Als Taku diesen Thread eröffnet hatte, wusste ich noch nicht, dass ich auch betroffen bin. Inzwischen weiß ich es und ich möchte ein bisschen was dazu schreiben, denn auch ich wäre heute dank der Pille evtl tot.
Ich habe die Pille jetzt 7 Jahre lang genommen. Eine eher wenig dosierte Standardpille der 3. oder 4. Generation, also auf jeden Fall Teil der Problemgruppe. Genommen habe ich sie zur Verhütung.
Nebenwirkungen hatte ich eigentlich immer nur zwei: Ich habe von Koffein schlimme bohrende Kopfschmerzen bekommen und ich mochte keine Pilze mehr. Naja, dann eben Decaf Kaffee und keine Pilze und gut war.
Gewichtsprobleme, Depressionen, Klumpen in den Adern, all das hatte ich nie.
Irgendwann wurde ich dann doch mal irgendwie seltsam krank. Meine neuen Ohrlöcher heilten einfach nie. Und irgendwie lief es auch nicht so im Leben, ich jammerte den neuen Hausarzt voll. Der stellte eine Schilddrüsenunterfunktion (nur noch halbe Kapazität) und Antikörper fest, also Hashimoto. Tabletten bekommen, alles wieder gut. Und dann wurde es wieder schleichend schlechter, aber auf andere Weise. Ich habe seit einiger Zeit immer wieder kehrende Rückenverspannungen und hab dann mal mit dem Sport begonnen: Laufen. Das ging auch gut. Aber nach einem Jahr und immer wenn ich gut im Training war, passierte irgendwas. Irgendwann saß ich fast heulend beim Arzt “Es zieht an jeder Zelle!” beschrieb ich mein problem. Ich bin nach dem Sport 2-3 Tage vollkommen platt, fühle mich ausgelaugt, fertig mit der Welt und werd einfach so unendlich langsam fit, dass ich mich richtig elend fühle. Etwas finden konnte er nicht. Ich habe dann den Sport reduziert.
Das wurde dann immer weiter schlimm, sodass ich auch keinerlei positive Hormone beim Sport mehr ausgeschüttet habe. Sport war ein elendiger Muss gegen Rückenprobleme. Es tat weh, es laugte einen aus und es nahm einem jedes mal 2-3 Tage lang Lebensenergie vom Feinsten. So sehr, dass ich oftmals auf dem Sofa lag und mich gar nicht so platt machen konnte, wie ich mich fühlte. Langsam versetzte es mich jedes Mal in eine “andere Biochemie”, wie ich es nenne. Lebensfreude war in dem Stadium nicht zu spüren.
Eines Tages war dann wieder Sport auf dem Plan. Ich war bei Schatzi über Weihnachten zu Besuch und wir wollten die 4 km Runde um den See laufen. Zwischen haus und See ist eine Autobahnbrücke. Auf dem Rückweg, ging ich da rüber, schaute runter und war der felsenfesten Überzeugung, endlich die Lösung gefunden zu haben. Ja, ich war wieder in der speziellen Biochemie und das Leben war verdammt noch mal der letzte Rotz. Und der Sprung von der Autobahnbrücke eine wundervolle Erlösung. Sie strahlte geradezu vor Erlösung. Ich ging auf die Begrenzung zu.
Was mich davon abgehalten hatte, weiß ich nicht mehr. Aber ich lebe heute noch, also kann ich nicht gesprungen sein.
Darauf lief ich nicht mehr. Zu gefährlich. Der Zustand ließ sich jedes mal wieder herbeiführen, inzwischen sogar nach sanftem Radfahren.
Auch auf der Arbeit ging alles den Bach herunter, ich war immer weniger belastbar, kam immer weniger klar.
Da passierte es auch, dass ich die Pille nicht mehr weiternehmen konnte, weil der Stress, jedes Mal beim Arzt vorständig zu werden und zu diskutieren, zu viel für mich wurde. Gleichzeitig fand ich eine neue Hausärztin, die Burnout diagnostizierte.
Ich mache zwar jetzt eine Therapie, die ich auch nicht hergeben will, aber jeden Monat geht es mir seit November etwas besser. Jeden Monat merke ich, wie meine Biochemie wieder normal wird. Ich kann sogar wieder Sport machen! Ich komme nicht mehr in die depressive Biochemie rein.
Und auch mit Stress kann ich inzwischen deutlich besser umgehen. Der Grundstress macht mich einfach schonmal biochemisch nicht so fertig und den Reststress kann ich durch die Sachen aus der Therapie in den griff bekommen.
Da hatte ich großes Glück, dass ich die zufällig gleich mit abgesetzt habe. In dem Zustand, in dem ich war, hab ich mein Leben kaum mehr auf die Reihe bekommen. Wer weiß, wo das hingeführt hätte, Totalaussetzer auf der Arbeit hatte ich bereits.
Oh, und meine Schilddrüse hat sich auch seitdem etwas geändert. Ja, ich werde immer die schwarzen Löcher behalten, aber ich habe die Dosis seit November halbieren müssen, weil ich einfach nicht mehr so viel Fremdthyroxin brauche. Es ist bekannt, dass Östrogen und Schilddrüse nicht miteinander können (Beipackzettel Thyroxin: Mit Pille braucht man mehr Thyroxin als ohne. Forschung: 10x mehr Frauen haben Schilddrüsenprobleme als Männer.)
Für alle, die hormonell nicht mehr verhüten wollen und die Spirale ablehnen ein wichtiger Buchtipp! Um die Autorin vorher kennenzulernen und ins Buch reinzuschnuppern empfehle ich dieses Video.
Das ist witzig und unterhaltsam geschrieben und man lernt unglaublich viel über den eigenen Körper, was einem letztendlich eine sehr große Hilfe ist, die richtige Methode für sich auszusuchen. Man lernt auch, wo man das bekommt, wer einem dabei helfen kann und dass Frauenärzte / wieso Frauenärzte dabei oft keine Hilfe sind.
Ich habe damit etwas gefunden, das gut zu mir passt und weder hormonell, noch Spirale ist.