kakao-karten.de Forum

Schule, Ausbildung, Fortbildung beendet - und dann?

Hi ihr,
ich mache gerade meinen Handelsfachwirt, mit dem Ziel, mein jetziges Unternehmen zu verlassen und mir was besseres zu suchen. Nur weiß ich nicht wie.
Dazu ein paar Fakten:

  • Ich bin jetzt 38. Ich habe in meinem Leben 4 Bewerbungen geschrieben und habe an einem Bewerbungsgespräch teilgenommen und an einem Assessment Center. Meine jetzige Anstellung entspringt einem Schülerjob, den ich vor 20 Jahren angefangen und einfach immer weiter geführt habe, während und nach dem Studium. Ist einfach so passiert, ebenso wie die immer größere Verantwortung im Job, ohne je eine Ausbildung absolviert zu haben.
    Studiert habe ich damals, weil ich nicht wusste, was ich will und weil ich mich direkt nach der Schule nicht festlegen wollte.
    Weil aber alles irgendwie lief, hatte ich nie das Problem, ohne Arbeit zu sein oder etwas neues suchen zu müssen.
    Jetzt bin ich aber an einem Punkt angelangt, wo ich nicht mehr nur ein kleines Rädchen sein will.
    Ich habe bisher genau einen Plan für nach meinem Abschluss:

Ich würde gerne versuchen mich bei Schmincke zu bewerben. (Wobei die keine Stellenausschreibungen auf ihrer Internetseite haben, wäre also eine Initiativbewerbung und ich hätte keinen Plan wofür.) Weiter weiß ich dann auch nicht.
Ich bin ja schon nicht sicher, wann ich die Bewerbung schreiben soll. Kenneth meint bevor ich den Abschluss habe, ich würde lieber erst mit Erhalt des Zeugnisses schreiben. Und wenn ich da eine Absage kriege, weiß ich nicht, wo ich hin soll/kann. (Also, die alte Arbeit wird natürlich erst gekündigt, wenn ich einen neuen Vertrag in der Tasche habe, aber ich sehe mich schon in was reinrutschen, was ich eigentlich gar nicht machen will.)
Ja, ich weiß, es gibt so Seiten, wo man sich als Bewerber präsentieren kann oder Firmen suchen, aber auch davon habe ich kaum einen Plan - würde halt ein Profil erstellen und die Suchmaschine benutzen.

  • Wie handhabt ihr sowas?
  • Wie habt ihr zu eurem Job gefunden?
  • Wie leicht/ schwer fällt euch das Bewerben?
    (Ich habe am meisten Angst vor dem Bewerbungsgespräch, weil ich mich nicht verkaufen kann. Es ist mir zutiefst zuwider, mich hinzustellen und fremden Leuten zu erzählen, was ich alles kann - Das empfinde ich als Angeberei. Außerdem habe ich Angst, dass mein Gegenüber jedes meiner Worte auf die Goldwaage legt und nur darauf hofft, dass ich mich verzettel. Und so wirke ich wie ein kleines unsicheres Mädchen, dass nicht weiß, was es will, selbst wenn ich es weiß und wenn ich sicher bin, dass die ausgeschriebene Stelle zu mir passt.)
  • Musstet/Wolltet ihr euch schonmal anderswo bewerben?
  • Wie erleichtert ihr euch die dahinterstehenden Denkprozesse?
  • Wie sucht ihr nach für euch geeigneten Stellen?
2 Like

Das erledigt sich nach der vierten bis zwanzigsten Absage. Ging mir in meinen ersten Gesprächen auch noch so, irgendwann wendet sich das.

This. Und nix spricht gegen ein gut aufgebautes Xing-Profil. Wenns nix bringt, bringts nix, aber kann verrotten, wenns was bringt, auch nicht schlecht.

Überleg auch, ob du irgendwo Vitamin B hast. Jemand hat etwas gehört/gelesen, Sachen, die noch nicht offiziell sind, sowas.
Und wenn du dich initiativ bewerben willst, überleg dir ob du vorherigen Kontakt willst, dich also schonmal ins Gespräch bringen.

Beides sehr sinnvoll. Zusätzlich: Ich kann zwar nicht sagen, wie es außerhalb meiner “Berufsblase” aussieht und somit, ob es für dich eine Option ist, aber ich habe sehr gute Erfahrungen mit Jobmessen gemacht. Ich hoffe mal, die finden trotz Corona irgendwie digital statt :thinking:. Ich finde zum einen kann man da Firmen entdecken, die zu einem passen, an die man zuvor gar nicht gedacht hätte und gleichzeitig hat man die Chance sich schonmal genauer zu informieren, was einen da im Job erwartet. Macht sich im Bewerbungsgespräch auch gut, wenn man dadurch schon mehr über die Firma weiß.

