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Politisch korrekte Sprache?

Liebe Leser_innen,

sicherlich ist euch schon häufig das Attribut “_innen” in gewissen Texten aufgefallen. Wir bemühen uns als gute deutsche Bürger (keine Ahnung, ob es in anderen Ländern auch so extrem ist wie hier), die nirgendwo anecken wollen, unsere Sprache weitgehend abzufeilen, um bloß niemanden zu diskriminieren.

Erst heute las ich, wie sich jemand über das Wort “Migrant_innen” ausließ, welches ja ach so separatistisch sei, weil man damit ja auch Schwarze Deutsche oder People of Color bezeichnen würde. Ist Schwarzer Deutscher etwa nicht separatistisch? Bezeichnet “People of Color” nicht eine Gruppe? Ist “Deutsch” nicht schon ausschließend?
Oft frage ich mich, ob man überhaupt noch etwas sagen darf, weil so ziemlich alles, was man sagt, irgendjemand anderen ausschließt aus der gemeinten Gruppe. Ist es überhaupt möglich, nicht “ausschließend” zu sprechen? (Meine Freunde, meine Familie… all das schließt den Rest der Mitmenschen aus. Nicht einmal “wir” meint jeden Menschen auf der Erde.)

Teilweise haben wir uns schon beholfen, indem wir seit geraumer Zeit hinter jede menschliche Bezeichnung “_innen” packen, auch wenn nicht unbedingt eine Frau mit dabei ist. Grammatikalisch gesehen impliziert die maskuline Form in der Regel auch die weiblichen Anhänger. Wenn ich von der Polizei spreche, dann ist das auch kein Haufen Frauen. Trotzdem gibt es hierfür keine grammatikalisch angepasste Bezeichnung. Die Kirche (stellvertretend für einen Haufen Kirchevertreter) ist auch feminin.
Was tun?
Ich wüsste ja zu gern, was Maskulinisten (ja, die gibt’s) zu dem Thema sagen. Fordern sie auch maskuline Grammatikanpassungen für feminine grammatikalische Geschlechter?

Zu dem Thema gibt es viele Satiren. Vielleicht kennt der ein oder andere jene, die mal vor zehn Jahren in den Schulen die Runde machte: Aufgabenstellungen im Wandel der Zeit.

Ich wüsste gerne, wie ihr dazu steht. Schließt ihr euch den “_innen”-Anhängern an? Lehnt ihr das teilweise oder generell ab? Wie weit soll oder darf der Einfluss von Politik in die Sprache übergreifen? Und meint ihr, es findet ein Umdenken in den Köpfen der Sprecher statt? Falls ja: Tendentiell im positiven oder im negativen Sinne?

Bin gespannt auf eure Meinung.

Kompliziertes Thema:-)

Ich denke wir übertreiben es im Deutschen gewaltig damit das wir es allen recht machen wollen.
Meiner Meinung nach ist das auf umsere Nazi-vergangenheit zurück zu führen weil
jetzt keiner mehr auch nur den Anschein erwecken möchte rassistisch zu sein.

Ja es gibt immer gruppenbezeichnungen. “people of color” ist definitiv eine.
Aber das mit Migranten sehe ich jetzt nicht so ganz. Das ist ein politischer Begriff der
alle Menschen bezeichnet die eingewandert sind. Dazu würden auch Dänen oder Holländer zählen.
Menschen die das rassistisch nennen haben das Wort Migranten oder Rassismus nicht verstanden.

Außerdem finde ich das Gerede über Rassen eh etwas blöd.
Evolutionsbedingt ist sie Gattung Mensch in Rassen(biologischer Fachbegriff) geteilt.
Das ist aber einfach ein Fakt umd hat nichts mit der Idee des besseren zu tun.

Tendenziell bin ich eher Feministisch finde aber das die wirklich wichtigen Dinge wie
der Abtreibungsparagraph oder das Arbeitsrecht für Frauen schon durchgesetzt sind und
die Bewegung schon lange ihr Ziel erreicht hat.
Die Frauenquote finde ich mist, wenn eine Frau in eine Führungsposition möchte
dann schafft sie das auch , denn sie.muss dann wissen wie sie.mit.den Männern umgehen muss.
Klar gibt es Betriebe die keine Frauen einstellen wollen. Aber da würde mir die
arme Frau auch leid tun die da Zwangsweise rein muss.
Da ist die Politik meiner Meinung nach zu weit gegangen.

