Liebe Leser_innen,
sicherlich ist euch schon häufig das Attribut “_innen” in gewissen Texten aufgefallen. Wir bemühen uns als gute deutsche Bürger (keine Ahnung, ob es in anderen Ländern auch so extrem ist wie hier), die nirgendwo anecken wollen, unsere Sprache weitgehend abzufeilen, um bloß niemanden zu diskriminieren.
Erst heute las ich, wie sich jemand über das Wort “Migrant_innen” ausließ, welches ja ach so separatistisch sei, weil man damit ja auch Schwarze Deutsche oder People of Color bezeichnen würde. Ist Schwarzer Deutscher etwa nicht separatistisch? Bezeichnet “People of Color” nicht eine Gruppe? Ist “Deutsch” nicht schon ausschließend?
Oft frage ich mich, ob man überhaupt noch etwas sagen darf, weil so ziemlich alles, was man sagt, irgendjemand anderen ausschließt aus der gemeinten Gruppe. Ist es überhaupt möglich, nicht “ausschließend” zu sprechen? (Meine Freunde, meine Familie… all das schließt den Rest der Mitmenschen aus. Nicht einmal “wir” meint jeden Menschen auf der Erde.)
Teilweise haben wir uns schon beholfen, indem wir seit geraumer Zeit hinter jede menschliche Bezeichnung “_innen” packen, auch wenn nicht unbedingt eine Frau mit dabei ist. Grammatikalisch gesehen impliziert die maskuline Form in der Regel auch die weiblichen Anhänger. Wenn ich von der Polizei spreche, dann ist das auch kein Haufen Frauen. Trotzdem gibt es hierfür keine grammatikalisch angepasste Bezeichnung. Die Kirche (stellvertretend für einen Haufen Kirchevertreter) ist auch feminin.
Was tun?
Ich wüsste ja zu gern, was Maskulinisten (ja, die gibt’s) zu dem Thema sagen. Fordern sie auch maskuline Grammatikanpassungen für feminine grammatikalische Geschlechter?
Zu dem Thema gibt es viele Satiren. Vielleicht kennt der ein oder andere jene, die mal vor zehn Jahren in den Schulen die Runde machte: Aufgabenstellungen im Wandel der Zeit.
Ich wüsste gerne, wie ihr dazu steht. Schließt ihr euch den “_innen”-Anhängern an? Lehnt ihr das teilweise oder generell ab? Wie weit soll oder darf der Einfluss von Politik in die Sprache übergreifen? Und meint ihr, es findet ein Umdenken in den Köpfen der Sprecher statt? Falls ja: Tendentiell im positiven oder im negativen Sinne?
Bin gespannt auf eure Meinung.