Mir fällt das total schwer. Was ich noch gemacht habe und was ich als sehr gut empfunden habe: Meine erste Bewerbung ging an eine Stelle wo ich gar nicht unbedingt hin wollte, einfach, um mal ein Bewerbungsgespräch zu üben. Das funktioniert so natürlich nur, wenn du gute Chancen hast, zum Gespräch eingeladen zu werden. Aber wenn du dir da irgendwo gute Chancen für ein Gespräch erhoffst, bewirb dich ruhig für eine Stelle, die du eigentlich gar nicht willst. Mir hat das nämlich etwas mehr Sicherheit in den danach kommenden tatsächlich relevanten Gesprächen gegeben. Besonders praktisch war hier, mal die Reaktion auf meine Gehaltsvorstellungen zu sehen ohne dabei etwas zu riskieren :grin:.

Ich habe meine Bewerbungen schon vor meinem Abschluss geschrieben. Aber auch hier würde ich sagen Jobmessen sind die beste Antwort. Da kannst du nämlich einfach genau diese Frage stellen. Und selbst wenn du deinen Wunscharbeitgeber dort nicht findest, lohnt es sich sicher mal trotzdem rumzuhören, wie die anderen Arbeitgeber mit passenden Positionen das handhaben.

Also, zum Thema bewerben vor dem Zeugnis.
Meine persönliche Erfahrung war es, dass ich bei den Bewerbungen, bei denen das Zeugnis nicht dabei lag (hatte aber eine Notenübersicht mitgeschickt, die ich ausgestellt bekommen hatte und da war ALLES drauf, nur die Ausstellung des Zeugnisses hat sich mega verzögert, weil ne Unterschrift gefehlt hat…), nicht mal zu Gesprächen eingeladen wurde. Bei den Bewerbungen mit Zeugnis ging es hingegen ziemlich flott. Einem Kommilitonen von mir ging es genauso. Das war dann mega ärgerlich, so im Nachhinein.
Das mit den Jobmessen hört sich allerdings gut an. Ob die dieses Jahr stattfinden werden ist aber ne andere Sache.

Danke für die Tipps bisher.
@smilestack das mit dem einfach irgendwo bewerben um ein Gespräch zu üben hatte ich mir auch schon überlegt. Ansonsten dachte ich, ich frag mal beim Arbeitsamt, ob man irgendwo Gespräche gezielt üben kann. (Für irgendwas müssen sie ja hilfreich sein, wenn sie mir damals schon nicht bei der Jobfindung helfen konnten. - Meine Interesse sind zu breit gefächert. Geht niemals in ein Berufsberatungsgespräch, wenn ihr nicht eh schon wisst, was ihr machen wollt.)

Gehaltsvorstellungen, das ist so eine andere Sache.
Ich verdiene momentan Netto ca. 1700€
Alles ab 2500€ netto empfinde ich als viel, aber bin nicht sicher, ob ich da eventuell zu tief stapel für einen Job im mittleren Managment. (natürlich werde ich mir Gehaltstabellen ansehen, nur haben die mir bisher auch nie so wirklich Sicherheit gegeben)

Ich denke, ich schreibe mal unseren Dozenten für Personalführung an. Er meinte, wenn immer wir Fragen haben, sollen wir zu ihm kommen. Eventuell waren da so private Dinge auch mit eingeschlossen.

Zu den Jobmessen:

Wie genau läuft das? Wie auf jeder anderen Messe? Man läuft rum, bis man was interessantes entdeckt hat und quatscht die Leute da dann an?

Zumindest vor Corona ja, da waren die Jobmessen wie andere Messen auch. Die meisten Messen veröffentlichen vorher, welche Firmen vor Ort sein werden, weshalb man sich schon vorher seine Favoriten raussuchen kann und ggf. auch schon ein paar Fragen vorbereiten kann. Bei der letzten Messe, bei der ich vor meinem Abschluss war hatte ich tatsächlich eine ziemlich lange Liste von Favoriten + Fragen vorbereitet und bin deren Stände dann abgegangen. Die meisten Stände haben dann sowohl Personaler als auch “normale” Mitarbeiter dort denen man seine Fragen stellen kann. Die meisten Karriereratgeber empfehlen, man soll auch einen Lebenslauf mitnehmen und direkt überall verteilen. Ich hatte einen in mehrfacher Ausgabe dabei, aber den zu verteilen kam mir dann doch zu blöd vor. Stattdessen habe ich mir nur Visitenkarten der Personaler mitgenommen um die dann bei der folgenden Bewerbung zu erwähnen.