:-)soviel dazu
Ich möchte mal abgesehen davon, das sich die Politiker mal ums Bildungswesen kümmern
als darum das Beamtendeutsch zu hyroglyphen zu verwandeln.

Die geschlechtliche Anpassung in der deutschen Umgangssprache ist gleich nach der Phrase ‘das macht Sinn’ an oberster Stelle der Formulierungen, für die ich Menschen ins Gesicht springe. Wenn ich von mir als Studentin spreche, ist das in Ordnung, mache ich aber normalerweise nicht. Ich bin Student. Das ist Genderneutral. Allerdings bin ich tatsächlich Germanistin und Informatikerin, weil das nicht selbstverständlich ist. Sobald aber mindestens ein männlicher Vertreter in einer Gruppe ist, es sich also um eine gemischte Gruppe handelt, wird die neutrale Form benutzt, die eben meistens mit der maskulinen übereinstimmt. Das ist in ALLEN Sprachen, die ich spreche so, und das sind jetzt nicht wenige.

Am meisten hat sich mir das Kraut ausgeschüttet als ich unsere süße Frau Merkel von … Achtung: “Wahlberechtigte und Wahlberechtigtinnen” habe sprechen hören. Da rollen sich mir die Fußnägel hoch.

Als nächstes dann noch die Salzstreuerin und der Hebammerich, oder was? -.-§

Ich finde das die Deutschen es total damit übertreiben.
Aber das liegt an dem Grund, den Yrael schon gerade genannt hat. Die bösen Deutschen sind allesamt Rassisten -.- nicht.

Wenn man wirklich niemanden ausschließen will, muss man immer “Die Menschen, Wir Menschen, Du Mensch… usw.” sagen. .-.

Die Feministinnen haben vor Jahren ihren Job getan, indem sie die Rechte der Frauen verbessert haben, aber damit ist dann doch auch gut mMn.

Ich würde noch mehr schreiben, aber ich schreibe mit dem Handy und mein Standpunkt ist eigentlich klar :).

Ich hatte während meines Studiums ein Seminar über Gender Mainstream. Als die Referentin damit kam, dass “der Rednerpult” ja auch so sexistisch sei und man lieber nur Pult oder irgendwas anderes sagen sollte (was weiß ich nimmer), war es mir zu viel und ich hab mich über den Rest des Seminars mit… Kakao-Karten malen beschäftigt.
Klar, eine Formulierung zu treffen, um beide Geschlechter anzutreffen, ist schwer, aber meines Erachtens nach im Großteil der Fälle völlig unnötig. Man darf ja anscheinend auch nicht mehr “Studenten und Studentinnen” sagen, es ist jetzt “Studierende”, wenn man meiner ehemaligen Hochschule Glauben schenken mag. Ich hab mich aber nie diskriminiert gefühlt, wenn man mich als “Student” bezeichnet hat. Es ist eine allgemeine Bezeichnung und damit Basta.

Am Schlimmsten find ich aber neuere Gesetzesentwürfe/berarbeitungen. (Ich komm ja aus der Verwaltung…) Da haben sich die Menschen so steif drum bemüht, den kompletten Gesetzestext an Gender Main anzupassen, dass der Text an sich dermaßen unleserlich wurde, und die Fehler, die drin waren (Falsche Verweise auf andere Paragraphen zB.), sind erst nicht korrigiert worden, sondern noch eher mehr geworden…

Was ich aber nicht begreife, ist, wie “Migranten” diskriminierend sein soll, nur weil stärker pigmentierte Menschen ganz zufällig(!) ja auch Migrationshintergrund haben…

Also ich muss kampfmieze zustimmen. In den Spachen, die ich spreche findet sich auch der Phänomen, wenn ein männlicher Gegenstand / mänchliche Person sich neben einer weiblichen befinden, dann wird die ‘neutrale Form’, die zu 90% wie die männliche Form ist, benutzt. Und das ist total in Ordnung. Natürlich geht diese Sprechweise auf die historischen Hintergründe, so wie auch alles Andere.

