Ich sehe das wie Ariana, das der Zeichenstil und OC unterschiedliche Themen sind.
Ich definiere “einen Zeichenstil haben” so, das gewisse Elemente in dem Motiv immer wiederkehren und dadurch ein widererkennungswert eintritt.
Sei es die Art, wie coloriert wird, wie bestimmte Elemente gemalt werden, das Haare oder Augen oder Hintergründe oder was ganz anderes, aber das ist auf jedem Bild dieser Person entweder gleich oder zumindest ähnlich gearbeitet. Und damit hat sich quasi auch schon beantwortet, wie so ein Stil entsteht: Indem man gewissen Dinge immer wieder auf dieselbe oder wenigstens ähnliche Weise macht.
Details können sich dabei verändern, wobei ich der Meinung bin, das es im Augen des Betrachters liegt, ob es eine verbesserung oder eine verschlechterung ist, aber dennoch bleibt ein gewisses Grundgerüst immer vorhanden.
Einen eigenen Stil entwickelt man meiner Ansicht also dadurch, das man etwas solange übt, bis man damit zufrieden ist und es dann immer wieder so macht. Weiterentwickeln tut man sich, indem man Dinge, die nicht mehr passen, immer wieder verändert, bis sie wieder passen, dennoch bleibt das Grundgerüst halt bestehen.
Zu den OC:
Das ist wirklich interessant mit dem Geschichten ausdenken. Ich würde z.B. mit einer Charakterisierung beginnen.
Für mich ist ein Steckbrief mit einer Geschichte selbig. Sobald ich Die Charaktereigenschaften habe (meist so zwischen 3 und 5) kann ich den Charakter mit seiner Vergangenheit und seinen anderweitigen Fähigkeiten ausbauen.
Ich mach es genau anders herum: Erst die Vergangenheit der Figur und dann seine Charaktereigenschaften.
Das liegt ganz banal daran, das ich der festen Überzeugung bin, das die Vergangenheit eines Menschen seinen Charakter formt. Außerdem hat man dann kein Problem mit eventuellen Widersprüchen.
Um es Anhand eines Beispiels zu verdeutlichen: Der Charakter ist ein Straßenkind in einer Welt, die an das Mittelalter angelehnt ist, lebt allein in einer großen Stadt.
Daraus ergibt sich der Charakter ein Stückweit von selbst. Ein Straßenkind wird nicht sofort vertrauensseelig direkt auf jeden Fremden losspringen und ihm seine Lebensgeschichte erzählen, denn wenn er das täte wäre die Gefahr, an richtig Zwilichtige Gestalten zu geraten, einfach viel zu groß. Er ist also eher Misstrauisch und Vorsichtig.
Ein Straßenkind wird, her nachdem wie er seinen Lebensunterhalt bestreitet, auch sehr Unterschiedlich sein.
Typ Schläger, der sich vielleicht in einer Bande zusammenschließt und anderen Leuten in einer dunklen Gasse auflauert, ihn dort ausraubt, vielleicht schlimmeres. Vom Aussehen dann logischerweise eher groß und stark, Charakterlich eher weniger Emphatisch, eher grausam, vielleicht sogar ein bisschen dumm.
Oder er ist ein Dieb. Dann wird er vom Aussehen her eher drahtig sein, charakterlich eher ruhig und besonnen, hat ein gutes Gehör und achtet auf Kleinigkeiten. Schließlich muss er rechtzeitig mitkriegen, wann er abhauen muss.
Oder er ist Bettler. Dann wird er eher klein und schmächtig sein. Vielleicht sogar körperlich beeinträchtigt. In dem Fall könnte er durchaus ängstlich und unsicher sein.
Weil, sehen wir es mal realistisch: Wer nimmt einen Bettler ernst, der zwei Meter groß ist und wirkt, als wenn er Pferd samt Kutsche in die Höhe stemmen kann xD Da hat doch der kleine zehnjährige mit dem verkrüppelten Fuß gleich viel mehr erfolg.
