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Persönlichkeit vs. Behinderung vs. Einschränkung

in die runde größ
Nachdem eine Gruppe von Usern den Frust-Thread prompt zum Diskussionsthread umgeformt hat, wurden wir gebeten, umzusatteln.
trommelwirbel Hier ist er.

Zur Anregung gibt es erstmal die offenen Fragen aus dem alten Thread;)
Wo fängt dann Behinderung an?
Bei den Besitzern eines Behindertenausweses Typ XY?
Oder doch ganz woanders? Lässt sich das überhaupt definieren?
Wie gestaltet sich der Übergang von/zu Persöhnlichkeitstyp? Existiert hier überhaupt einer?

Staat und Behinderungen/Einschränkung - wo bestehen Probleme? Welche Fortschritte gibt/gab es?
Integration vs. Ausgrenzung
Juristische Behinderung - Medizinische Behinderung vs. Persönlichkeit

War jetzt ne menge, eher zur Anregung gedacht. Wir hatten uns ja schon ne kleine Diskussionsrunde aufgebaut.

Einen richtigen Eingagspost gibts dann morgen, ich hoffe es ist verständlich, dass ich heute Abend keinen Roman zu dem Thema verfassen werde.
Vorschläge werden natürlich immer gerne angenommen, genauso wie ein vernünftiger Titel.

Munteres Diskutierten;
Anchan/Yuu

gleich mal als erstes: behindertenausweise werden nach den bescheuertsten kriterien dieses planeten verteilt, das heißt garnix.

der übergang von persönlichkeitstyp im sinne einer normabweichung zu einer störung im sinne einer behinderung ist tatsächlich sehr fließend. jemand, der am übergang steht, zb. moderate autisten werden bezüglich dieser einstufung von jedem fachmann ne andere meinung hören - und vom GUTEN fachmann, dass man das nicht so eindeutig einteilen kann. XD oft stuft man leute an der grenze dann als krank, also behandlungsbedürftig ein, wenn sie selber das gefühl haben, dass sie unter einer gravierenden einschränkung leiden. ob man zb einen leicht neurotischen tick oder eine zwangsstörung sieht, hängt oft davon ab, wie sehr die entsprechende zwangshandlung den alltag am normalen ablauf hindert.

unser staat ist für meine begriffe einer der diskriminierendsten in der westlichen welt. X( die eltern von körper- und (leicht) geistig behinderten müssen oft einen jahrelangen gang durch alle institutionen antreten, um ihr kind auf eine staatliche schule zu bekommen.
wir hatten ein mädel an der schule, die gehörlos geboren wurde und als kind ein cochlea-transplantat bekommen hat. man kann damit nicht schlagartig hören, vielmehr muss man das gehirn mühsamst dazu trainieren, den fremden input richtig zu interpretieren. dieses mädel war dann mit 8 oder 9 soweit, dass sie ziemlich normal hören konnte, nur manchmal den kopf in die richtung des sprechenden drehen musste. wohlgemerkt nur, weil ihre mutter jahrelang täglich mit ihr geübt hat - die kasse hat nur den einstieg des trainings bezahlt. ihre schulischen leistungen waren sehr gut, deshalb wollten die eltern, dass sie auf das örtliche gymnasium geht. das rektorat hat sich erstmal geweigert. absurd genug, dass das geht, in den meisten ländern würden die eltern die schule dafür vor gericht schleifen und pleite klagen. in deutschland geht das. die mutter hat sich die nächsten zwei jahre einen papierkrieg mit den behörden geliefert, der sie oft an den rand der verzweiflung getrieben hat. schlussendlich durfte ihre tochter aufs gymi und hat vor zwei oder drei jahren abitur gemacht. ohne irgendwelche sonderhilfen oder sonst was. was mich an der sache auf die palme bringt, ist die tatsache, dass sie ohne ihre hartnäckige mutter überhaupt keine chance bekommen hätte und auf ner sonderschule gelandet wär, nach der sie keinen abschluss hätte, mit dem sie mit einem job rechnen kann. warum das im sinne des staates ist, muss mir mal einer erklären: dadurch, dass sie jetzt architektur studiert, kassiert sie nicht nur keine staatliche behindertenrente und lässt sich durchfüttern (das klingt böse, aber sie hat ja keine einschränkung, die das rechtfertigen würde!!), sondern sie hat auch noch ordentliche chancen, irgendwann mal einen gut bezahlten job zu finden, womit sie mehr steuern zahlen darf. warum rechnet es sich für den staat, so einen zinnober um ihre aufnahme auf eine “normale” schule zu machen?!

tschuldigung wegen textwand. XD aber ich könnt bei dem thema regelmäßig ausrasten.

