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Künstler zeichnet ab - und verkauft. Was tun?

Moin,

das betrifft nicht direkt die KAKAO-Szene, aber die Künstler-Szene allgemein. Ich hoffe, das Thema ist trotzdem ok!

Es geht darum: Ein guter Freund von mir ist nebenberuflich als Künstler unterwegs und stellt gelegentlich auch seine Werke aus. Das finde ich an sich super toll und beneidenswert, ABER: Er zeichnet ab. In beiden Ausstellungen, die ich miterlebt habe, hat er auch 1:1 abgezeichnete Bilder präsentiert.

Die einzigen Abweichungen bei den Motiven sind andere Materialien (z. B. Buntstifte statt Ölfarbe oder Acryl auf Leinwand statt Tattoo) und Vereinfachungen (z. B. etwas weniger Ranken in den Mustern, weggelassene Wimpern, vereinfachte Hintergründe). Dass er abgezeichnet hat, bekomme ich immer erst einige Wochen nach der Ausstellung durch Zufall mit, wenn ich die offensichtlichen Vorlagen als Fotos im Netz finde.

Bisher habe ich bei 2 seiner Werke diese Vorlagen eindeutig identifizieren können und ihn damit konfrontiert. Beim ersten Mal versuchte er sich rauszureden, ein “Kunde” hätte ihm sehr klare Anweisungen gegeben, was er wo wie zeichnen soll (und am Ende das Bild nicht genommen), wodurch er “zufällig” 1:1 die Rankenformen, Anordnung der Dekorationen, Detailfarbgebungen usw. gemalt habe, wie es ein großer Künstler bereits 2012 rum getan hatte. Beim zweiten Bild steht seine Reaktion noch aus, weil ich ihm die Nachricht erst vor einigen Minuten geschrieben hatte.

Und als wäre das Abzeichnen und Ausstellen (ohne Referenz/Urheber!) nicht schon genug, verkauft er seine Bilder auch noch zu sehr stolzen Preisen. Buntstift-A4-Zeichnungen setzt er bei etwa 50€ an, einige kosten 80€, ebenso kleine Leinwandbilder mit 15cm x 15cm Größe. Gelegentlich verkauft er sogar wirklich einige dieser Bilder für seine Preise - und dann besonders die, die er (wie im Nachhinein festgestellt) eindeutig abgezeichnet hat. Seine Kunden erfahren davon nichts.

Ich befinde mich deswegen jetzt in einem moralischen Dilemma: Einerseits mag ich ihn, andererseits finde ich es absolut unverschämt, was er da abzieht. Demnächst will er seine Werke auch auf einer eigenen Homepage verkaufen, um überregional Absatz zu machen, und ich fürchte, dass er auch da wieder Abgezeichnetes verkaufen will … weiß jemand, was ich tun kann :traurig: ?

Hey!

Erstmal; ja, dass ist durchaus eine doofe Situation aber er ist wie ich finde nicht im Recht die Bilder zu verkaufen, die eindeutig das Gedankengut anderer Künstler wiedergeben und nicht sein eigenes.
Ich habe solche Fälle ein paar mal auf Ebay beobachtet und die Links und Infos/ Übersetzten Texte unterm Bild dann an die entsprechenden Urheber des Originalbildes weitergeleitet, um mich da komplett raus zu halten.
Die Künstler waren alle sehr freundlich und dankbar. Wie es weiter verlaufen ist weiß ich nicht, aber ich nehme an, dass Diese den jeweiligen Urheber, der Abkupferungen oder sogar original abgezeichnete Bilder verkauft hat kontaktiert haben. (Das krasseste war mal eine, die Tattoovorlagen angeboten hat und dabei nichtmal abgezeichnete Sachen genommen hat, sondern als Beispiele direkt die Bilder aus der Gallerie des Originalkünstlers. Waren aber definitiv nicht die selben Personen… :D)

Das finde ich ist dann Lektion genug für ihn und du bist nicht der Idiot vom Dienst, wenn du es eh unter der Hand gemacht hast. Meistens hören Leute die Fanarts/ Abgezeichnetes verkaufen sowieso nicht auf die Meinung dritter, da bisher ja eh nichts passiert ist. - Meiner Erfahrung nach zumindest - Was auch gut an dieser Methode ist; Besonders wenn du nicht raushängen lässt, dass du deinen Freund gut kennst, wird ein klar denkender Mensch das Thema dann nicht auf dich lenken und es würde vermutlich eure Freundschaft nicht belasten, wenn du das den Künstler allein machen lässt.