Ich persönlich merk das oft, wie die Benutzer der deutschen Sprache das _innen öfters anhängen, aber ich selber zerbrech mit nicht den Kopf und nutze in meisten Fällen bei gemischten Gruppen die neutrale Form, es sei den ich möchte die weiblichen Personen der gemischten Gruppe hervorheben oder nur diese ansprechen.

Wir haben gewiss mehr und größere Probleme als unsere Sprache. Daher finde ich es meist übertrieben oder gar überflüssig sich um Endungen oder die exakt korrekte Sprechweise zu streiten. Meist benutze ich beim Sprechen auch das Neutrum, da ich es albern finde an alles eine feminine Endung zu setzen. Ich meine, Trennen wir nicht bewusst, indem wir Worten unterschiedliche, geschlechtsbezogene Endungen einsetzen. Eine sprachliche Gleichberechtigung wäre im dem Fall doch eher, wenn wir alles verallgemeinern, was gleichseitig eine Verarmung der Sprache.
Wenn ich von Menschen spreche, ist mir die Herkunft zumeist egal, dann spreche ich von Menschen oder leuten, bzw. Gruppen wie Kunden, Studenten, Jugendlichen…
Menschen anderer Nationalitäten benenne ich wenn nötig nach ihrem Herkunftsland, demnach sind Deutsche einfach deutsch im politischen Sinn nach ihrer Staatsbürgerschaft.
Meist muss ich Menschen aber nicht weiter voneinander abgrenzen, da ich kaum Unterschiede zwischen ihnen mache.
Des weiteren finde ich es nicht schlimm, wenn man von Dunkelhäutigen, Migranten, u. ä. spricht, so lange man die Ausdrücke nicht abfällig gebraucht.
Ich meine, ich bin mit “Möhrenköpfen” aufgewachsen, ohne mir was dabei zu denken. Ob das nun politisch korrekt war oder nicht (warum man es ja nicht mehr benutzt), darum habe ich mir nie Gedanken gemacht, bis es aus unserem Sprachgebrauch verschwunden ist.
Ansonsten würde ich es mit “Avenue Q” halten, die in einem Song postulieren:
“Everyone’s a little bit racist”
Damit ist halt nicht gemeint, dass jeder ein Mensch voller Hass gegen andere ist, sondern dass jedem Mal was passiert, was andere als antößig, gar rassistisch ansehen könnten. (Und wenn es ein falsch gebrauchter Begriff oder ein unangebrachter Witz ist, womit wir wieder bei Sprache wären.) Und dass man vieles nicht ganz so ernst nehmen sollte, da wir uns alle nicht davon freisprechen können und ein auskommen miteinander viel einfacher wäre, wenn man ab und zu mal über ein paar Dinge hinweg sehen würde.
Ich poste es mal, obwohl es wahrscheinlich etwas am Theam vorbei geht, aber ich denke, sie machen den Punkt, den ich meine sehr schön klar:

http://www.youtube.com/watch?v=aHKIMOgoJoU&feature=related#

Ich war letztes Semester versucht, einen Theoriekurs über “Genderfragen” zu belegen, ließ es dann aber sein, nachdem ich deren Flyer gesehen habe. Sonst wär’s wohl auch aufs Vorsichhinkrakeln hinausgelaufen. In meiner Uni schreiben viele Profs glücklicherweise “Liebe Studierende”. Das mag ich lieber als das politisch korrekte Student_innen und “Liebe Studentinnen und Studenten” ist mir zu lang. In meinen E-Mails schreibe ich übrigens immer “Liebe Mitstudenten”… Bisher hat sich noch niemand beschwert, obwohl auch Mitstudentinnen gemeint waren.

