Ich weiß, der Thread hier ist schon wieder etwas älter, aber ich würde auch gern einmal meine jahrelangen Erfahrungen samt aktuellem Stand mitteilen (zumal das eventuell für Chiara noch von Interesse sein dürfte).
Zum Thema Pille: Ich habe sie knapp zehn Jahre am Stück eingenommen - eine niedrig dosierte, darauf legte meine Frauenärztin immer wert - und hatte auch so ca. fünf Jahre keinerlei Probleme damit. Sämtlicher Nebenwirkungen war ich mir übrigens von vornherein bewusst. Meine Frauenärztin hatte mich damals umfassend aufgeklärt; zudem bin ich ein Mensch, der immer die Packungsbeilagen liest (egal, von welchem Medikamenten). Sei’s drum! Ging ja alles jahrelang gut - die Pille ist halt ein einfaches und zuverlässiges Verhütungsmittel. Wie hier aber jemand schon angemerkt hatte, ist das Aufkommen der Nebenwirkungen wie ein schleichender Prozess. Mit den Jahren wurde ich abgestumpfter, emotionsloser, lustloser. Freude hatte ich nicht mehr an sehr vielen Dingen, was natürlich auch meinem Freund aufgefallen ist. Ich habe mich mehr und mehr zurückgezogen und immer öfter depressive Verstimmungen gehabt.
In der Endphase meines Studiums kam dann noch der Leistungsdruck für den sehr guten Abschluss hinzu. Ab da habe ich nicht mehr unter depressiven Verstimmungen, sondern unter richtigen Depressionen gelitten. Morgens bin ich mit Selbstmordgedanken aufgestanden und habe versucht, nachts gar nicht mehr zu schlafen - der neue Morgen mit neuen Suizidgedanken brach dadurch ja schließlich langsamer herein. Hinzu kamen tagelange Migräne-Anfälle, die sich ebenfalls erst nach einigen Jahren Pillenkonsum zeigten und mich komplett ausgeschaltet haben. Irgendwann gab es bei mir dann den großen Knall, als ich körperlich und seelisch vollkommen am Ende war. Ich bin dann zu meiner Frauenärztin gegangen und habe mit ihr darüber gesprochen, da ich mich so nie kannte und das auch nie war. Depressive Verstimmungen bzw. richtige Depressionen und solche düsteren Gedanken waren sonst nie etwas, unter dem ich zu leiden hatte. Da die Pille aber genau diese Nebenwirkungen hervorrufen kann , wollte ich sie einfach absetzen.
Ich habe mich dann also mit meiner Ärztin beraten und sie hat mir sofort dazu geraten, das Präparat abzusetzen. Wir haben dann über Alternativen gesprochen: Hormon-Stäbchen? Wieder Hormone, die noch dazu durch den gesamten Körper wandern, bis sie da angekommen sind, wo sie wirken sollen. Hormon-Spirale? Wieder Hormone. Es blieb also für mich nur etwas Nicht-Hormonelles, das auch auf Langzeit wirkt. Nach gründlicher Recherche und vorheriger Vermessung meiner Gebärmutter blieb also nur noch die GyneFix, was mich nun zu deiner Frage, liebe Chiara, bringt.
Ich bin jetzt frisch gebackene Trägerin der GyneFix (Kupferkette), da Spiralen jeglicher Art zu groß für meine Gebärmutter sind. Wie sie wirkt und wie sicher sie ist, kann man auf der gängigen Homepage nachlesen - dazu muss ich hier ja nichts mehr schreiben. Worüber ich dir hier aber etwas berichten kann, ist die Einlage und das “Gefühl”. Zur Einlage war ich bei einem mir von meiner Frauenärztin empfohlenen Facharzt, der die Kette zusammen mit einer Spiegelung legt, damit sie auch richtig sitzt. Das war mir natürlich wichtig; schließlich soll man ja Sicherheit bei der Verhütung verspüren und nicht die ganze Zeit Angst haben, dass sich das Knötchen im Gebärmuttermuskel löst und das ganze Implantat herauskommt, weil der Arzt es nicht richtig verankert hat. Das Einsetzen der Kupferkette - und da sollte man sich wirklich nichts vormachen - ist unangenehm. Richtig unangenehm. Ich habe weder Narkose, noch Sedierung oder Betäubung bekommen. Die Schmerzen sind vergleichbar mit Menstruationsschmerzen der allerhöchsten Stufe und das auf einem konstanten Level. Der Piks hingegen, wenn die Kette im Muskelgewebe verankert wird, fällt da nicht mehr groß ins Gewicht. Der Schmerz hielt bei mir noch für einige Zeit danach an, war dann aber auch weg. Jetzt sitzt die Kupferkette perfekt und ist halt auch in keiner Weise für mich zu spüren - genauso, wie es sein soll. Dies hier sind natürlich nur meine persönlichen Schmerzempfindungen, hätte ich aber noch einmal die Wahl, würde ich sie mir nur noch mit lokaler Betäubung legen lassen.
Das ganze Prozedere geschah übrigens acht Monate, nachdem ich die Pille komplett abgesetzt hatte. Und an dieser Stelle wollte ich auch noch anmerken, dass es mir bereits in den ersten Wochen nach dem Absetzen so, so viel besser ging! Mittlerweile bin ich wieder eine freudiger Mensch, der es genießt, sich mit Freunden zu treffen; der wieder viel lacht und Spaß an allem hat. Keine düsteren Gedanken mehr, keine Migräne mehr, die mich tagelang ans Bett fesselt. Ein unglaublich tolles Gefühl.
Und ich hoffe, dass sowohl meiner als auch die vielen anderen kritischen Berichte hier einige junge Mädchen zur Hinterfragung bewegen. Die Anti-Baby-Pille ist eben kein Lifestyle-Produkt und ich finde es unglaublich schlimm, wenn ich manchmal in meinem Umfeld zu hören bekomme, wofür sich Heranwachsende dieses Präparat verschreiben lassen und allem voran: wie schnell Frauenärzte es herausgeben.
