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Kryptowährung / Digitale Währung

Habt ihr im letzten Jahr das große Gejubel, den Aufschrei, die Empörung, das Chaos in den Medien mitbekommen, als plötzlich die Existenz von Bitcoins in die öffentlichkeite Aufmerksamkeit rückte und der Wert (in “normaler” Währung) dieser neuen Währung explodierte?

Die Idee für Alternativwährungen/Komplementärwährung ist nichts Neues und gibt es außerhalb des Internets zum Beispiel in Form von Regionalwährungen. Aber nie hat eine solche Währung eine derart große mediale Aufmerksamkeit und solch einen (temporären?) Erfolg genossen wie momentan die digitalen Währungen.

Mich würde interessieren, ob ihr euch für Bitcoin, Litecoin, Dogecoin und Co. interessiert. Und falls ja, warum?
Investiert ihr? Mischt ihr mit? “Schürft” ihr? Beteiligt ihr euch in der Gemeinschaft? Handelt ihr mit der Währung? Kauft ihr damit ein? Verkauft ihr? Was ist eure Motivation? Wo informiert ihr euch? Wo seht ihr Vor- und Nachteile?

Ich habe mal vor einer weile selbst Bitcoins generiert, der Aufwand den man für 1 BC braucht ist einfach zu hoch, wenn man in seiner Kalkulation noch Strom usw, beachtet.

Betreibt man es nicht im großen Maß lohnt es sich nicht, es gibt Mininggemeinschaften, wo die Coins regelmäßig aufgeteilt werden. Aber selbst da bekommt man durch schwache Hardware wenig, mit schwach meine ich Grafikkarten die bei Geforce 600er Serie liegen (Guild Wars 2 läuft damit auf max. flüssig)
Ich würde noch mal abwarten mit Kryptowährung, bevor man damit ernsthaft loslegt.

Das Prinzip der Währung, die nicht an eine Regierung gekoppelt ist, finde ich äußerst reizend. Im Gegensatz zu den von dir genannten “Regionalwährungen” sind Cryptocoins jedoch nicht an eine Region gebunden, und das ist der Schlüssel zu ihrem Erfolg. Ich würde diese beiden Dinge aber sowieso nicht vergleichen, Regionalwährungen wollen die eigene Wirtschaft stärken und das Ausbluten der kleinen Innenstädte eindämmen, ich assoziiere sowas immer mit diesen Jahrmarkt-Marken. Konzeptuell ist BTC gut durchdacht, aus technischer Sicht in interessantes System, vor allem wenn es um Transaktionen geht.

Dass die Cryptocoins mittlerweile auch die “weltlichen” Banken und Aufsichten beschäftigen, ist ein eindeutiges Zeichen dafür, dass das Thema ernst genommen wird. Die Problematik mit Mt.Gox hat der Sache natürlich einen Dämpfer verpasst, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Cryptocoins im Diskurs bleiben werden. Schließlich gibts auch schon erste medienwirksamen “Investitionen”, z.B. wurde die Teilnahme des jamaikanischen Bob-Teams an den letzten olympischen Winterspielen in Dogecoins zusammengespendet. Noch spannender wird es, wenn “Hardware-Wallets” verbreiteter und vor allem zugänglicher werden.

Ich selbst spiele nicht mit den Währungen rum, das ist mir zu anstrengend und langweilig zugleich. Ich finde es gibt kein öderes Hobby als Geld. In meinem Bekanntenkreis haben aber ziemlich viele Leute eine Wallet der einen oder anderen Währung und (mindestens) eine Person die ich kenne ist in BTC reicher als in USD.

Ich stimme dir in allen außer in einem Punkt zu.

Die Frage ist, was man als Erfolg definiert. Den langfristigen Erhalt der regionalen Wirtschaft durch “Jahrmarktmarken” (schönes Beispiel übrigens) oder den kurzfristigen Erfolg Tausender von Cryptowährungen? Woran sind die Cryptowährungen gekoppelt?

Im Moment sind 99,5% der Cryptowährungen für mich eher sowas wie “Sammelkarten”, von denen man hofft, dass sie vielleicht irgendwann mal was wert sind. Die wenigsten kannst du wirklich benutzen und damit Güter oder Dienstleistungen einkaufen. (Letztlich ist Geld ja nichts anderes als ein temporäres Tauschmittel. Ich meine damit: Wenn du einem Bäcker ein Logo machst, willst du dich nicht in 1000 Broten bezahlen lassen, weil du die in einer Woche nicht konsumieren könntest und diese auch nicht in Ratenzahlung willst, weil der Bäcker zwischenzeitlich pleite gehen könnte oder du die Brote im Leben nicht konsumieren könntest. Darüberhinaus könntest du keinem zweiten Bäcker ein Logo machen, wenn der dich auch mit Broten bezahlen würde.)