In unserer Sprache wird “feminin” gefördert, aber im Grunde reiten wir nur auf veralteten Benimmregeln herum: “Die Dame zuerst.” Alsob wir uns nicht schon längst selbst die Türen öffnen könnten…

Wenn ich von mir selbst spreche, sage ich nur manchmal die weibliche Form. Allerdings habe ich dafür keine echte Regel. Ich bin Illustrator und Mensch (keine Menschin)… Nur wenn ich tatsächlich den weiblichen Anteil hervorheben will, nenne ich die weibliche Form. So ist ja unsere Sprache ausgelegt, warum sollte man davon keinen Gebrauch machen?

Ist euch eigentlich schonmal aufgefallen, dass nur an positive und nicht-feminine Wörter _innen angehängt wird? Ich habe noch nie von Rassist_innen, Nationalsozialist_innen (außer im satirischen Zusammenhang) gelesen…

Und hat von euch schonmal jemand ein empfehlenswertes Buch zu dem Thema gelesen?

Kurzer Gedächtnisquote aus dem Vorstellungs- und Informationsblatt meiner neuen Schule/Ausbildung:
‘Wenn wir von ‘Erzieherinnen’ und ‘Studentinnen’ sprechen, meinen wir natürlich auch die hoch geschätzten Herren in unseren Runden. Um euch das Lesen dieser Seiten zu vereinfachen, haben wir uns dazu entschieden, lediglich die weibliche Anredeform zu verwenden, da die Zahl der männlichen Studenten in den bisherigen Jahren immer sehr überschaubar war. Ihr seid einfach etwas ganz besonderes!’

So einfach kanns sein :D

Meine Meinung: Man kann sich IMMER über etwas aufregen, besonders bei/in unserer Sprache. Du wirst als Rassist beschimpft, wenn du einen offensichtlich nicht-deutschen (da haben wirs schon wieder…)Mitbürger(Mitbürgerin!) bittest, nicht in aramäisch herumzunuscheln (wohlgemerkt in Unterrichtsrelevanten Diskussionen-im Unterricht!) sondern in deiner Gegenwart deutsch zu sprechen, da wir uns in Deutschland befinden und jeder verstehen sollte, was sie zu sagen haben.
Man wird als Rassist beschimpft, wenn man einen türkischen Mitbürger, welcher sich selbst als türkischstämmig vorstellt, als ebensolches bezeichnet- einen Türken. Nicht ‘den Türken da’, ‘den stinkenden Türken’, einfach nur dieser Türke. Es lebe die Besonderheit der bestimmten und unbestimmten Artikel. seufz
Wenn dann wieder die Phrase ‘…die Deutschen wieder’ fällt…na, woran denken wir?
Höhö, ein Schelm, wer böses denkt.

Wir hatten darüber auch schon die ein oder andere hitzige Diskussion in unsrem Soziologiekurs geführt und uns am Ende einfach drauf geeinigt, dass diese Sprachbausteine nur deshalb solche gesellschaftlichen Probleme bedeuten, weil wir sie dazu machen.
Vll gibts das Thema in Philo nächstes Jahr nochmal, solang denke ich nicht allzu ausführlich drüber nach. Weils einfach keine rocket science sein sollte.

Es gibt viel amüsantere Punkte als das lachhafte Innen, das angehängt wird. Zum Beispiel die Diskussion um Herr und Frau Nachname. Warum wird der Herr mit Herr tituliert, und damit einer hochgestellten Position zugeordnet, während die Frau nur eine Geschlechtszuweisung hat? Warum nicht Herr und Herrin? Ich kann es auch sagen: Herr und Frau gehören zusammen wie Mann und Weib. Herr wird von hêr abgeleitet, was den Lehnsherr bezeichnet, Mann gehört zu man, was den biologischen Mann bezeichnet. Frau war früher mal frouwe, was eine Edeldame bezeichnet, während Weib von wîp abgeleitet wird, was eine Ständeneutrale Bezeichnung ist. Was allerdings tatsächlich Berechtigt ist, ist die Abschaffung des Fräuleins. Das ist eine Verniedlichung. Eine unberührte Edeldame war eine jungfrouwe, während eine ständeneutrale Bezeichnung magedîn ist. Für den männlichen Part gibt es keine Unterscheidung.