Ich kenne die offizielle Definition von Behinderung nicht, aber für mich klingt es nach “behindern” “behindert sein”
Also nicht im Sinne von Schimpfwort wie “Bist du behindert?” sondern eben, dass man eben durch irgendwelche körperlichen Schwächen zum Beispiel bei etwas beeinträchtigt, eben von etwas “behindert” wird.
Das ist einfach das, was mir in den Sinn komme, wenn ich das Wort Behinderung höre.
Keine Ahnung, ob irgendwer mein Geschreibsel, das ich grad zustande bringe, versteht.

Wie ist das mit Persönlichkeitstyp gemeint?
Wenn man eine körperliche Behinderung hat, wie zum Beispiel eine Gehbehinderung, dass man nicht laufen kann, dann hat das ja nicht direkt etwas mit der Persönlichkeit zu tun.
Wie das bei geistigen Behinderungen aussieht, kann ich aber nicht sagen, da ich auf dem Gebiet überhaupt nicht bewandert bin.

Das ist echt ein schwieriges Thema.
Gelten Kurzsichtigkeit und Hörschwäche eigentlich als Behinderung?

@IcyCascade
Das Mädchen hatte echt ne tolle engagierte Mütter.
Wenn ich lese, dass sie gar keine Chance bekommen hätte und einfach auf eine Sonderschule geschickt worden wäre … schlimm sowas.

Aber es gibt auch Schulen, wo der Unterricht extra auf Schüler mit zum Beispiel Hörschwächen abgestimmt ist, wo man auch einen Realschulabschluss oder das Abitur machen kann.

persönlichkeitstypen sind (ganz banal formuliert) zb extrovertiert oder introvertiert, denker oder praktiker. in genauerer abstufung fallen nach einigen definitionen auch die leute unter “andere persönlichkeitstypen”, die andere als autistisch (was eine "krankheits"diagnose ist) bezeichnen. also menschen mit gewissen eigenschaften und wahrnehmungsphänomenen, die von der norm abweichen (oft eine sehr extreme empfindlichkeit auf dinge, die andere nicht explizit bemerken - licht, haptische eigenschaften, geräuschpegel, farben, etc.). also keine psychischen störungen, sondern eigenschaften einer person. da gehört auch dazu, dass alle menschen unterschiedlich gut in der lage sind, die befindlichkeit ihres gegenübers anhand des gesichtsausdrucks zu erkennen. am einen ende des spektrums sind die, die sofort mitleiden, wenn sie jemanden sehen, der irgendwie niedergeschlagen wirkt und am anderen ende die, die erst merken, was für ne laune jemand hat, wenn der in tränen ausbricht.

@pereyga: absolut!! die mutter ist eine löwin. :) aber das ist die realität. selbst relativ kleine behinderungen führen in deutschland dazu, dass man nicht mehr auf normale schulen kann. dabei ist längst nachgewiesen, dass auch die leistungen von lernbehinderten wesentlich besser sind, wenn sie zusammen mit gesunden kindern lernen, die sich leichter tun. genauso weiß man, dass die “gesunden” kinder davon profitieren, wenn sie sich auf eine “komplikation” einstellen müssen. und dass leute, die “nur” im rollstuhl sitzen oder nix sehen überhaupt keinen grund haben, anders unterrichtet zu werden, versteht sich für den gesunden menschenverstand egtl von selbst.

der extra abgestimmte unterricht ist zur grunderziehung, also grundschule oft eine tolle idee. aber später ist es langfristig besser, wenn sich jeder mit seinen schwächen arrangieren muss. das müssen wir alle in der schule. und es ist eben nur eine andere art der schwäche, wenn man zb mit den händen liest und sich dafür mehr merken muss.

Ich bin behindert.

→ Sollte die Definition so aussehen: Eine körperliche oder geistige Einschränkung bzw Abweichung von der anatomischen Norm.
Ich trage eine recht starke Brille und außerdem sitzt meine Patellarsehne nicht da wo sie hingehört. Ich bin deshalb bereits einmal operiert worden. Viermal ist meine Kniescheibe rausgesprungen und ich habe mir mit meiner Orthese den liebevollen Spitznamen ‘Rennkrüppel’ verdient. Ich habe mich darüber gefreut.