Klar hast du Erfolg, wenn du zufällig die richtigen Coins gesammelt hast und rechtzeitig verkaufst (also letztlich wieder staatliches Geld erhältst). Das ist aber bestenfalls dein persönlicher Erfolg. Wenn jedoch der Kurs der Währung danach steil nach unten fällt, ist das dann immer noch ein Erfolg?
Weiterhin besteht die Frage nach dem Sinn der Cryptowährungen. Momentan erfüllen die meisten Währungen eher einen Selbstzweck (wie Sammelkarten, die man tauscht) oder sind zumindest Spekulationsobjekte. Handel findet nur selten statt. Der “Schlüssel zum Erfolg” ist im Moment eher der, dass du einfach selbst Coins produzieren kannst.
Es gibt einige soziale Projekte mit Cryptowährungen. Allerdings hängen die auch stark vom Wechselkurs mit dem staatlichen Geld ab. Der Erfolg ist eng mit dem Wechselkurs verknüpft.

Erst wenn tatsächlich ein Güter- und Dienstleistungsmarkt vorhanden und die Währung relativ stabil ist, werden diese Cryptowährungen durch ihre Dezentralität, die Wallets, dem günstigen und schnellen Transfer wirklich interessant und “erfolgreich”.

Deine bekannte Person ist auch nur relativ reicher, weil sich dieser Reichtum auch an den USD misst. Wenn BTC plötzlich nur noch 1$ wert wären, würdest du die Person noch als reich bezeichnen?

(Ich bin übrigens auch reich. Ich habe über 100k Fedoracoins. Umgerechnet in USD bin ich natürlich arm.)

An die Schwierigkeit bzw. den “Aufwand” der ihnen zu Grunde liegenden Rechnungen.

Das stimmt, obwohl ich bei BTC auch schon fast wieder eine Ausnahme machen würde. Natürlich kann man damit noch nicht in eine Bäckerei gehen und seine Brötchen damit bezahlen, aber gerade im technischeren Bereich des Interents (Stichwort “Hackerkultur”) wird das Bezahlen mit Cryptocoins schon angeboten und vor Allem nachgefragt. Den Devisenhandel lasse ich hier mal außen vor, das ist in der Tat momentan der größte Einsatzzweck für die Währungen.

Na klar, dann kannst du sie günstig wieder zurückkaufen.

So weit ich das mitverfolgt habe, lohnt sich das Minig bei BTC tatsächlich kaum noch, es sei denn man hat die neuesten ASICs und wasweißich. Und Handel zwischen verschiedenen Währungen und in alle Richtungen gibt es auch ständig. Handel gegen Güter nicht, aber wie ist denn da beispielsweise der Anteil beim Handel mit EUR oder USD? Ich kann mir vorstellen, dass auch bei diesen “echten” Währungen der Großteil gegen Immaterialgüter getauscht wird. Allerdings bin ich kein Wirtschaftsexperte.

Der Sinn der Cryptowährungen ist es doch, ein Zahlungsmittel zu schaffen, was nicht an einen Staat und seine potentiell schwankende Wirtschaft gebunden ist, Stichwort Finanzkrise. Natürlich schwankt der Kurs der Cryptocoins auch ständig, aber ich schätze mal, dass sich das nach dem Ende des momentanen Hypes auch wieder geben wird.

Der Vergleich kam, weil USD die Währung in seinem Heimatland ist. Wie misst man eigentlich den “Wert” einer weltlichen Währung? Auch nur durch Vergleich mit anderen, oder?

@Kiki

Ich meinte mit “gekoppelt” eher den Gegenwert in der Welt außerhalb der Gemeinschaft. Schließlich könnte ich auch ein Skript schreiben, das unsinnige Zahlenreihen in eine Datei schreibt. Obwohl ich diese Rechenleistung investiert habe, will die Datei letztlich niemand haben. Wo ist die Wertschöpfung? Niemand gibt mir etwas dafür, dass ich meinen Rechner laufen lasse. Es ist eher anders herum.

