Zu Pinselpflege hatte ich mal nen ganzen Roman geschrieben, weil ich schon zu oft gefragt worden bin, wie man mit Echthaar-Aquarellpinseln (und speziell Rotmarder-Pinseln) so umgeht, dass sie möglichst lange halten. XD Im Idealfall behalten Pinsel ja mehrere Jahre lang eine schöne Spitze – nur bei falscher Behandlung verkürzt sich die Lebensdauer leider ganz erheblich.
Gehen wir der Einfachheit mal davon aus, du hast dir gerade einen neuen Rotmarderhaar-Rundpinsel für Aquarellmalerei gekauft. Selbstverständlich hast du im Laden darauf geachtet, ein sauber verarbeitetes Exemplar (manche Firmen haben ja leider deutliche Produktionsschwankungen) mit feiner Spitze (im Laden gegens Licht halten und das Exemplar auswählen, das vorne am feinsten zuläuft) zu erwischen. Jetzt bist du zu Hause und möchtest den Pinsel gern zum ersten Mal benutzen.
Du wirst sicher feststellen, dass die Haare mit „so komischem Zeug“ überzogen sind. Das Zeug nennt sich Gummi arabicum und wird vom Hersteller auf neue Pinsel gepackt, erstens damit sich die Schutzkappe aufstecken lässt, ohne Haare einzuklemmen, und zweitens, damit potenzielle Kunden im Laden idealerweise sofort sehen, wie schön fein die Spitze zuläuft. Wo wir gerade bei der Schutzkappe sind: die wird selbstverständlich aufgehoben! Ansonsten wird der zukünftige Transport des Pinsels schwierig. (Ich habe tatsächlich Gummi arabicum vorrätig und benutze eine verdünnte Lösung davon, um meine Pinsel ggf. für den Transport vorzubereiten.) Dieses Zeug muss aber vorsichtig (!) abgewaschen werden! Wenn man den Pinsel in trockenem Zustand einfach zwischen den Fingern zusammendrückt, um die verklebten Haare zu lösen (ich habe das jetzt MEHRFACH bei anderen Leuten gesehen und finde es nach wie vor gruselig) können dabei Haare abbrechen. Bei einem nagelneuen Pinsel wäre das schade. Deswegen: einweichen lassen, dann löst sich das Zeug von selbst.
Was das Einweichen angeht: ich denke, du weißt bereits, dass man einen Pinsel NIE NIE NIEMALS mit den Haaren nach unten in einem Wasserglas stehen lassen darf! Wenn er einmal verbogen ist, kriegt man ihn nie wieder glatt. (Ist nicht so wie bei Synthetikpinseln, die man nur einmal mit fast kochendem Wasser übergießen muss und sie sind wieder wie neu, sogar bei abgeknickten Haaren.) Echthaarpinsel vertragen leider kein heißes Wasser. Zum Einweichen nimmst du also kaltes Wasser und entweder so eine Halterung zum Aufhängen von Pinseln (so was besitze ich selbst nicht, kann also nicht sagen, ob sich die Anschaffung lohnt) oder eine flache Schale, bei der die Pinselspitze nirgends aufliegt. Im Zweifelsfall lieber mal ne Stunde im Wasserbad liegen lassen als an den verklebten Haaren herumzubrechen.
Übrigens ist es auch sinnvoll, seine Pinsel vor jeder (!) Benutzung einweichen zu lassen, damit sie sich mit sauberem Wasser voll saugen. Das ist wichtig, damit erstens keine Luftbläschen mehr zwischen den Haaren sind (die können den Farbfluss ziemlich stören) und zweitens, weil Pinsel darauf ausgelegt sind, Flüssigkeit aufzusaugen. Und du willst NICHT, dass gelöste Farbe in die Zwinge gesaugt wird! Wenn da erst mal Farbe festtrocknet, kriegst du sie nie wieder raus – und die Farbe drückt die Haare auseinander, so dass du mit dem betreffenden Pinsel nie wieder eine wirklich feine Spitze bekommst. Das wäre tragisch. Aus dem gleichen Grund sollte man auch sein Malwasser regelmäßig wechseln, nicht erst am Ende der Mal-Session.
Jetzt hast du deinen Pinsel in nutzungsbereitem Zustand und möchtest dein Bild malen. Viel Spaß dabei. Ich gehe im Sinne des gesunden Menschenverstands davon aus, dass du zum Anlösen der Farbe im Näpfchen und zum Mischen auf der Palette NICHT ausgerechnet deinen besten Rotmarderpinsel benutzt. Das sind nämlich die Tätigkeiten, bei denen Pinsel sich am meisten abnutzen. Für solche Zwecke gibt es Billig-Synthetikpinsel. Dein guter neuer Pinsel wird natürlich ausschließlich in bereits angelöste Farbe getaucht – und das auch nur bis zur Hälfte der Länge. (NICHT bis zur Zwinge! Wie gesagt: du willst NICHT, dass da Farbe hineingerät!) Du wirst sicher auch gar nicht erst auf die Idee kommen, andere Materialien als Aquarellfarbe (also, sagen wir mal, Rubbelkrepp, Acrylfarbe, öliges Zeug etc.) mit deinem guten Aquarellpinsel aufzutragen – das bedeutet nämlich sofortigen Pinseltod. Für Rubbelkrepp und weiße Acrylfarbe (die wohl am häufigsten verwendeten Hilfsmittel) nimmst du bitte einen Synthetikpinsel. Und was Fett angeht: das geht nie wieder raus. Ölige Medien sind ein Tabu für Aquarellpinsel. Das bedeutet auch, dass du die Pinselhaare ausschließlich mit sauberen Händen anfasst – wenn überhaupt.
