gleich mal als erstes: behindertenausweise werden nach den bescheuertsten kriterien dieses planeten verteilt, das heißt garnix.
der übergang von persönlichkeitstyp im sinne einer normabweichung zu einer störung im sinne einer behinderung ist tatsächlich sehr fließend. jemand, der am übergang steht, zb. moderate autisten werden bezüglich dieser einstufung von jedem fachmann ne andere meinung hören - und vom GUTEN fachmann, dass man das nicht so eindeutig einteilen kann. XD oft stuft man leute an der grenze dann als krank, also behandlungsbedürftig ein, wenn sie selber das gefühl haben, dass sie unter einer gravierenden einschränkung leiden. ob man zb einen leicht neurotischen tick oder eine zwangsstörung sieht, hängt oft davon ab, wie sehr die entsprechende zwangshandlung den alltag am normalen ablauf hindert.
unser staat ist für meine begriffe einer der diskriminierendsten in der westlichen welt. X( die eltern von körper- und (leicht) geistig behinderten müssen oft einen jahrelangen gang durch alle institutionen antreten, um ihr kind auf eine staatliche schule zu bekommen.
wir hatten ein mädel an der schule, die gehörlos geboren wurde und als kind ein cochlea-transplantat bekommen hat. man kann damit nicht schlagartig hören, vielmehr muss man das gehirn mühsamst dazu trainieren, den fremden input richtig zu interpretieren. dieses mädel war dann mit 8 oder 9 soweit, dass sie ziemlich normal hören konnte, nur manchmal den kopf in die richtung des sprechenden drehen musste. wohlgemerkt nur, weil ihre mutter jahrelang täglich mit ihr geübt hat - die kasse hat nur den einstieg des trainings bezahlt. ihre schulischen leistungen waren sehr gut, deshalb wollten die eltern, dass sie auf das örtliche gymnasium geht. das rektorat hat sich erstmal geweigert. absurd genug, dass das geht, in den meisten ländern würden die eltern die schule dafür vor gericht schleifen und pleite klagen. in deutschland geht das. die mutter hat sich die nächsten zwei jahre einen papierkrieg mit den behörden geliefert, der sie oft an den rand der verzweiflung getrieben hat. schlussendlich durfte ihre tochter aufs gymi und hat vor zwei oder drei jahren abitur gemacht. ohne irgendwelche sonderhilfen oder sonst was. was mich an der sache auf die palme bringt, ist die tatsache, dass sie ohne ihre hartnäckige mutter überhaupt keine chance bekommen hätte und auf ner sonderschule gelandet wär, nach der sie keinen abschluss hätte, mit dem sie mit einem job rechnen kann. warum das im sinne des staates ist, muss mir mal einer erklären: dadurch, dass sie jetzt architektur studiert, kassiert sie nicht nur keine staatliche behindertenrente und lässt sich durchfüttern (das klingt böse, aber sie hat ja keine einschränkung, die das rechtfertigen würde!!), sondern sie hat auch noch ordentliche chancen, irgendwann mal einen gut bezahlten job zu finden, womit sie mehr steuern zahlen darf. warum rechnet es sich für den staat, so einen zinnober um ihre aufnahme auf eine “normale” schule zu machen?!
tschuldigung wegen textwand. XD aber ich könnt bei dem thema regelmäßig ausrasten.