Ich wüsste gar nicht, ob ich mit einem Menschen, mit dem ich so gut befreundet bin, dass daraus potentiell eine Beziehung entstehen könnte, auch eine Beziehung würde führen wollen. Nehmen wir als Beispiel mal meinen besten Freund. Er und ich sind so eng miteinander verbunden, dass Menschen, die uns nicht so gut kennen, oft das Gefühl haben, wir wären ein Pärchen. Seltsamerweise sehen wir uns aber gar nicht als sexueller Gegenpol. Er ist für mich asexuell, genau wie ich für ihn. Es gab nie ein solcher Moment, in dem wir gedacht hätten: Hoppla, da könnte mehr draus werden. Ich wüsste nicht mal, ob ich mit ihm eine Beziehung führen könnte. Denn mein bester Freund ist nicht umsonst mein bester Freund. Er und ich haben schon soviel Mist zusammen erlebt. Selbst wenn wir uns wochenlang nicht sehen, beenden wir gegenseitig unsere Gedanken. Wir vervollständigen uns. Eine Beziehung wäre hier gar nicht möglich. Dazu kennt er mich wohl zu gut - und ich ihn.
Allerdings habe ich vor Jahren eine Freundschaft (die davor schon jahrelang angehalten hat) zu einer Beziehung werden lassen. Hier sollte ich vielleicht hinzufügen, dass irgendwie unterschwellig immer sexuelle Spannungen da waren, aber für uns hat das die Freundschaft umso spannender gemacht. Wir waren nicht ganz ein Jahr zusammen. Die Beziehung war wohl eine der Intensivsten, die ich je erlebt hab. Und diese Intensität führte auch dazu, dass die Beziehung in die Brüche ging. Wir verpassten in den Jahren danach leider den Moment wieder auf freundschaftlicher Ebene zueinander zu finden. Vor etwa zwei oder drei Jahren haben wir dann wieder einen Kontakt aufbauen können. Vor ein paar Wochen haben wir dann ausgepackt. Denn jeder hat die Trennung anders im Kopf gehabt, jeder hat sie anders empfunden. Wir wussten genau, dass wir nur eine Freundschaft würden haben können, wenn wir ehrlich und offen miteinander umgehen würden. Mittlerweile ruft er mich wieder an, wenn er ein Problem hat und auch ich kann mich wieder an ihn wenden.
Wir haben beide diese unsere Freundschaft vermisst und wollen alles daran setzen, dass es wieder klappt. Wir telefonieren mehrmals die Woche miteinander und im Juni wollen wir uns das erste Mal seit fünf Jahren wiedersehen. Ob ich mich darauf freue? Sehr sogar!
Es heißt ja immer, dass der Partner fürs Leben auch eine Art bester Freund sein soll. Entweder hab ich ihn noch nicht gefunden oder ich gehöre zu den Frauen, die hier differenzieren. Ich glaube, mir wäre es total unangenehm, wenn ich nach Hause komme und ein Partner mir schon an den Augen ansieht, WAS nicht stimmt (nicht DASS etwas nicht stimmt). Ich brauche hin und wieder Streitereien und Debatten. In meinem Leben müssen manchmal die Fetzen fliegen - ich hasse rund-um-die-Uhr-Harmonie. Drei Wochen Harmonie, Friede, Freude, Eierkuchen und ich renn mit dem Kopf durch die Wand. So bin ich. Aber hätte ich eine Beziehung mit meinem besten Freund, würde er ja passend auf mich reagieren. Er wüsste was in mir vorginge, noch bevor ich mich überhaupt darüber aufregen könnte, dass er nie zuhören würde oder oder oder (worüber man sich bei Männern halt so aufregt ;) ). Und genau das würde mich wahrscheinlich zur Weißglut treiben.
Ich weiß es nicht.
Ich habe übrigens zu drei meiner Exfreunde ein freundschaftliches Verhältnis. Mit einem mach ich regelmäßig Fototouren und Fotoshootings, wir gehen Kaffeetrinken, etc. Mit dem zweiten schreibe und telefoniere ich hin und wieder. Mindestens dreimal im Jahr treffen wir uns um Neuigkeiten auszutauschen. Und der dritte war meine erste große Liebe. Es hat einige Zeit gebraucht, aber irgendwann wurden wir einfach erwachsen und seither treffen wir uns für Spaziergänge oder wir schreiben.
Hm, ich denke, es kommt ganz stark auch auf den Typ Mann/Frau an, von dem man sich trennt. Es gibt Männer (und auch Frauen), die mit einer Trennung an sich nicht klarkommen. Dabei spielt es gar keine große Rolle, wer von wem, sondern einfach nur dass. In diesem Typ macht sich dann der Gedanke breit versagt zu haben. Und darum kommen sie nicht damit klar, wenn sie den/die Ex wiedersehen. Es hält ihnen vor Augen, dass sie versagt haben.
Wow o.O Was für ein Roman o.O