Die Rechenleistung ist eher vergleichbar mit dem Papier, auf dem die Banknoten gedruckt werden, nicht mit dem Brot, das ich mir davon kaufe. Die einzige mir bekannte Ausnahme sind GridCoins, bei denen mit der Rechenleistung nicht nur Coins generiert, sondern auch irgendwelche wissenschaftlichen Projekte mitberechnet werden.

Die BTC gehören zu den 0,5%, sind also die Ausnahme. Versuch mal mit NyanCoin, eMark, HoboNickels, FlappyCoins, SexCoins und den Hunderten anderen Coins etwas zu kaufen.

Na klar, dann kannst du sie günstig wieder zurückkaufen.
Gut. Du kaufst sie also zurück, der Kurs sinkt weiter in den Keller und absolut niemand hat mehr Interesse daran. Folglich bleibst du auf den Coins sitzen. Wenn du das als Erfolg (erfolgreiche Investition) wertest, haben wir unterschiedliche Auffassungen von dem Begriff.

Mit Sammeln meine ich nicht zwangsläufig Mining. Die Leistung meiner Grafikkarte ist zum Beispiel mit ihren 22 khash/s nicht ausreichend, um “lohnend” zu sammeln. Eine andere Möglichkeit ist das Eintauschen/Handeln. Zum Beispiel in Foren und auf Plattformen mit USD/EUR oder auf Plattformen wie Cryptsy, wo man gegen andere Cryptowährungen tauschen kann. Oder in so genannten “Faucets”, also sowas wie Lotterien, kannst du welche sammeln.

Der Sinn der Cryptowährungen ist es doch, ein Zahlungsmittel zu schaffen, was nicht an einen Staat und seine potentiell schwankende Wirtschaft gebunden ist, Stichwort Finanzkrise.
Da hast du natürlich recht. Das sollte der Sinn sein. Momentan ist es aber so, dass jeder sein eigenes Süppchen kocht. Manche Programmierer rufen sogar gleich mehrere Währungen ins Leben. Den meisten geht es nicht darum, ein sinnvolles Zahlungsmittel zu schaffen, sondern auf die Tauschplattformen zu kommen und ihre am Anfang gesammelten Coins zum höchstmöglichen Kurs und schnell abzuwerfen. Sie wollen reich werden, aber nicht in ihren eigenen Cryptowährung, sondern in staatlicher Währung.

Daraus ergibt sich natürlich das Problem, dass ein potentieller Handels-Interessent Hunderte von Cryptowährungen zur Auswahl hat. Ständig zwischen den Währungen hin- und herzuwechseln und vor allem so stark von den Kursschwankungen abhängig zu sein, ist für einen ernsthaften Geschäftsführer zu risikobehaftet. Er kann es sich nicht leisten, heute 30 000€ in Coin XY zu investieren, der morgen a) schon völlig wertlos sein könnte oder b) von den Leuten, bei denen er was kaufen will, gar nicht akzeptiert wird.
Die Unabhängigkeit vom Staat und die Dezentralität sind nur etwas wert, wenn du damit auch etwas anfangen kannst.

Als Spekulant hat man an einer solchen Situation eher seine Freude.

Der Vergleich kam, weil USD die Währung in seinem Heimatland ist. Wie misst man eigentlich den "Wert" einer weltlichen Währung? Auch nur durch Vergleich mit anderen, oder?

Mir kann es hier egal sein, wie der Wechselkurs von € zu Dollar steht, wenn ich meine € in Deutschland/Europa ausgebe. Woran messe ich den Wert von 1$/1€? Daran, was ich davon kaufen kann. Für 1€ bekomme ich z.B. 1kg Kartoffeln. Für 3,50€ kann ich mir ein Brot kaufen. 40€ kostet die Internet- und Telefonflatrate. Und so weiter. Es gibt einen Gegenwert im realen Leben. Die Schwankungen nennt man Deflation bzw. Inflation.

Wenn ich 1 BTC besitze, kann ich mir davon momentan ca. 600$ kaufen, je nach Kurs. Ich kann mir davon weder etwas zu essen kaufen, noch meine Miete bezahlen. Ich kann diese 1 BTC aber gegen 1 Million DogeCoins eintauschen. Ich bin dann Millionär. Kann ich mir deswegen ein Haus bauen und ein tolles Auto kaufen? Nein. Ich bin reich an DogeCoins, aber arm an Möglichkeiten.