So würde ich mich zumindest freuen, wenn mir das irgendwann mit meinen Bildern mal passieren sollte, dass man sich dann wirklich auch bei mir meldet. ^^

Liebe Grüße

Huhu!

Na ja, “stolze Preise” sind was anderes, wenn man beachtet, wie lange ein ausgearbeitetes A4-Bild dauert und was in Deutschland akzeptable Stundenlöhne sind. Ich würde NIE ein ausgearbeitetes A4-Bild für solche Dumpingpreise raushauen. Eher würde ich es wegschmeißen. Also bei so billigen Preisen kann man im Grunde noch nicht von kommerziellem Verkauf sprechen; das ist eher eine kleine Aufwandsentschädigung in privatem Rahmen. Aber ich denke, das ist nicht das Thema…

Die Sache ist halt, dass das deutsche Urheberrecht im Bezug auf “Abzeichnen” ziemlich schwammig ist, bzw. wann ein Werk oder bestimmte Aspekte davon gesetzlich Schutzstatus genießen. Zum Beispiel sind einzelne Motive, Bildkompositionen oder Farbkombinationen nicht geschützt. Das Werk als Ganzes jedoch schon, so dass eine 1:1-Reproduktion eindeutig nicht erlaubt ist. Dazwischen findet sich jedoch eine ganze Skala der Schwere der Referenznutzung, die im Detail juristisch schlichtweg nicht definiert ist - da hinge man, wenn so ein Fall verhandelt würde, vom “Bauchgefühl” des Gerichts ab, bzw. davon, welche Seite die besseren Anwälte hat.

Rein moralisch betrachtet finde ich die Sache natürlich unter aller Sau. :/ Ich glaube, ich würde die betreffende Person noch mal privat drauf ansprechen und deutlich sagen was ich davon halte. ^^° Aber wenn er die Werke auf seiner Homepage ausstellt, werden auch andere Leute sie früher oder später finden.

Hmm ich würde auch darauf hinweisen dass er das Risiko eingeht dass es jemand anderem auffällt und derjenige evtl. die Originalkünstler kontaktiert und wenn man erstmal den Ruf hat anderer Leute Werke zu kopieren und auch noch zu verkaufen.

Ich muss sagen gerade selber als Künstler fände ichs besorgniserregend, da es ja auch passieren könnte dass derjenige die eigenen Werke kopiert.

Bezüglich Preise: Ja, das ist wirklich ein anderes Thema. Bei ihm kommt hinzu, dass ich weiß, wie (lang) er arbeitet und seine Kolorationen eher Durchschnitt sind. Selbst wenn man jetzt ganz professionell mit Stundenlohn, Materialkosten usw. kalkuliert, sind die Preise manchmal wirklich fragwürdig. Darüber hinaus schreit er auch immer herum, dass er seine Werke verbrennen will - und das nicht als Scherz, das macht er offenbar wirklich. Ihn interessieren seine Bilder selbst nicht die Bohne. Aber gut, eine Preisdiskussion möchte ich hier nicht starten.

Was mich halt auch noch nervt, ist, dass er sich gleichzeitig über andere Hobby-Künstler lustig macht. Er zieht regelmäßig über Leute her, die (manchmal auch gegen Geld) abmalen, während er selbst nicht besser ist. Bei den beiden Bildern, um die es geht, beträgt die Abweichung vom Original maximal 5%, und das wohl auch eher durch handwerkliche Schwächen und nicht durch bewusste Änderungen.

Wenn ich ihm die Originalkünstler “auf den Hals hetze”, weiß ich, dass es in einem Fall definitiv zu einer Anklage kommen wird, da der Urheber für seine Klagefreudigkeit bekannt ist. Und das macht sich bestimmt nicht gut, wenn er gerade mit allerlei anderen Problemstellungen zu kämpfen hat. Deswegen weiß ich nicht so recht, was ich machen soll.

