlich geächtet, weil wirs beim ersten Anlauf “nicht gepackt” haben.

Rückblickend merke ich, wie schlecht die Schule einen doch auf die Arbeitswelt vorbereitet. Wenn du dich noch nicht gefunden hast, rate ich dir auch eher zu Praktikas und Probearbeiten.
Zudem rate ich dir von einem Beratungsgespräch im Arbeitsamt ab oder rate dir zumindest, dass du nicht 100&ig darauf höre solltest. Die Leute, die dich Beraten, haben wahrscheinlich selbst ihr ganzes Wissen, über den Job der dich interessiert aus einem Buch aber kennen die Praxis nicht. Da finde ich es viel wichtiger, mit jemandem aus diesem Berufsfeld mal zu reden. Mir hat das bei meinen Praktikas auch sehr viel geholfen.

Ich kenne diese Konfliktsituation nur allzu gut, weil ich mich just in diesem Moment in der gleichen befinde.

Ich bin 25 Jahre alt und trotzdem habe ich zur Zeit das Gefühl, ich hätte schon mindestens die doppelte Zeit gelebt. Mir ist in dem letzten Jahrzehnt so viel Sch**** passiert, dass es - meiner Meinung nach - für mein ganzes restliches Leben und auch noch für das meiner späteren geplanten Kinder reicht. Ich will gar nicht nicht so stark ins Detail gehen. Nur so viel: Mit 15 Jahren bin ich an einer ziemlich gefährlichen Krankheit erkrankt, musste eine sehr riskante Operation über mich ergehen lassen, ebenso wie eine ziemlich kräftezehrende Behandlung.
Alles in allem bin ich ganz gut davon gekommen: Ich bin vollständig geheilt und abgesehen von einer leichten Tapsigkeit, Haltungsschäden und körperlicher Unfitness ganz gut auf dem Dampfer.
Nach der ganzen Geschichte habe ich mein Abitur gemacht und eine Erzieherausbildung angefangen. Die fiel dann im Anerkennungsjahr ins Wasser - zum Einen, weil ich laut Betrieb nicht genug Professionalität an den Tag legte, zum Anderen, weil ich mich oft krankschreiben lassen musste, weil mein rechter Arm ständig weh tat.
Während ich herumdoktorte, fing ich ein Architekturstudium an, welches mir zwar in einigen Teilen Spaß macht, aber doch irgendwie nicht das Richtige für mich ist. Ich bin ein Mensch der viel zu gerne mit den Händen arbeitet und Häuser reichen mir da nicht. Ich wollte zum Herbst dann zum Studiengang Produktdesign wechseln.
Inzwischen hat man die Ursache für den Schmerz inzwischen in beiden Armen gefunden - Lymphödeme! Die Folge: Kompressionsstrümpfe für die Arme, Lymphdrainage und ein Verbot für übermäßige Arbeit mit den Händen, was (berufliches) Werkeln sowie Haushaltsarbeit betrifft. Ab und zu eine Kleinigkeit basteln geht okay, aber ich darf nichts Schweres heben, die Arme nicht zu stark belasten. Die Ärztin schlug als Beispiels-Arbeitspensum “Ein Fenster am Tag putzen” vor. Ich war - und bin es auch jetzt noch - ziemlich aufgeschmissen. Für mich ist in dem Moment ein Traum geplatzt.
Ich versuche das Ganze aufzuarbeiten. Zum Herbst werde ich mich für den Studiengang Germanistik einschreiben und meine Kreativität als Schreiberling ausleben. Damit wäre zumindest fürs Erste die berufliche Richtung geklärt. Ob es das Richtige für mich ist? Das sehe ich dann. Und wenn nicht, dann muss ich mir halt wieder was anderes überlegen.
Die Meinung meiner Eltern - interessiert mich nur bedingt. Meine Mutter ist eine großartige Frau, nur hat sie nicht annähernd den Bildungsstatus, den ich habe und kann nicht über ihren Rollbraten-mit-Sauerkraut-Tellerrand hinausblicken. Sie war sogar damals dagegen, dass ich mein Abitur mache, weil ich doch besser Arbeiten und Geld verdienen soll. Mein Vater beäugt meine Situation zwar immer etwas skeptisch, lässt mich aber meines wie auch immer gearteten Amtes walten. Mein Freund hingegen unterstützt mich voll und ganz. Er sagt: “Hauptsache, du findest etwas, das dich erfüllt und dir Spaß macht - völlig egal, was!”