Oder anders herum: Ich investiere all mein Geld in BTC. Ich bin jetzt “reicher” in BTC als in $. Jedenfalls was die Zahl an sich betrifft. Ich bin nur so lange “reich”, wie ich auf die BTC zugreifen und sie in $ oder € oder sonstwas umtauschen kann. In Währungen, mit denen ich mir etwas kaufen kann.

Mit etwas Pech kaufe ich 1 Mio Cryptocoins für 1000€ und am nächsten Tag sind sie nur noch 1€ wert. Natürlich bin ich nach wie vor Millionär, aber niemand würde mich als reich bezeichnen.

Ich hab mir jetzt alles durchgelesen, was ihr bisher geschrieben habt und eines ist hängen geblieben. Einer von euch hat gesagt, die Coins wären in erster Linie für virtuelle Spekulation, also um Dinge zu kaufen und zu verkaufen, die nicht existieren, mit Geld, das nicht existiert. Im gleichen Atemzug sagt ihr aber, dass Coins gegen Finanzkriesen helfen sollen - euch ist aber schon bewusst, dass die Finanzkrise dadurch ausgelöst wurde, dass mit Geld gehandelt wurde, das nicht existiert, oder? Man hat an der Börse mit Fleisch spekuliert, das man morgen verkaufen wollte, zu dem die Kuh aber erst übermorgen geboren wurde, wenn ihr versteht was ich meine.

Außerdem, worin besteht der Sinn, eine Währung ohne Gegenwert zu entwickeln? Das ist im dritten Reich doch schon schief gegangen und man hat nach dem ersten Bier für das zweite schon mehr gezahlt. Eine Währung muss einen Gegenwert haben, sei es Goldvorkommen und andere Bodenschätze, oder, wie in Deutschland, Infrastruktur. Man hat nach dem Fall des dritten Reichs ausgerechnet, wie viel das Land wert ist, und dementsprechend die Deutsche Markt festgelegt. Als der Euro kam, hat man versucht, den Euro 1:1 zum Dollar zu gestalten und dementsprechend DM, Lire und Peseten umgetauscht, der Gegenwert der Währung ist aber nicht der Dollar, sondern weiterhin der Wert des Landes, bzw jetzt der Wert von Europa. Die Währung steht und fällt mit dem, was das Land schafft - sowas kann man nicht virtuell gestalten. Das könnte man vielleicht, wenn alles virtuell wäre. Aber solange Brot noch ausschließlich analog funktioniert, braucht Währung einen materiellen, potentiell unsterblichen Gegenwert.

@Kampfmieze

Wer hat behauptet, dass Cryptowährungen gegen Finanzkrisen helfen?
Ich glaube, du beziehst dich auf die Aussage, dass Cryptocoins nur begrenzt verfügbar sind und je es immer schwieriger wird, sie zu generieren, je mehr man sich dem Limit nähert. Geld hingegen kann beliebig gedruckt werden. Du brauchst nur Papier und Druckfarbe.

Du meinst nicht das Dritte Reich, sondern die Finanzkrise zwischen 1914 und 1923. Oder habe ich etwas missverstanden und du meinst etwas anderes?

Wie ich bereits erwähnte, ist Geld nur ein Tauschmittel, das zwischen zwei Waren steht. Warum darf das nicht digital sein? Abgesehen davon ist es das doch schon zum Großteil. “Bargeldlos bezahlen mit EC-Karte”, “Onlineüberweisung” und so weiter.

Mit Geld werden nicht nur materielle (“unsterbliche”) Gegenwerte geschaffen, sondern auch welche, die du nicht anfassen kannst. Etwa, wenn du auf ein Konzert gehst und die Musik hörst, jemanden massierst oder einen Film per Livestream schaust. Du bezahlst für den Genuss des Augenblicks, nicht für die Ewigkeit.

Geld ist eigentlich nur dafür da, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Solange damit niemand spekuliert, haben wir kein Problem. Wobei Finanzkrisen nicht nur durch Spekulation mit Geld ausgelöst werden, sondern mit materiellen oder potentiell materiellen Dingen. Etwa wie mit deinem Fleischbeispiel. Oder mit Getreide, das jemand einkauft, um einen Mangel zu generieren, der es ihm erlaubt, das Getreide teurer zu verkaufen. Ob er das Getreide dann gegen die Währung “Bananen” eintauscht oder gegen die Währung “Geld”, spielt fast keine Rolle. Geld ist nur “gemütlicher”, weil du damit mehr anfangen kannst als mit 1000 Tonnen Bananen. Letztere verrotten zudem schnell.