Über herrlich und dämlich führt sich komischerweise niemand auf. Obwohl ganz klar herrlich von Herr kommt und dämlich von Dame. Früher waren die Bedeutungen auch ganz eindeutig. Eine Dame hatte sich dämlich zu benehmen, also tugendhaft, gesittet, still und so weiter während ein Herr herrlich zu sein hatte, also tapfer, beschützend und so weiter.

Absolut nicht in Ordnung ist auch das literarische Genre ‘Frauenliteratur’. Damit bezeichnet sich nämlich Literatur, die von Frauen verfasst wurde, alle anderen Genres entscheiden sich aber durch den Inhalt des Werkes. Das ist absolut diskriminierend.

Übrigens finde ich es absolut in Ordnung, wenn ein Mann mir die Türe aufhält und aufsteht, wenn ich den Tisch verlasse oder komme. Dass er vor mir die Treppe herunter und hinter mir hinauf geht ist für mich auch selbstverständlich. Es sind wunderschöne Sitten, die ich versuche zu erhalten. Leider gehen sie durch die Emanzipation des Mannes immer mehr verloren. Aber das hat weniger mit der Sprache zu tun.

Warum nicht Herr und Herrin?
Es ist mein voller ernst wenn ich sage: Da gäbe es andere sprachliche Hindernisse, welche die Sittenwächter aus ihren Löchern hupt.

…ich würde ‘Dame’ vorschlagen.

O.o … Dame gehört zu Sire, und ist in Deutschland veraltet.
Ich habe doch gerade erklärt, dass Frau der absolut korrekte Ausdruck ist, oder? Herrin ist nur wie Studentin rund Sesselin eine fälschlicherweise angepasste Worthülse.

Absolut nicht in Ordnung ist auch das literarische Genre 'Frauenliteratur'. Damit bezeichnet sich nämlich Literatur, die von Frauen verfasst wurde, alle anderen Genres entscheiden sich aber durch den Inhalt des Werkes.

Stimmt das wirklich? Frauenliteratur war für ich bisher immer ein Überbegriff für diese schlechten, für Frauen gedachten Schmonzetten und Romance-Dinger. (z.B. die man für’n Euro im Supermarkt kriegt), bzw. für alles, wo der Plot aus: Frau bricht aus ihrem Leben aus - trifft Kerl, in den sie sich unsterblich verliebt - Ihre Interessen und der Kerl stehen gegeneinander - macht nichts - Heirat; besteht. (Ach ja, habe ich den Sex schon erwähnt?)

Ich meine Harry Potter steht doch bei Fantasy und Aghata Christies Werke bei den Krimis. Da sagt doch niemand Frauenroman.

Aber generell: Machen wir uns nicht immer zu viele Problem selbst?

Also ich habe jetzt kein Problem mit der Richtung, in die sich die deutsche Sprache entwickelt hat. Mit der Zeit sind manche Ausdrucke einfach ganz normal geworden und da hat auch niemand einen bösen Hintergedanken, wenn man diese benützt. Anders als im Englischen haben wir eben verschiedene Geschlechter (jetzt mal auf “die Kirche” etc im Anfangspost bezogen), aber das ist in vielen anderen Sprachen auch so.

Meiner Meinung nach kommt es da auf die Absicht und nicht auf die Sprache im Allgemeinen an. Wir leben schließlich in einer Gesellschaft in der Gleichberechtigung herrscht, mal von einigen kleinen Bereichen abgesehen. In anderen Ländern ist das viel schlimmer als in Deutschland und ich verstehe auch nicht, warum alle immer behaupten, dass wir Deutschen (ich gehe jetzt mal von mir aus) immer so rassistisch sind. Klar, ich fange auch an mich über Ausländer aufzuregen, wenn diese sich einfach daneben benehmen und einen dumm von der Seite anmachen (passiert mich öfters mal und eingentlich sind das nie Deutsche). Aber das hängt dann mit der Person und nicht mit der Herkunft zusammen und ich habe auch bewusst das Wort Ausländer benützt, da ich damit keine bösen Absichten habe und es auch ein normales Wort ist. Jeder schiebt irgendjemanden mal in eine Schublade, da geht es uns nicht anders. Zumindest höre ich ziemlich oft, wie sich Nicht-Deutsche (den Begriff finde ich auch nicht besser) über uns “scheiß Deutsche” aufregen.