Ich hardere immer noch manchmal mit mir, weil ich eben doch teilweise die Mentalität der älteren Generation in mir hab, dass ich schon längst arbeiten sollte, verheiratet sein müsste und das erste Kind unterwegs sein sollte. Aber ich bin erst 25! Und die Welt ist nicht die Gleiche wie vor 30 Jahre. Es gibt deutlich mehr Möglichkeiten, sich auszuprobieren - und die sollte man nutzen. Was nützt einem, der erstbeste erlernte Job, wenn man damit unglücklich ist?

Vergiss, was die anderen (und dazu zählen auch deine Eltern) sagen - der Einzige, dem du es Recht machen musst, bist du selbst. Die Erwartungen anderer sind die Erwartungen anderer.

Ich stimme den bisher gegebenen Antworten in großen Teilen zu. Glücklicherweise habe ich so eine Situation noch nicht durchmachen müssen, ich bin mir aber sicher, dass für jeden einmal der Zeitpunkt kommt, an dem er sich überlegt “Will ich das überhaupt? Bin ich damit glücklich?”

Ich selbst habe letztes Jahr mein Abitur gemacht und einen Bundesfreiwilligendienst angefangen, weil ich nicht gleich studieren wollte. Nun bin ich fast fertig damit, die Bewerbungen für die Studienplätze sind auch verschickt und für mich heißt es jetzt warten. Ich erfahre erst im August, ob ich genommen werde und ich weiß jetzt schon, dass ich die meiste Zeit mit Grübeln verbringen werde. “Will ich das überhaupt studieren? Werde ich glücklich damit? Was, wenn es mir nicht gefällt oder ich durchfalle?” usw. Letzten Endes weiß ich das erst, wenn es soweit ist und dagegen kann ich nichts machen. Meine beste Freundin studiert derzeit im zweiten Semester Lehramt fürs Gymnasium und sie will sich für das Wintersemester für Psychologie bewerben. Sie weiß nämlich auch nicht so genau, ob Lehrerin wirklich der richtige Beruf für sie ist und ob sie mit der Fächerkombination Deutsch/Geschichte überhaupt eine Chance hat. Auch andere ehemalige Klassenkameraden von mir haben ihre Studienfächer gewechselt oder haben es vor.
Worauf ich eigentlich hinauswill ist: Selbst wenn man einige Jahre etwas gemacht hat und dann merkt, dass es einen nicht glücklich macht, dann ist das trotzdem keine verschwendete Zeit. Man hat schließlich Lebenserfahrung gesammelt, vielleicht eine schöne Zeit mit Freunden erlebt, einzigartige Momente gehabt. Orte gesehen, die man ansonsten vielleicht nicht besucht hätte. Insofern finde ich es nicht verwerflich, einen Neuanfang zu starten.