Her nachdem, wie die Geschichte weitergeht, könnte sich dann auch der Charakter entwickeln, bestimmte Fähigkeiten kommen dazu, bestimmte Charaktereigeneschaften treten zugunsten anderer in den Hintergrund, sind aber immer noch vorhanden. Ein Dieb, der blöderweise ein Juwel geklaut hat, das zu einem Krieg führen könnte und sich gezwungenermaßen jetzt einer Seite anschließen muss um sein Leben zu retten, wird trotzdem noch immer Wachsam sein. Er wird trotzdem noch immer auf Kleinigkeiten achten. Er wird vielleicht Vertrauen zu jemanden fassen, vielleicht auch zu mehreren Leuten, aber dennoch wird da ein kleiner Funke misstrauen bleiben, irgendwo, ganz tief verborgen. Und der wird ihn warnen, wenn einer seiner Retter es doch nicht so gut meint.
So sind die drei Dinge, Charakter, Aussehen und Geschichte, für mich einfach absolut untrennbar miteinander verbunden, die Geschichte gibt das Aussehen, wobei das Aussehen durchaus auch die Geschichte geben kann, wenn es für den logischen Verlauf von bedeutung ist. Und das gemeinsam ergibt den Charakter :3
Wenn man jetzt erst die charaktereigenschaften festlegt, finde ich das ehrlich gesagt viel schwieriger, weil man viel mehr darauf achten muss, das alles in sich stimmig ist. Ich wage zu behaupten, das die meisten Mary Sues auf genau diese Weise entstehen: Man möchte ein Mädchen mit exakt diesen Eigenschaften, bastelt eine tragische Vergangenheit dazu, die aber im totalen Widerspruch zu den Charaktereigenschaften steht und perfekt ist das drama /D
Es reichen da ja schon kleine Widersprüche, dass das ganze nicht mehr stimmig ist und quasi wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt, wenn man es mal näher betrachtet.
Während es sich anders herum oft noch irgendwie erklären lässt. Oder auch nicht, wenn man zu extrem auf einen bestimmten Verlauf beharrt.
Ich gehe btw. meistens so vor, das ich die Geschichte habe und dazu das passende Aussehen und den Charakter erschaffe. Manchmal habe ich auch das Aussehen und bastel die Geschichte dazu, was dann ebenfalls wieder den Charakter ergibt. Mit dem Charakter selbst fang ich nie an, aus den genannten Gründen.
Ansonsten werde ich womöglich immer referenzmaterial von meinem OC benötigen um ihn aufs Papier zu bringen.
Her nachdem, wieviele OC du hast, kann dein Stil so gefestigt sein wie er will, eine Referenz braucht man oft trotzdem.
Wenn ich einen Chara zeichne, den ich zuletzt vor fünf Jahren gezeichnet habe, dann weiß ich beim besten Willen nicht mehr, ob das verkrüppelte Bein jetzt rechts oder Links war, ob die Haare Hüftlang oder nur Tailienlang ist, ob die Augenfarbe eher ins hellblau oder eher ins Türkis ging etc.
Und bei bestimmten Posen ist eine Referenz im Allgemeinen immer sinnvoll.
Ich wage zu behaupten, das ich einen sehr ausgeprägten Stil habe, insbesondere was Caniden anbelangt. Dennoch hab ich regelmäßig die google-Suche offen und schaue, wie eine bestimmte Pose bei einem echten Fuchs aussieht. Das bedeutet nicht, das ich keinen eigenen Stil habe, sondern lediglich, das ich nicht allwissend bin. Und zu faul, es mir selbst zu rekonstruieren xD Wobei letzteres eben auch keine Frage des Stils ist, sondern des verstehens. Wenn man die Bedeutung bestimmter Dinge verstanden hat, kann man es oft auch auf andere Dinge übertragen. Wenn man die Funktion bestimmter Muskeln und Knochen verstanden hat, dann kann man diese auch aus einem anderen Blickwinkel zeichnen. Das funktioniert natürlich nicht immer, aber oft.