Eine Freundin von mir ist Kroatin und etwas eigen, weshalb sie viele nicht so mögen. Sie selbst schiebt schlechte Behandlung darauf, “dass sie ja Ausländerin ist”. Dabei stimmt das nicht, denn sie spricht perfekt Deutsch und im Alltag merkt man von ihrer Herkunft rein gar nichts. Dies tun viele und dadurch bekommt das Wort “Ausländer” eine negative Bedeutung.

Ich denke, dass sich viele über die Sprache aufregen, obwohl es keinen Grund dafür gibt. Man kann Wörter beschönigen so viel man will, z.B. Menschen mit Migrationshintergrund, und es fühlen sich dennoch Personen angegriffen. Die Sprache ist nun mal wie sie ist und daran kann man auch nichts ändern. Das ist jedenfalls meine Meinung.

Nein, Sprache wird gemacht. Das war schon immer so. Das muss jetzt nicht einmal von der Politik initiiert sein, sondern ist ein ganz natürliches Phänomen. Jugendsprache, Bildungssprache, “Gossensprache”, … selbst Denglisch, behaupte ich mal unter Vorbehalt. Wenn irgendein cooler Typ in der Clique ein neues Wort einführt, dann wird das durchaus von der Gruppe übernommen. Sprache bedeutet Identifikation.

Etwas ganz anderes ist es, wenn Ideologie in unsere Sprache auf nicht-natürlichem Weg eingebracht wird. “Heil Soundso” war vor dem Nazireich nicht die allgemeine Begrüßungsform in deutschen Landen. Alle Deutschen und Eroberten waren ganz plötzlich dazu gezwungen, “Heil Hitler” zu sagen, anstatt “Gott zum Gruße” oder was auch immer. Sprache wurde instrumentalisiert, um eine Identität aufzuzwingen. Die Identität des folgsamen Deutschen. Insofern ist Sprache (und damit auch der Wahrnehmungshorizont) sehr wohl veränderbar.

Auf unser “Problem” bezogen: Während es also früher ein Wort (mit maskulinem Artikel) gab, welches sowohl Männlein als gemischte Gruppen meinte, gibt es heute zwei Wörter. Zum einen differenzieren wir, erweitern unseren Wahrnehmungshorizont, auf der anderen Seite brechen wir auseinander. Während wir früher eine Gruppe waren, sind wir heute nur noch Fraktion Mann und Fraktion Frau. Selbsternannte ErSies gottseidank noch nicht extra erwähnt… Trotzdem schon reichlich kompliziert, wo an anderer Ecke derselben Befreiungsfront darüber geheult wird, dass es ja noch etwas zwischen männlich und weiblich gebe. (Alsob der Begriff Mann oder der Begriff Frau einen ganz bestimmten Typus beschreibt…)

Gleichberechtigung hat sich übrigens noch nie in Worten ausgedrückt, sondern stets in Taten bzw. Nicht-Konsequenzen. Nur weil meine Existenz jemand mit _innen würdigt, bedeutet das nicht, dass ich plötzlich irgendwo gleichberechtigt bin. Sprachliche Gleichberechtigung ist für mich, wenn ich “wie ein Mann” (Mannsweib) reden darf und wenn ein Mann sich mit dem selben Recht “weiblich” (jaja, das Schwulenklischee) ausdrücken darf, ohne dafür belangt zu werden. Oder wenn ich vor dem Gericht sowohl in gebrochenem Deutsch als auch in akademischem Hochdeutsch ohne Benachteiligung aussagen kann…

Ich habe denselben Eindruck wie Calyses: Dieses Problem scheinen wir uns selbst zu machen. Vielleicht brauchen wir Menschen Aufgaben, insbesondere dann, wenn es Probleme zu lösen gibt, denen wir nicht gewachsen sind. Dann suchen oder machen wir uns einfach andere, um wenigstens sagen zu können: “Ich bin beschäftigt.”