Friseur muss außerdem nicht unbedingt ein Rückschritt sein. Ein Bekannter meiner Mutter ist ebenfalls Friseur und betreibt in Berlin einen eigenen Salon. Auch in diesem Beruf gibt es Möglichkeiten sich fortzubilden, sich selbständig zu machen und ein gutes Einkommen zu haben.
Meine Cousine hat das Gymnasium nach der elften Klasse abgebrochen und ebenfalls eine Friseurlehre begonnen. Meine Mutter und Oma haben geschockt darauf reagiert, so nach dem Motto “Sie hätte das Abitur haben können und jetzt lernt sie Friseur, wo man doch soo wenig verdient??” Ich hab anfangs auch so gedacht, aber mittlerweile kann ich ihre Entscheidung verstehen. Sie möchte außerdem nach der Friseurlehre noch eine Ausbildung zur Maskenbildnerin machen und das finde ich persönlich ziemlich cool. Sie hat also letztendlich auch einen entscheidenden Schritt gemacht, ist aber soweit ich weiß glücklich damit und das zählt.

Ein letztes Beispiel noch:
Mein bester Freund hat drei Jahre lang eine Ausbildung in einer Molkerei gemacht. Letztes Jahr ist er fertig geworden und obwohl er sich in ganz Deutschland beworben hat, hat er keine Anstellung gefunden. Wenn er nicht in der Baufirma seines Vaters mitarbeiten hätte können, wäre er arbeitslos geworden. Auch er hat damals in der Schule dem Berufsberater vertraut, der meinte, Milchtechnologen wären sehr gesucht und er würde garantiert einen Job bekommen.
Dann hat er per Zufall ein Angebot erhalten, im Kundencenter eines großen Parkhausbetreibers zu arbeiten, also ein komplett anderes Berufsfeld als seine Ausbildung. Das macht er jetzt seit fast einem Jahr und hat die Aussicht, einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu erhalten. Die Arbeit gefällt ihm und er verdient zwar kein großes Vermögen, aber genug für ihn alleine, um über die Runden zu kommen. In seinen eigentlichen Beruf will er mittlerweile gar nicht mehr zurückkehren.

Das zeigt einfach, wie wenig man seine Zukunft vorausplanen kann. Es geschehen immer wieder unerwartete Ereignisse, die einen zurückwerfen, aber auch unerwartete und neue Möglichkeiten eröffnen können. Die Kunst ist es nur, richtig darauf zu reagieren und gute Entscheidungen zu treffen, aber selbst da weiß man nicht, inwiefern sich diese Entscheidungen in ein paar Jahren auswirken werden.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Erfolg auf deinem weiteren Weg und hoffe, dass du die richtigen Entscheidungen für dich triffst und glücklich wirst! :)

@Joker
Manchmal haben aber auch die Berater einfach nur keine Ahnung. Ich wurde in der Beraterabteilung meiner Uni auch falsch beraten.
Und bei Brauereitechnologie ist es so, dass ca. 20% der Brauer auch Brauer werden, alle anderen werden Peripheriefachkräfte, wo du Brauerwissen brauchst, aber kein Brauer bist. Wenn du dich da aber nicht bewirbst, weil du nix davon weißt, sind die Chancen natürlich dürftig.

@Deadmoon, das, was du im Studium machst, wird im Beruf so nicht mehr stattfinden. Der Beruf wird viel angewandter sein und ich möchte dir lieber dazu raten, das Technische weiter zu machen, dich durch zu beißen und dann in die Richtung etwas beruflich zu machen.

  • Du hast eine große Bandbreite an beruflichen Möglichkeiten und die Berufe sind alle sehr unterschiedlich, die du damit ausüben kannst
  • Du hast eine bessere Bezahlung, was immer das Leben erleichtert. Morgen spontan nach Thailand? Die Portokasse gibts her! Besonder wichtig ist aber auch die Rente, das sieht ja derzeit ziemlich gruselig aus. Ich verdiene nicht schlecht, aber ich werde mir jetzt 3 Rentenmodelle zurechtlegen. Staatliche Rente, Betriebsrente und Sparfond. Man weiß ja nie, was die Regierung verbockt und was mit der staatlichen passieren kann nach Griechenland guck
  • Rente Nr.2: Es ist immer hilfreich, Wohneigentum bis zur Rente zu haben, das abbezahlt ist. Das muss man aber irgendwie zahlen und es ist viel leichter, das zu zahlen, wenn man auch mehr verdient.
  • Du weißt nie, was kommt. Deine Meinung kann sich 180° ändern und dann bereust du einen dieser großen Schritte. Man sollte niemals zu viele Türen schließen.

