Huh? Hier mal ein kleiner Einwand von einer Person, die seit dem 11. Lebensjahr aktiv (und selbstständig, elternfrei) im Internet unterwegs ist… Warum genau sollten Kinder NICHT im Internet was auch immer tun? (Solange sie sich, selbstverständlich, nicht einfach mit fremden Leuten RL verabreden. DIESES Risikogespräch müsste rechtzeitig von den Eltern geführt werden. Was meine Eltern - die Computer heute noch mehr oder weniger für Schreibmaschinen mit ein paar Extra-Features halten - zugegebenermaßen versäumt hatten.) Ich hing dann halt in irgendwelchen Foren über abseitige Themen wie Biomathematik und hab mit irgendwelchen Leuten geschrieben. So what? Ganz ehrlich, für meine persönliche Entwicklung war das nicht nur unschädlich, sondern im Gegenteil sogar ganz großartig, zum Beispiel hab ich nette Leute kennengelernt, die einem interessierten kleinen Mädel gratis und mit viel Zeitaufwand das Programmieren beigebracht haben (inklusive Weitergabe nicht mehr benötigter Fachbücher etc.) so dass ich quasi einen Haufen Privat-Tutoren hatte. Im Internet sind nämlich nicht mehr “böse” Leute unterwegs als, sagen wir mal, in der Straßenbahn, im Park oder anderswo. (Im Gegenteil, meine Erfahrung war eher, die Leute sind extranett, wenn sie wissen, es mit Kindern zu tun haben.)
Im Sinne von Gefährdung hat jedes Alleine-auf-die-Straße-gehen deutlich mehr Risiken - und man tut Kindern bekanntlich keinen Gefallen, wenn man sie bis zum 18. Lebensjahr quasi einsperrt und von allem öffentlichen Leben fernhält, weil ja “irgendwas passieren könnte”. Das Resultat daraus sind (immer häufiger an der Uni zu beobachten) völlig lebensuntaugliche junge Erwachsene, die aufgeschmissen sind, wenn Mami/Papi sie nicht jeden Tag bis vor die Tür des Hörsaals fährt. Will doch auch keiner. (Und sogar im Bezug auf die üblichen Gefahren des Lebens sind die entsprechenden jungen Leute auch eher gefährdeter als andere!)
Ich bin der Meinung, solange keine ernsthaften Risiken bestehen, ist es vollkommen normal, wenn Kinder lernen, sich selbstverständlich frei zu bewegen, sowohl on- als auch offline. Selbstständigkeit ist auch was, das gelernt werden muss. Und damit muss man irgendwo anfangen. Speziell im Bezug auf KaKAO: hier ist absolut nix jugendgefährdendes los, und selbst der Austausch von Adressen für einen Tausch ist nix Dramatischeres als es zum Beispiel bei der obligatorischen “Schüler-Brieffreundschaften-Vermittlung” (zu der wir in der 2. oder 3. Klasse sogar gezwungen wurden, um besser schreiben zu lernen!) auch passiert. Sehe schlichtweg kein Drama… Man kann höchstens bezweifeln, dass ein Kind, das noch nicht alleine lesen kann, wirklich was davon hat, hier aktiv zu sein. Wobei Bilder hochladen und nette Rückmeldungen darauf vorgelesen bekommen vielleicht auch schon was ist. Wäre natürlich besser wenn die entsprechende Hilfe von einem Elternteil vorgenommen würde. Aber wie gesagt: mit 6 hab ich auch meinen Schulweg (der DEUTLICH gefährlicher war als das Hochladen einer KaKAO-Karte) alleine bewältigt - und das ist auch gut und gesund so. Ich bin recht dankbar dafür nicht be-helikoptert worden zu sein!