Die Drittel-Regel wurde ja schon erwähnt… Die ist ein leichter Weg zu angenehmen, harmonischen Kompositionen. (Natürlich sollte man sie, wie alle künstlerischen “Regeln”, nicht als Dogma auffassen nach dem Motto “der Fokuspunkt MUSS auf den Schnittpunkt der Drittel-Linien” - aber sie zu kennen kann nicht schaden. Selbst wenn man gezielt davon abweicht, weil man z.B. in seinem Bild gar keinen Wert auf Harmonie legt, sondern etwas völlig anderes ausdrücken möchte.)
Das mit den Kontrasten ist allerdings eine sehr, sehr wichtige Angelegenheit: der Mensch schaut im Allgemeinen zuerst auf den Bildbereich mit dem stärksten Kontrast. Das bedeutet, wenn man den Blick auf ein bestimmtes Objekt lenken will, sollten sich dort üblicherweise sowohl die hellsten Lichter als auch die tiefsten Schatten befinden. Bei weniger “wichtigen” Bildbestandteilen ist es meist angemessen, den Kontrast etwas zurückzunehmen.
Ein weiterer Punkt ist die Farbsättigung: also wie “rein” eine Farbe ist - oder ob sie eben einen Grau- bzw. Braunstich hat. Wenig gesättigte Farben sind eine weitere Möglichkeit, Objekte in den Hintergrund zu schieben. (Bei Landschaftsbildern nennt man das Phänomen, dass weit entfernte Objekte verblassen bzw. einen Stich ins Graublaue bekommen, “Luftperspektive” - aber das gleiche Prinzip funktioniert auch, wenn man im Prinzip gleich weit entfernte Gegenstände hat, aber nur einen davon hervorheben möchte.)
Farbkontraste wie Komplementärkontraste und Simultankontraste sind auch immer eine nette Spielerei. (Ich persönlich nutze das gern für dramatisch überbetonte Beleuchtungen… XD)
Ach ja: wenn man mehrere ähnliche Objekte hat, wählt man üblicherweise eine ungerade Anzahl, weil der Betrachter sie sonst automatisch paarweise gruppiert und die Blickführung nicht mehr einheitlich funktioniert.
Das mit den Gesichtern ist mir allerdings neu - ich schaue eigentlich generell zuerst auf besonders große und besonders helle Farbflächen, egal, was eigentlich dargestellt ist. Aber ein Artikel darüber würde mich sehr interessieren.
Allerdings sollte man über der ganzen Theorie nicht vergessen, dass visuelle Wahrnehmung immer noch eine individuelle Angelegenheit ist. Das bedeutet, dass ein Bild von unterschiedlichen Personen selbstverständlich ganz unterschiedlich wahrgenommen wird… Was bedeutet, dass verschiedenen Personen sogar verschiedene Objekte zuerst ins Auge fallen können. Und dass bewusste Abweichungen vom “gängigen”, gewohnten Kompositionsschema sogar dazu dienen können, besondere Aufmerksamkeit beim Betrachter zu erzeugen. (Lustigerweise ist eine meiner “erfolgreichsten” im Sinne von meistkommentierten Karten eine, bei der ich GANZ bewusst und systematisch gegen einige Grundprinzipien der Komposition drastisch verstoßen habe. lach)