Ich möchte mich auf das gleiche Zitat beziehen wie Kageko:

“bloed” hatte ursprünglich die Bedeutung “schüchtern”
“geil” stand ursprünglich für besonders ausgelassene und gute Laune
“toll” war ein Ausdruck für “verrückt”
“hohgezît” bezeichnete ein Fest

Natürlich verändern wir die Sprache. Jeden Tag. Originaltexte von Goethe oder die Handschriften von den Gebrüdern Grimm, damit könnte man heute kaum etwas anfangen. Die sind aber noch gar nicht so lange her. Oder wie Kageko schon sagte Anglizismen. “Das macht Sinn”, wenn ich diese Phrase höre rollen sich mir die Fußnägel auf. Im deutschen kann Sinn nicht gemacht werden, er ist da oder nicht. Etwas HAT also Sinn oder etwas ist sinnvoll. “Das macht Sinn” kommt aus dem englischen und ist so falsch wie sonst noch was. Ich beziehe in meine Überlegungen grundsätzlich Regiolekte und Dialekte mit ein, aber es gibt keine deutschsprachige Gegend, in der das richtig wäre. Vor allem auch durch das Internet wird so viel Bullshit in unsere wirklich sehr schöne und elegante Sprache eingeführt.

Was den Rassismus angeht so habe ich als Ausländerin die Beobachtung gemacht, dass die Ausländer selbst meistens die rassistischsten sind. Schwarze denken immer, wenn sie benachteiligt werden, es liegt an ihrer Hautfarbe. Ich wurde nur einmal explizit als Ausländerin hervorgehoben und das war in der Zeitung, als Bezug darauf genommen wurde, dass ich Germanistik studiere. Da habe ich allerdings etwas allergisch darauf reagiert, als mein “Migrationshintergrund” eingeworfen wurde. Ich bin immerhin hier geboren und aufgewachsen. In meinem Studiengang sind auch Türken und alles mögliche, sogar eine kleine Chinesin, die gerade drei Monate lang deutsch gelernt hatte, bevor sie angefangen hat zu studieren. Das Problem, das ausdrücklich die Deutschen mit Rassismus haben ist eindeutig die Nazi-Vergangenheit, de lässt sich halt blöderweise nicht so leicht leugnen. Wir müssen warten, bis ein anderes zivilisiertes Land ordentlich Scheiße baut, bis wir den Schwarzen Peter weitergeben könne.

Thread ausgraben geht
Nachdem hier schon so viele geschrieben habe, wie wenig sie von Gendering, gendergerechter Sprache und Ähnlichem halten, würde ich das Thema einmal gerne aus einem anderen Blickwinkel beleuchten.

Zuerst sollte ich einmal sagen, dass ich diesem Thema auch lange Zeit eher kritisch gegenüber gestanden bin und eher die Meinung vertreten habe, jedem das seine, wer es verwenden will, soll halt. Meine Meinung zu dem Thema hat sich geändert, als ich von einer meiner Lehrenden auf der Uni ein, meiner Meinung nach, sehr gutes Argument für die Verwendung dieser sprachlichen Formen gehört habe. (Dazu sollte man vielleicht erwähnen, dass ich Kommunikation studieren, dieses Thema mir also im Zuge meines Studiums schon oft aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln begegnet ist).

Ihr Argument war, dass nicht nur wir die Sprache formen, wie bereits hier erwähnt wurde, sondern dass die Sprache auch Einfluss auf unser Denken hat. Grob gesagt: wenn man die maskuline Form verwendet (selbst, wenn man dazu sagt, dass Frauen selbstverständlich auch gemeint sind) ist das Bild, das tendenziell im Kopf entsteht das einer männlichen Person. Anders ausgedrückt: wie viele haben, wenn sie ehrlich sind, bei dem Wort ‘Wissenschaftler’ eine Frau im Kopf? Ich muss ehrlich zugeben, dass auch ich dabei zuerst an einen Mann denke - und zwar ganz automatisch.

Und aus dieser Perspektive verstehe ich dann auch, dass man die sprachliche Inklusion von Frauen (und anderen Gruppen, aber Frauen eignet sich gerade gut als Beispiel) verlangt. Denn wenn ich von dem Argument ausgehe, dass unsere Sprache unser Denken formt, dann ist auch verständlich, warum ich bei Gleichberechtigung bei der Sprache ansetze - nämlich weil ich versuchen will, durch die selbstverständliche Verwendung des Konzeptes in der Sprache das Konzept an sich selbstverständlich zu machen.

