Sicherlich ist keine der beiden Ansichten falsch. Ich denke auch, dass ohne Interesse kaum ernsthafte Fähigkeiten entwickelt werden können. Ein geübter Zeichner kann allerdings in ein paar Sekunden ein Bild hinkrakeln, vor dem die meisten Leute auf die Knie gehen, während ein ungeübter Stunden braucht, um womöglich kläglich zu scheitern. Ganz offensichtlich besteht also ein gewaltiger Unterschied zwischen Können und Wollen.
Ich würde es etwas mühselig finden, bei jeder Diskussion erst einmal die Leute recherchieren zu müssen, um meine Aussagen über das “Gut/Schlecht” individuell auf Zeitinvestitionen und persönliche Einschränkungen zuzuschneiden. Im Internet sind die meisten sowieso mehr oder minder anonym. Insofern ist man dazu gezwungen, bis zu einem gewissen Grad zu verallgemeinern und Grundwissen vorauszusetzen.
Das geht am besten, wenn alle das gleiche Verständnis von “richtig/falsch” haben. Oder von Ansprüchen.
Bei der Frage, wie ordentliche Kakao-Karten auszusehen haben, sind wir uns ja auch weitgehend einig: sauber geschnitten, richtige Größe, nicht zu dick und transportabel.
In der Regel versuche ich bestmöglich meine Meinung zu begründen. Im Falle von Kritiken mache ich oft auch Redlines, aber wie geschrieben, verstehen einige es trotzdem nicht oder tun es als “eigener Stil” ab.
Bei letzterem gebe ich sofort, wie auch du es schreibst, die Hoffnung auf, bei ersterem hingegen glaube ich manchmal, ich hätte mich nicht klar genug ausgedrückt und versuche es erneut.
Zum Beispiel hatte jemand vor einigen Tagen eine Ein-Fluchtpunkt-Perspektive gezeichnet und die Seitenwand eines Objektes vergessen. Der schriftliche Hinweis darauf wirkte ebenso wenig wie die Redlines. Der Zeichner tat beides als “Ich habe alle Wände eingezeichnet” ab. Ist das auch unter “eigener Stil” zu verbuchen?
(Jedenfalls habe ich dazu nichts mehr geschrieben. Am Ende gab es dann ein kubistisches Bild.)
In anderen Foren, wo das allgemeine zeichnerische Niveau höher ist, hätte der schriftliche Hinweis bei Weitem gereicht. Wie Sinh schon schrieb, ist das Verständnis von Forum zu Forum unter Umständen ganz unterschiedlich.
Leider sind Regeln meistens nicht schriftlich festgehalten, sondern stehen stillschweigend über allem. Ist man in der “geschlossenen Gesellschaft” nicht allzu aktiv, tritt man oft in Fettnäpfchen.
“Eine Blase aufzustechen” ist als Einzelperson nicht ganz leicht. Andererseits lese ich in den Diskussionsrunden hier so oft Meinungen, mit denen ich übereinstimme. Da frage ich mich, warum sieht die Diskussions"realität" in der Praxis hier im Forum so anders aus?
Ist es da wirklich kontraproduktiv, einige Punkte festzuhalten wie zum Beispiel die Forderung, dass man sich möglichst eindeutig ausdrücken sollte?