Wenn die “Abweichung” vom Original tatsächlich nur minimal ist (und auf Nichtkönnen beruht, nicht auf künstlerischer Eigengestaltung) dürfte das Verhalten tatsächlich illegal sein. Eventuell wäre da eine Klage ein “heilsames Erwachen”? Wenn die Person auf dezente Hinweise aus dem Freundeskreis nicht weiter reagiert, sind entsprechende Konsequenzen im Grunde die einzige Möglichkeit, dieses Handeln abzustellen… Oder man sagt sich halt, die Sache sei nicht weiter wichtig, bzw. nicht so wichtig wie die Freundschaft. Ganz klar, wenn man einem “Freund” ein Gerichtsverfahren auf den Hals hetzt, würde ich die betreffende “Freundschaft” hinterher definitiv als beendet ansehen - selbst wenn der gar nicht mitkriegt, wer ihm den Originalkünstler “auf den Hals gehetzt” hat, von einer Vertrauensbasis ist hinterher definitiv nicht mehr zu sprechen. Es gibt Dinge, die man unter Freunden einfach… nicht tut. ;)

Sehe das so wie Eller. Lass ihn doch ne Webseite machen - spätestens dann wird schon was passieren und du hängst da nicht mit drin.

Naja wenn jemand anderes davon Wind bekommt, kannst Du ja auch nix dafür. Du kannst andere Leute ja nicht davon abhalten dem Originalkünstler Bescheid zu sagen.
Das mindeste was möglich ist dass Du ihn auf die Probleme hinweist die er vllt. bekommen könnte.
Vielleicht kannst Du ja Beispiele finden die abschreckend wirken.
Ob er das Risiko eingehen will muss er dann selber entscheiden.

Nicht warnen obwohl Dir das Risiko bewusst ist und ihn ins offene Messer laufen lassen oder hoffen dass nix passiert ist ja auch nicht gerade die feine Art wenn Dir was an der Freundschaft liegt.

Ist zwar jetzt nicht auf den konkreten Beispiel bezogen, jedoch passend zum Thema.

Im Urlaub bin ich an zig Zeichen/Malständen vorbei und die Motive waren echt 1:1, abgesehen davon hab ich auch Wind davon bekommen dass Lehrer und Schüler in 10 Meter Abstand arbeiteten. Das schien total ok für alle drei beteiligten Personen: Künstler, Kunstschüler, Kunde. (Damit will ich nur sagen, dass sich kaum einer aufregt.)

So, nun zur eigentlichen Frage: In Museen üben die Studenten ebenfalls von großen Künslern. Sie zeichnen ab, üben, zeichnen, probieren aus, etc. Ich betone nochmal, dass mir bewusst ist, dass es sich um eine Übung handelt. Aber: so ein Übungsbild wird von manch einen Kunden geschätzt und gekauft!
Wie sieht es dabei mit dem Petzen/Klagen/Original-Künstler informieren aus?
Immerhin handelt es sich um ein Übungsbild, das den Übenden auch nicht wirklich interessiert und der Kunde hatte das Interesse tatsächlich an der “Kopie” und nicht am Originalkunstwerk. Der Künstler vom Original, weiß aber nichts von…
In wie fern sind da denn die ganzen Rechte verletzt? :/

Ich hab das Ganze auch nur erzählt bekommen und kenne niemanden der Beteiligten, weiß aber, dass es hier zu Lande stattgefunden hat und der Übende tatsächlich nie in dem Stil weitergemacht hat.

Da es so klingt, wie als würden die Originalkünstler noch unter uns weilen, wäre ich so “fies” und würde “petzen”, schon allein aus Loyalitätsgründen…
Ginge es um meine Kunst würde ich mich zumindest freuen, davon zu wissen ^^
Um den ganzen Anwalts-Kram können diese sich dann ja selbst kümmern ;-)

Da ists auch egal, ob der Kunde eh nur die Kopie haben will (die wahrscheinlich auch weit weniger kostet, als das Original ;-) …)
Im Prinzip geht dann ja auch Geld verloren, die der Originalkünstler mit von ihm autorisierten Drucken etc. verdient hätte.

Wobei ich jetzt aber natürlich nicht weiß, um welche Beträge es ging und in in einem wie großen Stil das abläuft…

-Das Beispiel des Eröffnungsposts klingt auf jeden Fall schonmal überaus dreist o__o …wenn einmalig ein netter Opi dem Jung mal 10 Euro für seine hübsche Skizze zusteckt, schreit wahrscheinlich keiner danach…

…aber da die ganzen Urheber- Verwertungs-, Nutzungs-, whatever- Rechte quasi “Lebensgrundlage” von Künstlern sind, darf man da auch keinen Spaß mehr verstehen … vor allem wenns um den Geldbeutel geht ^^"

Wie Eller zwar schon sagte, ist es zwar immer bissl schwammig mit Kopien und eigentständigen Werken, da blicke ich bis heute nicht wirklich durch…aber selbst, falls der Herr Anwalt nichts machen kann, wäre zumindest ein Brief vom Urheber bestimmt immerhin schon ziemlich einschüchternd… ;-P