Friseur kannst du auch als Hobby machen. Ich hab das ne Zeit lang gemacht, man kann das natürlich aber auch aufbohren: Ich hab meine eigenen Cosplayperücken geschnitten, gefärbt und gestylt. Du kannst commissions anbieten, dann musst du sie nicht selbst behalten und bekommst die Materialkosten zumindest wieder zurück.

Ich habe mich jedenfalls durchgebissen. Ich war oft am Rande der Verzweifelung, vieles lief nicht so, wie es sollte, teils haben einen sogar die Dozenten gemobbt. Aber sich durchbeißen war das beste, was ich tun konnte, denn jetzt hab ich so tolle Möglichkeiten und bin einfach super glücklich damit. Und glaub mir - Abschluss in der Tasche macht tatsächlich viel mehr aus. Du kannst dann deutlich freier entscheiden: Was technisches oder friseur? oh, nach 1 jahr friseur stinkt mir das zeug aber gewaltig, mach ich doch was technisches weiter!

Ich schließe mich mal der Selbsthilfegruppe an lach

Seit geraumer Zeit frage ich mich das nämlich auch. Ich bin seit knapp nem halben Jahr voll ausgebildete Lehrerin und momentan überhaupt nicht glücklich in meinem Beruf. Ich komme weder mit dem System Schule klar (bin jetzt an meiner 4. Schule innerhalb von 2 Jahren), noch mit der Mentalität der Kolleginnen (die meisten sind einfach zu abgehoben), noch mit den Schülern, die mir zur Zeit große Probleme machen weil die Generation von heute einfach keinen Respekt mehr kennt, noch mit den Eltern, die nach der Schule einfach reinschneien und meckern warum es denn keinen extra Stempel für die Hausaufgaben gibt. Dazu die psychischen Belastungen während des Referendariats und die Tatsache, dass ich in dem Zeitraum viele geliebte Menschen (zumindest vorübergehend) verloren hatte und eine Beziehung kaputt ging.
Ich fühle mich irgendwie auch nicht als Lehrperson, ich halte mich selbst für zu wenig autoritär und meine Hobbys haben auch wenig mit dem Idealbild eines Lehrers zu tun. Ich habe letzte Woche zum ersten Mal vor meiner Klasse geweint.

Mich macht das alles mittlerweile nur noch fertig. Finanziell geht es mir zwar gut, aber ich frage mich immer wieder ob es das wirklich wert ist.

Und es ist so viel Druck da.
Zum Einen dadurch, dass ich jetzt 26 bin, sechs Jahre Studium und Ref hinter mir habe und ich davor schonmal einen Studiengang abgebrochen habe. Ich mache mir selbst Vorwürfe, ich hätte meine Entscheidung, Lehramt zu studieren nicht gut genug durchdacht. Die ganzen Praktika, die ich im Laufe meines Studiums gemacht habe, haben leider nicht alle Seiten des Berufs gezeigt. Ich hab mir immer gedacht, mach was mit Musik, das kannst du. Immerhin hast du Erfahrung im Umgang mit Kindern und du hast Klavierunterricht gegeben. Im Endeffekt unterrichte ich jetzt 2 Stunden Musik pro Woche und musste an meiner letzten Schule fachfremd Sport und Religion unterrichten. Soviel dazu.
Dann mein Umfeld. Ich bin die Einzige in meiner Familie weit und breit mit akademischem Abschluss. Der größere Teil meiner Verwandtschaft ist so drauf: “ey, die ist jetzt 26, die sollte jetzt wirklich mal anfangen Kohle zu erwirtschaften. Meine Kinder sind ja schon seit die 19 sind fest unter.”
Meine Eltern machen es für mich am schlimmsten, denn sie haben einen nicht unerheblichen Teil ihres Vermögens in meine Ausbildung gesteckt. Meiner Mutter merke ich jedes Mal ihre Enttäuschung an, wenn ich das Thema anspreche. Mein Vater hält sich da bedeckt, er kann zwar verstehen wenn ich sage, dass es keinen Zweck mehr hat, andererseits ist er derjenige der das Gejammer meiner Ma ertragen muss. Es tut weh, meine Eltern so enttäuschen zu müssen. Ich versuche, weiter zu kämpfen, aber habe Angst, dass ich irgendwann an Burnout leide.