Von zumindest einer Jobmesse (die konkret für dich nicht relevant ist) weiß ich, dass sie auch dieses Jahr “in echt” stattfindet (mit mehr Abständen zwischen den Ständen und Video-Pitches der Unternehmen, damit man nur noch für echte Fragen den Kontakt hat). Von daher besteht die Hoffnung, dass auch andere Messen dieses Jahr in irgendeiner Form stattfinden.

Und die Unsicherheit mit den Gehaltstabellen kenne ich nur zu gut. Am Ende spielt ja nicht nur Position, sondern auch Branche + Wohnort + Berufserfahrung und was weiß ich noch alles mit rein, weshalb die Zahlen vielleicht eine ganz grobe Orientierung geben können, aber am Ende trotzdem gefühlt kaum helfen.

Viel Erfolg bei der Suche auf jeden Fall!

Ich hoffe das hilft :>!

@Lith
Warum es mir zuwider ist, besonders positiv über mich zu erzählen weiß ich nicht wirklich, aber ich vermute, dass es einfach daran liegt dass ich ein ziemlich schüchterner Mensch bin und mega lange brauche, bis ich mich in einer Gruppe/ bei einer anderen Person wohl genug fühle, um mich zu öffnen.
Wahrscheinlich habe ich auch grundsätzlich Angst vor Ablehnung, weil mir diese während der weiterführenden Schule und in dem Dorf in dem wir zu dem Zeitpunkt gelebt haben, ständig entgegengehalten wurde. (So ein Gefühl nirgendwo wirklich hin zu passen.) Eigentlich weiß ich, dass das Quatsch ist, weil Studium und Arbeit bewiesen haben, dass dem nicht so ist, aber trotzdem hat es sich als eine meiner Urängste manifestiert.

Ich kenne das Problem auch aus dem Privaten. Ich hoffe, ich kann das verständlich beschreiben, ohne dass ihr mich für einen schrecklichen Menschen haltet:

Ich gehe mit unseren Kunden sehr professionell um und schaffe es da auch ab und zu Small Talk zu halten. Punkt ist: Bei unseren Kunden ist mir relativ egal, was sie von mir denken. Da habe ich nicht das Gefühl, dass ich mir besondere Mühe geben muss, sie von mir zu überzeugen oder dass sie mich überhaupt mögen.
Sobald ich jedoch weiterreichendes Interesse an Menschen entwickel und das Gefühl habe, ich brauche sie z. B. unbedingt in meinem verschließe ich mich eher und gebe von mir persönlich kaum noch etwas preis, weil in meinem Hinterkopf ständig der Gedanke rumspuckt, ich mache mich lächerlich, sobald ich den Mund auf mache und dass mein gegenüber mein wahres Ich für absolut schrecklich hält.

Außerdem habe ich das Gefühl, dass ich nicht viel vorzuweisen habe:

  • Ich habe Ur- und Frühgeschichte studiert. Sehr spannend und das Studium hat definitiv geholfen, meine persönlichen Kompetenzen zu stärken, aber fernab davon kann ich mir damit nichts kaufen.
  • Die über 20 Jahre Berufserfahrung kann ich mir scheinbar auch sonstwo hinstecken, weil, wie sagte es die Personalerin, bei der ich im Bewerbungsgespräch vor zwei Jahren gegenüber saß: “Oh, wir werden sie nicht einstellen, wir sind nur neugierig, warum sie sich beworben haben. Wir haben genug Auswahl an ausgebildeten Leuten mit Abschlusszeugnissen.” (War der zweite oder dritte Satz im Gespräch.)
  • Gut, ich habe ein paar Zusatzqualifikationen: Sicherheitsfachkraft, Schein für freiverkäufliche Arzneimittel und ich kann mit einer elektrischen Ameise umgehen, aber da wo ich hin will, bringt mir das nicht viel.

Und ich fühle mich alt. Ich glaube der einzige Vorteil mit fast 40 und “Single” ist, dass einen niemand mehr fragen wird, ob man vorhat eine Familie zu gründen.