Ich bin nicht behindert.

→ Sollte die Definition eher in die Richtung laufen, wann man sich behindert fühlt. Ich fühle mich genau dann behindert, wenn ich von anderen behindert werde. Ich habe Rotz und Wasser geheult wenn ich mit Krücken in die Stadt fahren musste weil es bei mir draußen keine Rolltreppe am Bahnhof gibt.

Ich bin behindert.

→ Sollte die Definition sich auf von der Gesellschaft und dem Leben heraufbeschworene emotionale und geistige Störungen ausweiten. Auch hier ist es aber mehr die Gesellschaft, die behindert.

Ich liebe diese neue Campagne “Behindert ist man nicht, behindert wird man.”
In Spanien übersetzt man behindert mit ‘minus valido’ also im Grunde ‘weniger wert’. Allerdings ist die Behandlung behinderter dort um ein vielfaches besser als hier. Meine Cousine ist Spastikerin und hätte ihre Mutter sie nicht seit 26 Jahren dreimal die Woche zur Krankengymnastik gezwungen (inzwischen zwingt sie sich natürlich selbst ^^) könnte sie heute kein normales Leben führen. Letzten Sommer hat sie geheiratet. Ihr linker Hochzeitsschuh hatte ein 1.5 cm hohes Platou. Sie war die schönste Braut die ich je gesehen habe.

Behindert ist doch so ein schönes Wort. Jemand wird an einem normalen Leben gehindert, ihm werden Hindernisse in den Weg gestellt. ‘Behindert’ im etymologischen Sinne hat nichts mit ‘von der Norm abweichend’ zu tun. Warum wird es so oft so dargestellt :( Warum müssen wir alle gleich sein?

die etymologie hat aber nix mit einer medizinischen einstufung oder einer diagnose zu tun.

Ich meinte das Wort “behindert” auch nicht im medizinischen Sinne sondern im Sprachgebrauch. Wie gesagt, in anderen Sprachen ist das Wort weitaus diskriminierender als bei uns. Aber “behindert” bedeutet im Endeffekt nur, dass man im der Norm entsprechenden Tagesablauf behindert wird. Ich finde die etymologische Bedeutung für den allgemeinen Umgang damit sehr wichtig. Stell dir vor es wäre nicht von Behinderten die Rede sondern von Aussätzigen oder Ausgestoßenen. Der Umgang mit solchen Menschen wäre schon vom Sprachgefühl her vorbelastet. Behindert ist deutlich neutraler und schöner zu gebrauchen. Für den Normalsterblichen ist die medizinische Bedeutung eher hintergründig da er sie nicht von sich aus weiß. Ein Wort zu benutzen ist dagegen ganz natürlich. Nochmal der Vergleich mit anderen Sprachen: Invalid - ungenügend, ungültig, minus valido - weniger wert … verstehst du, was ich meine?

Es ist nur negativ behaftet, so wie zum Beispiel auch kritisieren, das eigentlich nur ‘bewerten’ heißt, nicht aber im negativen Sinne.

Nun ja, es existieren auch seelische Behinderungen.

Hmmm, ich hatte einen Behindertenausweises aufgrund der schweren Neurodermitis die ich hatte.
Als ich ihn neu beantragen musste hieß es, meine Gesundheit hätte sich so sehr gebessert, dass keine Beeinträchtigungen mehr vorhanden wären. Bevor ich den den Ausweis erhielt, hatte ich “nur” Neurodermitis. Als die Neuro sich in punkto Hautbild gebessert hatte (Bei Neubeantragung), wies ich neue Sachen auf wie Grauer Star, Asthma, Rheuma. Kein Grund fürn neuen Ausweis.

Es ist in den meisten Fällen die Gesellschaft die nicht normgetreue Modelle der Spezies Mensch in ihrer Lebensplanung behindert.
Die Inklusion steckt hierzulande noch immer in den Kinderschuhen.
Schade.