Es gibt für den Lehramtsstudiengang leider sehr wenig alternative Berufe und ich würde mich so gerne neu orientieren. Am liebsten mit Musik. Aber für die meisten Sachen müsste ich an einer Musikhochschule studiert haben und/oder man verdient kein Brot. Englisch war mein zweites Studienfach und ich mag die Sprache wirklich gerne, hatte schon an Übersetzer gedacht, aber die Konkurrenz ist groß und mein gebrochenes Schulfranzösisch reicht als Zweitsprache womöglich auch nicht aus. Innenarchitektur oder Mediendesign würden mich auch interessieren, aber dafür müsste ich wieder studieren und das kann ich nicht finanzieren. Ich weiß irgendwie nicht was ich machen soll und ich habe Angst davor, dass das wofür ich mich dann entscheide wieder das Falsche sein wird.

Ich bin momentan allein und wohne in einer kleinen, aber feinen Dachgeschosswohnung, die ich so schnell auch nicht aufgeben möchte. Und nochmal zu meinen Eltern zurück ziehen kommt für mich nicht mehr infrage.

Hachja, Midlife Crisis mit 26. Solls geben. Sorry für den Jammerpost, aber ich seh hier zum ersten Mal Leute, die das Problem verstehen können.

@Hanabi: Was hat dein Freund gemacht? Würde mich sehr interessieren. Ich suche verzweifelt nach Tipps, wie ich das ganze Vorhaben angehen könnte.

Oje, wenn ich hier mitlese muss ich fast froh sein, dass meine Eltern im Bereich Beruf immer sehr streng waren. :'D

Ich hatte damals absolut keine Ahnung was ich werden möchte. Nur eins. Ich will keine Schule, ich will Geld. Letztendlich habe ich mich einfach für den Beruf meines Vaters und meines Bruders entschieden. (Technischer Beruf)
Von ihnen wusste ich einfach:

  • man verdient genug Geld
  • der Job is (abgesehen von der Wirtschaftskrise damals) gefragt
  • man hat viele Weiterbildungsmöglichkeiten
  • die großen Firmen sind meist inner Gewerkschaft und Tarif gebunden

Ob der Beruf jetzt mein Highlight im Leben ist, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass egal welcher Beruf, es auch viel mit der Firma und den Kollegen zu tun hat.
Wenn man ein super Arbeitsklima hat, kann man auch über langweilige Arbeit wegsehen. Zumindest ist das bei mir so.
Ich hab zumindest Spaß, wenn zwar nicht beim Schraube reindrehen, aber währendessen über Videospiele reden.

Ich hoffe sehr, dass ich nie so einen Wendepunkt miterleben muss.
Aber im Allgemeinen. Wenn man in etwas absolut keine Zukunft sieht, sollte man etwas anderes machen. Ich hab meine Abendschule damals abgebrochen, einfach weil ich dahinter keinen Sinn mehr sah. (Und meine Deutschlehrerin eine unmögliche Person war.)

