Kommen wir nun zum Detail, wie meine erste Karte “dürfen” Entstand.
Ich habe gelernt, dass der erste Schritt, wie man aus dieser Abwärtsspirale raus kommt der ist, bei dem man sich intensiv damit auseinandersetzt, was das zeichnen für einen bedeutet. Für mich war es das, worum sich mein ganzes Leben eigentlich gedreht hat. Das was mich ausgemacht hat, was ein Wiedererkennungs Merkmal war. Ich war die, die viel zeichnete, gut zeichnete und von klein auf vor Malbüchern gesessen hatte. Meinen Höhepunkt erreichte ich mit der Art und weise wie ich mit Farben spielte, Outlines wegließ und das ganze Bild dadurch irgendwie…lebendiger wirkte. Und danach maß ich mich am Realismus. Dem ohne jemanden auf die Füße zu treten am wenigsten lebendigen Zeichenstil. Der, der am leichtesten zu kopieren war, dich aber nicht von jemand anderem abheben konnte. Wie bereits in der Kartenbeschreibung zu finden war das Zeichnen etwas, was plötzlich nicht mehr einfach nur der Kreativität freien lauf lassen zu können bedeutete sondern immer mit Performance Verknüpft war. Just do it gab es also in meinem Verständnis nicht mehr. Alles musste besser sein als das davor. Man musste einen klaren Fortschritt sehen. Und den gab es nie, wie auch, denn die Lernkurve steigt nunmal nicht exponentiell. Und erst recht dann nicht, wenn du sie erzwingst.
Den wirklich größten Rückschritt tat ich also, indem ich mich von dem alten ich löste. Nicht nur das- ich musste wortwörtlich von Null anfangen, indem ich auf dem Ipad meines Partners in Goodnotes kleine anspruchslose Dinge reinkritzelte. Kein Scheiß, nix hatte den Zwang Perfekt aussehen zu müssen. Ich sollte einfach nur spaß dran haben. Und dann Begriff ich, dass ich mich nicht nur von dem alten Ich lösen musste, sondern vielleicht auch einfach mal wieder mehr auszuprobieren sollte. Ohne Ziel, ohne zwang sondern einfach das auszudrücken was ich fühlte. Den Start machte ein Journal. Und ja ich hab auch da irgendwann zu verkrampft auf Ästhetik geachtet. Aber ein Jahr später also jetzt habe ich mit meinem “Sisterhood of the traveling Journal” Projekt herausgefunden, dass man individuell sein darf und sollte. Dass es am Ende des Tages nicht darum geht Leistung zu zeigen, sondern sich und eine Hand voll Menschen am eigenen Individualismus zu erfreuen. Jeder Künstler und jedes Journal ist verschieden. Jede Seite ist verschieden und muss auch nicht Anspruchsvoll sein um jemanden ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. So konnte sich der Knoten in meinem Verstand lösen, mit einem ganz Anspruchslosen und einfachen Aquarell mit einem Motiv welches meine Lieblingstasse zeigte. Denn ich wollte meine Liebe zu Tee teilen und wie sehr ich mich an dieser Tasse erfreue.
Und das führte dazu, dass mich ein Motiv auf einer Badezusatzflasche so sehr dazu inspirierte einfach drauf los mit weichen Aquarellfarben herumzuprobieren und diese wunderschöne Karte namens dürfen hervorbrachte. Denn so wie es der Titel dieses Posts sagt Zeichnen, einfach weil ich es darf. - Nicht weil ich es muss und auch nicht weil auch nur irgendwer es von mir verlangt. Der härteste Kritiker der ist man am Ende des Tages selbst, Und vielleicht findet sich das auch in der nächsten Karte wieder, wenn ich mal wieder inspiriert werde.