Alles wird stetig ausgebaut und weiterentwickelt.
Nur die Hilfen füe kranke und benachteiligte kaum.
Gut, ist jetzt natürlich besser gewirden als z.b. vor 50 Jahren, aber
immer noch traurig. Man sollte in der Grundschule damit anfangen, aufzuklären.
Was eig. etwas sehr persönliches ist, aber ein gutes Beispiel: ich war mit einer Gruppe
Betreuter Jugendlicher(WG) bei einer Behindertenwerkstatt, hab mich hinter einem anderen Mädchen versteckt und angefangen zu heulen, nicht aus Absicht oder so, sondern weil ich einfach nicht wusste, wie ich mich verhalten sollteO.o

Eine Freundin von mir ist zu 60% behindert. Sie hat Morbus Crohn - eine chronische Darmerkrankung und die führt dazu, dass man über kurz oder lang als behindert eingestuft wird. Wenn man sie so sieht, würde man nie denken, dass sie bei 60% liegt. Aber alle, die mitbekommen, dass sie eine Behinderung hat, denken sofort an eine körperliche Behinderung, wie motorische Störung oder sowas.
Ich selbst könnte ebenfalls einen Behindertenausweis beantragen. Weil ich Kleinwüchsig bin (nicht zwergenwüchsig). Ich bin gerade mal 1,54; das reicht um einen Ausweis zu kriegen. Die Kasse sagt: ab 1,55m entspricht man dem Durchschnitt, alles darunter gilt als behindert.
Natürlich hat eine eingetragene Behinderung auch gewisse Vorteile, was Steuern und Vergünstigungen betrifft, aber im Großen und Ganzen werden behinderten Menschen vom Staat unglaublich viele Steine in den Weg gelegt. Ein ehemaliger Klassenkamerad von mir hatte eine Sehstörung. Mittlerweile ist er blind und dennoch hat er ein staatliches Abitur mit 1, irgendwas gemacht. Auch hier: Die Eltern waren unglaublich stur und hartnäckig. Die haben tatsächlich die Schule (das vorhergehende Gymnasium) vor Gericht gezerrt. Das war in meinem Heimatort für jeden Schulleiter ein Schuss vor den Bug. Da ging es nicht mal so sehr darum, dass die Eltern Geld wollten, vielmehr ebneten sie den Weg für nachfolgende Schüler mit Einschränkungen

Ich denke, man kann das Wort Behinderung nicht genau definieren, aber es muss leider einfach Richtlinien und ein Raster geben, an dem man sich orientieren kann. Ab wann bekommt ein Mensch einen Ausweis? Ab wann gilt er als normal? Wann kriegt er steuerliche Vergünstigungen?

Was den persönlichkeitsaspekt anbelangt: geistig behinderte Menschen empfinden sich oftmals gar nicht als behindert. Aber gesitig gesunde - der Norm entsprechende - Menschen kommen mit manchen Fähigkeiten gar nicht klar und empfinden sie als Behinderung. Ich habe ein nahezu fotografisches Gedächtnis. Das ist toll um Wissen anzuhäufen und das auf Knopfdruck abzurufen. Aber dummerweise merke ich mir auch jedes kleinste Detail, egal wie nichtig es ist. Mein Hirn hat nie Pause, das strengt ungemein an und auch wenn das alle Welt so toll findet, würde jeder nach einem eintägigen Tausch allerspätestens nach ein paar Stunden diese “Gabe” wieder abgeben wollen. An manchen Tagen ist das Hirn einfach voll. Da passt dann nichts mehr rein und man hat das Gefühl, der Kopf läuft über. Das behindert mich im Alltag ungemein. Also: Wo fängt eine geistige Behinderung an? Wenn man selbst denkt, dass da eine Behinderung da ist, oder wenn man laut IQTest oder sonstigen Prüfungen bescheinigt bekommt, dass man nicht der Norm entspricht?

Ich fühle mich zwar nicht besonders wohl bei der Sache, wollte mich aber dennoch mal zu Wort melden. Letztes Jahr wurde bei mir eine Persönlichkeitsstörung und eine auf Verdacht diagnostiziert (Borderline- und asthenische Persönlichkeitsstörung), sowie einige Ängste. Mir war zwar schon länger klar, dass irgendetwas nicht ganz normal bei mir ist, habe es aber bisher nie als so “schwer” eingestuft.
Persönlichkeitsstörung klingt zunächst schlimmer als es in Wahrheit ist. Viele, denen ich davon erzähle reden plötzlich ganz anders mit mir, als sei ich verrückt oder gehörte in die Geschlossene. Einfach nur aus dem Grund, da das Wort “Persönlichkeitsstörung” in vielen den Gedanken an Psychopathen, etc. hervorrufen.
Nachdem ich nun eine Therapie begonnen habe, befinde ich mich auf dem Weg der Besserung, allerdings beeinträchtigt es meinen Alltag immens. Wegen diversen Ängsten kann ich am Tag nur ein Telefonat führen, zu dem ich mich dann auch noch zwingen muss. Ich habe Verlustängste und bei vollen Bahnen und Bussen bricht bei mir die blanke Panik aus.
Einige male konnte ich nicht einmal auf einen Geburtstag, weil ich solche Panik vor fremden Menschen hatte.
Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass jeder Arzt oder Therapeut anders mit einem umgeht. Es hat etwas gedauert, bis ich einen Arzt fand, der mich für voll nahm und sich auch wirklich angehört hat, was ich zu sagen hatte.