Die Situation ist mir auch vertraut. Nach dem Abi hatte ich keinen wirklich konkreten Plan, weil es keinen Beruf gab (und auch immer noch nicht gibt), der mich umhaut und absoluter “Traumberuf” ist. Klar, das Zeichnen hat mir Spaß gemacht, aber ich konnte auch realistisch einschätzen, dass ich 1. nicht gut genug war und 2. viiiiiel zu langsam. Zudem kommt dann auch noch die schlechten Berufschancen, nachdem man irgendwas Richtung Design und Kunst studiert hat. (Ein Freund war 3 Jahre lang nach dem Studium arbeitslos, weil alle Firmen lieber Praktika vergeben haben, weil sie da jemanden Vollzeit für sich knechten lassen können, aber nur 400€ pro Monat blechen brauchen.)
Also habe ich mich für ein Biostudium entschieden, weil ich zumindest Genetik damals im Bio LK ganz spannend fand. Tja, mit dem 2,5 Schnitt wurde ich natürlich nicht auf Anhieb genommen und die Eltern haben Panik geschoben und Druck gemacht. Bin dann ganz kurzfristig noch in eine BTA Ausbildung an einer Privatschule reingerutscht. Meine Mutter hat lieber 6.000€ für 2 Jahre gezahlt, als dass ich nach der Schule ein Jahr lang arbeitslos rumgammel. 4 Wochen später kam dann die Zusage fürs Studium im Nachrückverfahren. Da hatte ich aber schon die erste Prüfung in der Schule absolviert und hatte auch Spaß an der Sache. Außerdem ist eine abgeschlossene Ausbildung sicher keine verkehrte Sache, da man ja vorher nie weiß, wie man sich im Studium schlägt und ob man das Pensum überhaupt packt. Dennoch war für mich klar, dass hinterher trotzdem studiert wird. Wie jeder Schulabgänger dachte ich mir halt Studim = fett Kohle. So mindestens 'nen Tausender mehr pro Monat klingt doch ganz nett. Die Ausbildung habe ich aber auf keinen Fall bereut und sie hat mir sogar wahnsinnig fürs Studium geholfen. Was die praktischen Kurse anging, hatte ich meinen Mitstudenten einen enormen Vorteil. Das merke ich jetzt im Master sogar immer noch, weil es Leute gibt, die sind schon mit dem Umgang mit der Pipette leicht überfordert.

Bis zum Bachelorabschluss war auch alles in Ordnung und auch das 1. und 2. Master-Semester waren noch ok. Doch dann wurde so langsam klar, wie es nach dem Studium tatsächlich aussieht. Im Normalfall macht man hinterher noch seinen Doktortitel, aber sobald du den in der Tasche hast, bist du quasi raus aus dem Labor und es geht ab an den Schreibtisch: Anträge schreiben, wenn du an der Uni bist Studenten unterrichten, die Ergebnisse, die deine BTAs und Studenten im Labor produzieren, zusammenfassen und als wissenschaftlichen Artikel formulieren und hoffen, dass irgendein hochangesehenes Magazin aus deinem Fachbereich (am besten natürlich die Nature) den Artikel annimmt und druckt. Es geht nur noch darum, dass man möglichst viel veröffentlicht und Punkte sammelt. Die Arbeit machen aber meist die untergeordneten Mitarbeiter. Ich sehe die Postdocs bei mir in der Arbeitsgruppe kaum im Labor. Doktoranden sitzen auch mind. 50% ihrer Zeit im Büro. Mir kommt’s jedes Mal hoch, wenn unser Prof in der wöchentlichen Laborbesprechung von Veröffentlichungen und deren “Impact-Factor” spricht. (Je nachdem in welchem Magazin du veröffentlichst, gibt es Punkte. Die meisten guten Magazine bringen 4-5 Punkte evt. auch mal 10, eine Veröffentlichung in der Nature ca. 40.) Und ich will nicht einfach nur ein “Punktekonto” sein. Ich merke auch, dass mir das Schreiben einfach keinen Spaß macht, wenn immer Protokolle oder ähnliches ansteht. Ich bin viel lieber im Labor und pipettiere, selbst wenn es - wie aktuell- monatelang PCRs sind.
Diese Realisation hat mich so sehr getroffen, dass ich quasi das gesamte Wintersemester vergeudet habe. Ich saß von September bis Mitte Januar zuhause in meinem Bett und habe nichts gemacht, außer mich im Internet rumzutreiben. Ich hatte für nichts den Antrieb. Irgendwann wurde dann der Druck meiner Eltern so groß, dass ich mich aus Angst gezwungen habe, mir endlich eine Arbeitsgruppe zu suchen, bei der ich meine Masterarbeit absolvieren kann. Seit Mitte Februar bin ich jetzt wieder an der Uni im Labor. Denn das Studium jetzt so kurz vorm Abschluss abzubrechen, wäre einfach extrem dumm. Also kämpfe ich mich jetzt durch die letzten Meter durch. Trotzdem wird mir jeden Tag bewusst, dass das Studium die falsche Wahl war.

