Auch wenn hier schon ein Weilchen nichts mehr geschrieben wurde, muss ich jetzt hier mal was dazu schreiben, weil es einfach ein Thema ist, das mir unheimlich am Herzen liegt.
Ich bin Kinderkrankenschwester und arbeite seid 8 Jahren auf einer Kinderkrebs- und Knochenmarkstransplantationsstation. Ich kann gar nicht sagen wieviel Blutprodukte wir jeden Tag brauchen/benutzen. Ich bin jedem super dankbar der Spenden geht, denn es rettet viele Leben! Und nein, das ist jetzt kein abgedroschener Satz, ich sehe es schließlich jeden Tag.
Blutspenden ist eine freiwillige Sache, das sollte es auch immer bleiben. Es ist ok, wenn man sich dagegen entscheidet. Allerdings sollte man sich, bevor mal irgendwelche Gerüchte oder Halbwissen streut erstmal mehr Gedanken machen/ sich mit dem Thema genauer beschäftigen.
1.) Es wird nicht das Blut 1:1 an den Patienten weitergegeben
Natürlich wird es das nicht, denn Vollbluttransfusionen werden schon lange nur noch in bestimmten Ausnahmefällen gemacht, denn es ist ein erhebliches Risiko einer Reaktion damit verbunden. Warum? Ganz einfach, Blut besteht nicht nur aus Blutkörperchen. Es schwirren noch tausend andere Stoffe drin, gute wie schlechte (Abfallprodukte die zb über die Niere rausgefiltert werden und dann im Urin landen). Das will man den Patienten natürlich nicht geben, diese sind schließlich krank und würden mit sowas schlecht zurecht kommen. Außerdem ist das Blut auch voll von Antikörpern, welche bei der Person die das Blut erhält eine allergische Reaktion verursachen können (wie auch einige andere Stoffe im Blut).
Das heißt, Blut wird gefiltert. Es wird in verschiedene Bestandteile getrennt, zb rote Blukörperchen für Menschen mit Blutarmut, Blutplättchen oder Plasma für Leute mit Gerinnungsproblemen… Blut ist eine großartige Sache mit wahnsinnig vielen Anwendungsgebieten.
Sicher werden auch Bestandteile an die Pharmaindustrie verkauft, auf die man verzichten kann. Was damit gemacht wird? Zum Teil brauchen die das für die Forschung, neue Medikamente müssen ja auch auf unterschiedlicheste Wirkungen und Nebenwirkungen getestet werden um nur ein Beispiel zu nennen. Andererseits werden zb Antikörper gefiltert und in Infusionsflaschen gepackt, die man dann wiederum Leuten verabreicht, die davon zu wenig haben.
- Die Sache mit dem Geld
Ich möchte mal zu bedenken geben, für alle die ein “Problem” damit haben das eine Organisation Blut abnimmt und an eine Blubank verkäuft:
-Menschen die Blut abnehmen/ Blut untersuchen (zb auf HIV, Hepatitis…)/ Blut filtern und verarbeiten/ die das ganze organisieren und verwalten wollen auch bezahlt werden, schließlich können die nicht von Luft und Liebe leben
-Material das zur Abnahme/Verarbeitung des Blutes benutzt wird finanziert sich nicht von alleine und kostet viel Geld
-Maschinen die man zur Filtrierung/Untersuchung etc braucht sind verdammt teuer. Einzelne Geräte kosten mehrere hundert tausende Euro, so viel Geld muss ich erst mal verdienen, das die bezahlt sind, denn die Firmen verschenken die schließlich nicht, zudem kosten die auch Wartung und Unterhalt (Zubehör muss regelmäßig ersetzt werden, manchmal geht auch was kaputt etc)
- Der nutzen von Blut
Wie schon gesagt gibt es unheimlich viele Menschen die vom gespendeten Blut prfitieren, weil sie darauf angewiesen sind.
Darunter gehören zb alle Menschen die an irgendeiner Art von Krebs erkrankt ist, denn (zumindest bei Kindern, bei Erwachsenen ist das sicher auch nicht anders) 95% von diesen Menschen braucht mindestens einmal irgendeine Art von Blutprodukten. Aber auch Menschen mit Bluterkrankungen wie zb Thalassämie (rote Blutkörperchen werden zu wenig und fehlerhaft gebildet) die zb alle 3-4 Wochen Blut brauchen um Leben zu können. Niemand von uns hat das Recht, diesen Menschen das Leben zu verweigern. Niemand von diesen Menschen kann etwas dafür das er krank ist, aber alle sind dankbar das es Menschen gibt, die ihnen durch Blutspenden das Leben ermöglichen.
Jedes Jahr würden Millionen von Menschen sterben ohne Blutprodukte, darunter der Großteil der Krebspatienten! Blut ist also wahnsinnig wichtig! Was nützt mir die beste Chemotherapie, wenn ich wegen zu wenig Blutplättchen innerlich verblute oder mein Körper wegen zu wenig roter Blutkörperchen den Organtod stirbt, weil die Organe zu wenig Sauerstoff bekommen um leben/arbeiten zu können?
Für ein eiziges Thrombozytenkonzentrat (Blutplättchen) müssen im übrigen 4! Menschen Blut spenden.
Nur allzu oft haben wir Mangel an Blutprodukten und müssen mit uns ringen wem es am schlechtesten geht und dann Blutprodukte bekommen darf, tausende OPs jedes Jahr werden verschoben, weil nicht genug Blut da ist.
4.)Geld für meine Spende
Ich finde das völlig in Ordnung wenn Leute die ihre Zeit opfern und ihr Blut geben etwas Geld bekommen.
Je nachdem was ich spende, verbringe ich auch viel Zeit. Spende ich zum Beispiel Granulozyten (spezielle Art weißer Blutkörperchen, in der Krebstherapie öfters gebraucht) sitze ich mehrere Stunden da.
Es ist ja auch keine direkte Bezahlung meines gespendeten Blutes (dazu ist es zuwenig Geld) sondern eher eine Entschädigung der Zeit die ich opfere und kleines Dankeschön.
Zudem muss man mal ehrlich sagen, wer würde sich freiwillig 5 Stunden an eine Filteranlage setzten nur für ein Danke? Leider ist es in unserer Gesellschaft mit Hilfbereitschaft und Nächstenliebe oft nicht weit und wenn man nicht ein paar Euro bezahlen würde, würden sicher verdammt viele nicht mehr spenden, was mit dem Tod vieler anderer enden würde. Daran sollte man auch denken, bevor man das verteufelt.