Es ist zwar nicht leicht für mich Dinge zu bewältigen, aber ich schaffe es, sofern ich die nötige Zeit habe. Ich mache beispielsweise erst nächstes Jahr mein Fachabitur, da ich mehrere Jahre Pause zwischen den Schulen hatte/brauchte.
Ob ich un behaupte, dass es eine Behinderung ist? Ich würde mit “Ja” antworten, denn es behindert mich in meinen Entscheidungen und im Alltag. Ob ich nun das Recht auf einen Ausweis hätte? Ich glaube nicht.

Ein Arbeitskollege meines Freundes hat auch Morbus Crohn und wurde erst letzten Monat zum dritten mal operiert, in der Hoffnung, dass es sich bessern würde. Seit Kurzem hat er auch einen Behindertenausweis.

/Edit: Habe gerade in Erfahrung gebracht, dass ich doch das Recht auf einen Behindertenausweis hätte. Allerdings ist hier die Frage, ob es für mich mehr Vor- als Nachteile hätte, da man Behinderungen beim zukünftigen Arbeitgeber und beim Jobcenter angeben muss.

Das Problem ist denke ich die Fehlende Aufklärung in der Kindheit und die “Kindersprache”. Kinder erfahren selten die ganze Wahrheit - aus eigenen fehlenden Ressourcen der Eltern, oft aber auch fehlender Mühe… . Wenn den Kindern schon erzählt wird, dass Ameisen furchtbar böse sind, weil die einem ganz doll weh tun können… dann sagt das für mich schon sehr viel über den Rest der Erziehung aus.

Natürlich kommt hinzu, dass neues, fremdes und unbekanntes naturgemäß verunsichert … aber das ist nun bestimmt nicht der Grund für die fehlende Akzeptanz insgesamt.

Psychische Krankheiten stigmatisieren, ebenso wie körperliche Behinderungen. Während man als körperlich behinderter Mensch (Tb im Rollstuhl) sogar gesetzlich verankert eine Arbeit finden müsste(Firmen müssen vom Gesetz her bbehinderte Menschen einstellen zu einem Prozentsatz), Ist das bei psychischen Problemen ja nicht so… soweit ich weiß. Man muss da schon sehr viel Glück haben mit dem Chef, Der Chefin. Optimal, sie haben selbst Erfahrung durch Kinder…

Soweit ich weiß ist es bei psychischen Erkrankungen so, dass wenn die Behinderung bei 50% oder mehr liegt man 15 Tage mehr Urlaub hat. Das wollen viele Arbeitgeber nicht bezahlen. Liegt es darunter, also hat man die Urlaubstage nicht, ist es meist kein Problem, da die Betriebe ja Geld bekommen, wenn sie behinderte Personen einstellen.

"Behindert ist man nicht, behindert wird man"
So siehts aus!

Ich hab mich persönlich schon oft mit den verschiedesten Arten von Behinderung auseinandergesetzt.
Ich hab mein FSJ an einer Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwickling (auf Deutsch: Schule für geistig Behinderte) gemacht. Und da hab ich gemerkt, dass unsere Kinder und Jugendlichen garnicht, die sind, die das Problem haben. Sondern eben alle Anderen.
Als wir mal mit den Kids einkaufen waren kam doch tatsächlich der Kommentar: “Dass die hier auch einkaufen dürfen!”
Da wäre mir fast der Kragen geplatzt!
Und dabei sind unsere Schüler oft so herrlich normal. Eine von den Großen hat mir erzählt sie hatte ein Vorstellungsgespräch. 2 Wochen später kam sie Freudestrahlend zu mir und erzählt sie hat den Job. Und sobald sie sich da eingewöhnt hat zieht sie in eine WG. Es ging um einen Job in der Behinderten Werkstatt und um eine betreute Wohngruppe. Aber hey: genau die Probleme hab ich auch!