Ich hätte wohl wirklich auf meinen Vater hören und nach der Ausbildung arbeiten gehen sollen. (Auch wenn er mich eher loswerden wollte, lol.) Aber damals fühlte ich mich nicht bereit den Schritt in die Arbeitswelt zu machen. Das tu ich nicht mal jetzt. Aber ich denke, wenn ich den Sprung ins kalte Wasser damals einfach gewagt hätte, wäre ich heute glücklicher. Ich merke einfach, dass ich nicht der Typ Mensch bin, der Erfüllung in seiner Arbeit/Karriere findet. Mit 15 hab ich noch gedacht “Joar, Kinder will ich schon, aber Hausfrau und Mutter sein, ist doch langweilig. Ich will auch Geld verdienen!”. Mittlerweile finde ich den Gedanken nur Hausfrau und Mutter zu sein jedoch viel angenehmer und wünsche mir nichts sehnlicher. (Wobei ich gleichzeitig aber auch den Gedanken scheiße finde, von 'nem Kerl und seinem Geld abhängig zu sein.) Ich wollte mit 25 immer mein erstes Kind haben und jetzt mache ich meinen Abschluss erst mit 28. Danach gleich schwanger zu werden, ohne irgendwelche finanzielle Grundlage, wäre ziemlich verantwortungslos. Also wird’s wohl erst mit 30+ was, wenn ich überhaupt den richtigen Partner dazu habe. (Wobei das ist nicht mal ein Muss…) Wenn ich also mit 21 angefangen hätte zu arbeiten, dann hätte ich womöglich jetzt schon meine eigene kleine Familie und würde nicht mehr zuhause wohnen. Das ist natürlich nur ein Gedankenexperiment und ich habe keine Garantie, dass es wirklich so gelaufen wäre, aber trotzdem depremiert mich diese Erkenntnis extrem.

Naja, ich habe zumindest das Glück, dass ich nicht in eine komplett andere Fachrichtung will. Ich werde mich wohl auch trotzdem erstmal als Biologin bewerben und schauen, wie es so läuft, wenn ich dann mal eine Stelle finde. Vielleicht habe ich ja Glück und darf trotz meines Masterabschlusses viel im Labor arbeiten und muss nicht viel schreiben. Ansonsten versuche ich einfach mich auf BTA Stellen zu bewerben, auch wenn ich mir dann sicher oft anhören darf, dass ich überqualifiziert bin. Aber vielleicht kann ich dann ja im Bewerbungsgespräch deutlich machen, wieso ich lieber als TA arbeiten möchte. So schlecht bezahlt wird man da auch nicht, von daher wäre die Herunterstufung jetzt nicht so tragisch, solange ich nur für mich selbst sorgen muss. Wie das mit Kindern dann aussieht, wird sich herausstellen. Aber meine Eltern konnten mich und meinen Bruder auch mit ihrem Arbeitergehalt durchbringen, ohne dass es uns großartig an etwas fehlte.