Ich hoffe, das war jetzt annähernd verständlich x’D

@ Ariana Da stimme ich dir zu. Man verändert die Sprache ja nicht, nur damit die Sprache fair ist. Eine faire Sprache bringt in einem Land lauter Gegner des Feminismus ja auch nichts, und ist ja auch gar nicht wirklich das, was erwünscht ist. das wäre schon etwas naiv gedacht xD

Dann wollte ich auch noch sagen, dass es dazu eine meiner Meinung nach sehr unterhaltsame hart aber fair Sendung gibt. Was die da teilweise für Müll reden, herrlich xD Allein schon der Eingangsspruch von Sophia Thomalla 8nur vom Sinn her): Jede Frau die sich benachteiligt fühlt und für Gleichberechtigung kämpft, hat einfach noch nie ein Kompliment bekommen xD

Ich muss bei der Diskussion gerade an diesen Ausschnitt aus Community denken: https://m.youtube.com/watch?v=xr-F40mnul8

Ich schließe mich dem Konsens an, dass wir eigentlich wichtigere Probleme haben als das. Zwar habe auch ich vorrangig Herren im Kopf, auch wenn ich das neutrum höre, andererseits wäre meine Abschlussarbeit jetzt zweimal so lang, wenn ich jedes mal sage, dass Teilnehmer und Teilnehmerinnen meine Umfrage dazu gemacht haben. Ich finde es nicht schlimm, wenn ich bei einem Wissenschaftler einen Mann im Kopf habe. Ich glaube das hat auch etwas mit dem zu tun, was wir in Schule und Co gelernt haben. Bis ins späte 20. Jahrhundert waren Frauen nicht mal wahlberechtigt, das kommt alles eben so langsam. Unter den großen Wissenschaftlern der Vergangenheit fällt mir auf Anhieb nur eine Frau ein und das ist Marie Curie. Der Rest sind eben alles Männer, die sind historisch eben wesentlich präsenter und eine Assoziation mit einem Albert-Einstein zausel geht zügiger als mit einer Frau im Chemie labor-zumindest bei mir.

Davon ab finde ich die Entwicklung des Wortes Ausländer interessant. In meiner Kindheit (Ende 90/ Anfang 2000) War es kein Problem zu sagen;, “x ist Ausländer”. Neulich höre ich in der Bahn eine Mutter die zu ihrem Kind sagt"psst, das sagt man nicht". Dieser Begriff ist wahrscheinlich wesentlich negativer geprägt worden als migrant aber ist in seiner bedeutung eigentlich neutral -außerhalb des Landes. Touristen sind auch Ausländer, aber keine Migranten. Und wenn es rassistisch ist, einen Türken Türke, einen Russen Russe oder einen Chinesen Chinese zu nennen, Ausländer ebenso falsch ist… dann gehen einem irgendwann die Vokabeln aus, statt neue zu erschaffen. Im lGegenteil- wie viele Asiaten werden wahrscheinlich als erstes gefragt: "bist du Chinese? " und fühlen sich deshalb erstmal auf den Schlips getreten? Ich fühle mich auch nicht diskriminiert wenn ich im Ausland als deutsche unterwegs und angesprochen werde. “Mein Kind, dies ist eine Person aus einem anderen Land, deren Herkunft das Land xy ist, deswegen ist seine/ihre Haut soundso…” mit dieser politischen Korrektheit sorgt man gleichzeitig für eine Tabuisierung . Warum sollte man das Kind nicht Fragen lassen warum seine neue Freundin dunkle Haut hat? Wenn wir verkomplizieren und tabuisieren sorgen wir einfach auch dafür dass es die kommenden Generationen schwer haben werden Ihre Welt (aus ihrer sich auf neutrale Art) zu beschreiben ohne das irgendeine verletzte Meute zu den heugabeln greift oder sie einen doppelt so großen Wortschatz benötigen.