Da leigt genau das Problem. Eben dann wenn Behinderte etwas fremdes sind. Das ist echt trauig. Viele Eltern wollen ihre Kinder davor “beschützen”. Aber das macht nicht den geringsten Sinn. Kinder machen oft nämlich keine Unterschiede. (Seh ich beim FSJ immer, wenn wir auf andere Kinder treffen. )

Ich finde nur immer Schade, dass in Deutschland immer alles tausendmal beantragt und geprüft werden muss. Da werden einigen Menschen die Möglichkeiten genommen. Grade wenn es mit einem Menschen schnell bergab geht funktioniert das System nicht. Da beantragt man etwas zur Hilfe und wenn der Anrag dann endlich durch ist geht es auch mit Hilfsmittel nicht mehr. Und ich rede hier nicht von Wochen sondern von Monaten!
Für meinen Vater haben wir viel beantragt (unter anderem auch eine höhere Pflegestufe) und hätten vieles erst nach seinem Tod bekommen. 3 Wochen nach seinem Tod kam die Bestätigung, dass wir die Einstiegshilfe für die Badewanne (die auch unsere Dusche ist) bekommen.

Sachde ist auch dass das Thema ständig mit etwas negativem besetzt ist. Jeder denkt nur “Oh… der/die Arme”. Und so empfinden es die Menschen selbst oft garnicht. Und das ständige Bedauert werden nervt mit der Zeit auch.
Mein Opa und mein Papa (beide auf Grund von Krankheit Gehbehindert) kannten die besten Rollstuhlfahrerwitze aller Zeiten. Die haben sich nämlich nciht als die ‘armen Behinderten’ gesehen.

OMG! Das muss ich meiner Oma sagen. Die ist nämlich 1,49m groß. (Und jeder spurt , wenn sie was sagt. egal wie groß sie ist xD)

In der Grundschule gab bzw. gibt es Klassen für Behinderte. Oft hatten wir gemeisam Unterricht und sie waren so wie alle ander Kinder auch, sie wollten lernen. Bloß finde ich schade, dass Kinder mit Behinderung oft auf die Hauptschule gehen. Ich habe eine kenngelernt, die war auch sehr klein (1.40) und hatte ein Behindertenausweis und durfte daher nur auf die Hauptschule gehen obwohl sie immer die Klassenbeste war. In der 4. Klasse hatte sie einen Schnitt von 1.0. Das finde ich fies.

Ich bin überrascht, worüber hier so im Forum diskutiert wird.

Ja, so sieht es aus!

Es gibt keine einheitliche Definiton von Behinderung. In der Medizin wird Behinderung ganz anders definiert als im sozial Recht oder was es nicht alles gibt. Das habe ich ernüchternderweise gelernt. Dabei hat Finn es sehr treffend beschrieben.

Persönlichkeitsstörungen zähle ich schon zu Behinderung, wenn sie die entsprechende Person einschränken. Alterskurzsichtigkeit ist im Grunde auch ncihts anderes als eine Sehbehinderung.

Ich weiß nicht wen ich schlimmer finden soll, die, die keine Ahnung haben und dumme Kommentare äußern oder die, die glabuen Ahnung zu haben und Menschen mit Behinderung lieber alle Entscheidungen absprechen wollen, weil sie glauben es besser zu wissen…
Meiner Meinung ist eines der größten Probleme, dass viele sich sofort benachteiligt fühlen, wenn jemand mit einer Behinderung Hilfe bekommt. Weil das ist ja unfaire Bevorzugung. Hiflsmittel/kräfte in der Schule/Alltag, eine Woche zusätzlicher Urlaub im Jahr, Geldzuschüsse… (<- und um sowas überhaupt zu bekommen, darfst du nichts besitzen)
Und dann kommen die Leute an und sagen “ich war doch in einem integrativen Kindergarten…” Haben aber trotzdem keine Ahnung und merken gar nicht, dass da scharfe Vorurteile festgesetzt sind. Inklusion ist ein Prozess, keine Methode, die man mal eben umsetzt. “SO unsere Schule ist jetzt inklusiv, also wird jeder inkludiert!” DAS geht NICHT! Wenn man Einstellungen nicht ändert, dann ist jede Mühe umsonst.

Und anstatt sich über solche Dinge Gedanken zu machen, diskutieren die Leute lieber darüber, ob man “Behinderter” noch sagen darf, weil das ja diskrimminierend ist…