Zum Malen selbst gibt es eigentlich nicht viel zu sagen… Dass sich da Pinsel abnutzen liegt einfach in der Natur der Sache. Reibung und so. XD Ich gehe davon aus, dass du deinen Rotmarderpinsel nicht gerade für brutale Schrubb-Techniken benutzt. (Dafür gibt es ja Borstenpinsel.)
Erwähnen möchte ich nur, dass man die feinsten Linien nicht etwa mit einem kleinen Pinsel erzielt, sondern mit einem größeren Pinsel mit feiner Spitze. Das liegt daran, dass kleine Pinsel naturgemäß nicht genug Haare haben, um Farbe zu „speichern“, und somit dazu neigen, alles auf einmal abzugeben. Das Resultat sind dann eben kleine Kleckse bzw. recht unregelmäßige Linien. Die besten Ergebnisse bei allerfeinsten Details (wie z.B. Kratzern auf Metall) erzielt man mMn mit einem halbtrockenen (also nicht mehr tropfend nassen – vorm Malen an einem Taschentuch abstreifen) senkrecht gehaltenen Rundpinsel in der Größe 10. (Ja, groß.) Leider ist das auch ausgerechnet die Technik, die für den meisten Abrieb sorgt, aber das ist leider nicht zu vermeiden. Einen Pinsel, den du speziell für Details nutzt (und ja, es empfiehlt sich, dafür einen Extrapinsel zu haben), wirst du vermutlich auch bei guter Pflege nach ca. einem Jahr ersetzen müssen.
Aber da gibt es einen Trost: ein Pinsel, bei dem die Spitze abgenutzt ist, muss nicht gleich weggeworfen werden. Für flächige Lasurtechniken und Nass-in-Nass-Arbeiten ist er ja noch völlig in Ordnung. Da macht es nichts, wenn ein Pinsel schon etwas abgenutzt ist, solange seine Farbspeicherfähigkeiten nicht beeinträchtigt sind. Auch diese Techniken sorgen natürlich für zusätzlichen Abrieb der Pinselhaare. Das bedeutet: du nimmst dafür ökonomischerweise NICHT deinen nagelneuen Pinsel mit noch perfekter Spitze.
Jetzt ist dein Bild fertig. (Gehen wir mal optimistischerweise davon aus, dass es super geworden ist. ^^) Dein Pinsel muss natürlich ausgewaschen werden. Das tust du mit VIEL Wasser, also nicht im Wasserglas (das ohnehin inzwischen völlig verdreckt sein dürfte), sondern unterm laufenden Wasserhahn. Im Idealfall benutzt du zum Auswaschen Pinselseife, die pflegt die Haare und sorgt dafür, dass sie länger elastisch bleiben und die Spitzen nicht so schnell abbrechen. (Manche Leute nehmen zum Auswaschen auch Shampoo und Haarkur, aber ich halte das für keine so gute Idee, weil die meisten dieser Produkte Silikone enthalten, die die Haare umhüllen und die Wasseraufnahmefähigkeit beeinträchtigen. Bei Haaren auf dem Kopf ist das wünschenswert, bei Pinselhaaren aber nicht. Normale Seife und Spülmittel sind ebenfalls ungeeignet, weil sie die Haare angreifen können.) Du löst einfach etwas Pinselseife in deiner (sauberen) Hand und malst mit dem Pinsel ein paar Kreise in deine Handfläche. Danach hältst du den Pinsel zum Abspülen noch einmal unter den Wasserhahn. Um Kalkreste zu vermeiden und die Pinselform zu bewahren nimmst du jetzt ein Taschentuch oder Küchentuch und tupfst den Pinsel von allen Seiten damit ab. Auswringen ist tabu, rubbeln auch – einfach nur die Feuchtigkeit heraussaugen lassen. Danach formst du dann vorsichtig mit deinen (sauberen) Fingern die Spitze nach. (Im Idealfall sieht der Pinsel danach aus wie direkt aus dem Laden.)
Zum Trocknen stellst du den Pinsel mit den Haaren nach oben in ein Glas oder was auch immer du als Pinselhalter benutzt. Sollte das nicht möglich sein (z.B. weil du unterwegs bist), brauchst du jetzt die Plastik-Schutzkappe, die beim Kauf dabei war. Es gibt nämlich einen kleinen Trick, die wieder draufzukriegen, ohne dabei die äußersten Haare einzuklemmen und umzuknicken: vorsichtige langsame Drehbewegungen! Haare, die seitlich abstehen, werden dadurch dank ihrer Elastizität noch dazu gebracht, sich gerade auszurichten. Das funktioniert auch bei trockenen (guten) Pinseln, aber im feuchten Zustand ist es natürlich einfacher, weil weniger Haare abstehen.
Äh, ja, ich glaube, das wars. ^^ Weitere Hinweise zur Ergänzung (oder auch gegenteilige Meinungen) nehme ich natürlich gerne entgegen.