Das klingt gerade alles mega negativ. Ganz so schlimm negativ sehe ich mich nicht, aber ich dachte, ich schreibe mal die ganzen Punkte auf, die mir die ganzen Selbstzweifel bescheren.

1 Like

Aus dem Wort Dozent schließe ich, dass du an einer FH oder Uni bist, oder?
Falls ja, könntest du mal schauen, ob es bei euch eine fachspezifische Berufsberatung gibt.
Nachdem ich entschieden habe, meine Promotion in Linguistik abzubrechen, weil ich doch nicht den Weg in die Wissenschaft gehen wollte, hat mir die Berufsberatung für Geisteswissenschaftler*innen meiner Uni sehr weitergeholfen, mögliche Berufsfelder und - bezeichnungen einzugrenzen, die mich interessieren. So bin ich auf den Beruf “wissenschaftliche Dokumentarin” gestoßen und absolviere gerade ein Volontariat dazu.
Die allgemeine Berufsberatung der Agentur für Arbeit fand ich dagegen wenig hilfreich.

Sieh die Geisteswissenschaften mal nicht so negativ. XD Obwohl ich mein ganzes Studium darauf ausgerichtet hatte, später in der Wissenschaft zu arbeiten (und nach der Entscheidung, das nicht zu tun, zunächst zugegebenermaßen auch sehr ratlos war), habe ich festgestellt, dass ich im Studium eine ganze Reihe von nützlichen Kompetenzen erworben habe. In meinem Fall war das konkret die Arbeit mit und die Erstellung von Datenbanken, die für die wissenschaftliche Dokumentation ziemlich essentiell ist. Es lohnt sich auf jeden Fall zu überlegen, welche Fähigkeiten du neben Fachwissen noch mitgenommen hast.

Familienplanungsfragen dürfen die in Berwerbungsgesprächen mittlerweile sowieso nicht mehr ansprechen (fällt unter Diskriminierung).
Mit 38 ist man definitiv auch noch nicht zu alt ;) Meine Schwiegermutter hat mit 50 nochmal komplett umgeschult und macht jetzt etwas ganz anderes.

Im Bezug auf Berwerbungsgespräche kann ich nur wiederholen, was hier glaube ich auch schon gesagt wurde:
Es geht nicht nur darum, sich zu “verkaufen”, sondern beide Seite loten aus, ob sie zueinander passen. Wenn man im Verlauf eines Gesprächs den Eindruck hat, dass es doch so gar nicht passt, ist es auch legitim, das zu sagen. Dann spart man nämlich beiden Seiten Zeit und Arbeit. Den seltsamen Menschen, der meinte, dich eingeladen zu haben, obwohl sie dich gar nicht wollten, würde ich einfach vergessen. Das war ja nicht nur von deiner sondern auch von deren Seite totale Zeitverschwendung. Oo

Unsere Lehrpersonen heißen auch Dozenten, und es ist weder FH noch Uni ;D (Bundesbehörde)

1 Like

Bisher kannte ich den Begriff nur im Hochschulkontext. Gut zu wissen! Danke :)

@koko ich mache gerade an der IHK meinen Fachwirt. Sind weniger Dozenten im klassischen Sinne, als eher “Trainer” im Rahmen der Erwachsenenbildung.
Und ja, ich weiß, das Fragen zur Familienplanung bis auf ganz spezifische Ausnahmen verboten sind. Das ist ja die Krux und das ganz seltsame an der Sache. Ich lerne den ganzen Kram ja gerade von der Seite der Personaler und Chefs aus. Hilft meinem eigenen Selbstbild nur nicht.
Aber davon jetzt genug. Da muss ich halt dran arbeiten.

Und zum Studium: Ich würde immer wieder was geisteswissenschaftliches studieren. Das war die beste Zeit überhaupt.
Ich wollte eigentlich in einem Museum arbeiten und Ausstellungen planen und so, weil ich das hoch spannend finde und das auch gar nicht so weit weg ist, von Dingen, die man in der freien Wirtschaft machen und beachten muss.
Leider war meine Abschlussnote nicht gut genug um einen Doktor dran hängen zu können (und ich habe gemerkt, das ich einfach nicht dauerhaft in der Bib sitzen und an Aufsätzen schreiben kann.) und ohne Doktor kann man’s in der Archäologie/UFG usw. eigentlich vergessen.

Mein Plan für die nahe Zukunft ist nun halt, den Dozenten anschreiben und im November ist eine Jobmesse bei uns, wo ich mich mal umsehen kann.