Leo Perutz: Der Meister des jüngsten Tags
Anfang der Handlung im Spoiler
Details
Ein Roman aus den 1920er Jahren, der vor dem Ersten Weltkrieg spielt: Der Ich-Erzähler - ein adliger Offizier - wird von einem befreundeten Arzt abgeholt, um einen weiteren gemeinsamen Freund - einen Schauspieler - von zwei Unglücksbotschaften abzulenken, die diesen noch nicht erreicht haben: einerseits das bevorstehende Ende seines Engangements am Theater, andererseits der Konkurs seiner Bank. Zur Ablenkung spielen die Freunde des Schauspielers ein Streicherterzett von Brahms, und über das Hören der Musik erfährt der Leser von der Panik des Schauspielers, dass er über wenig bis keine Vorstellungskraft verfügt, um seine Rollen in der Phantasie entstehen zu lassen - im Gegensatz zu der lebhaften Phantasie eines ebenfalls anwesenden befreundeten Ingenieurs. Die Freunde versuchen den Schauspieler seiner Professionalität zu versichern, was jedoch nicht gelingt. Der Schauspieler gibt dem Drängen seiner Freunde nach, ihnen eine Kostprobe seiner neuen Rolle zu geben, und zieht sich in einen Pavillon zurück. Kurz darauf fallen zwei Schüsse, alles deutet auf einen Selbstmord hin, was der Ingenieur jedoch absolut ausschließt. Bei seiner detektivischen Recherche entdeckt er eine Spur, die ihn zu Künstlern der verschiedensten Richtungen führt und schließlich weit in die Vergangenheit zurück.
Es geht in diesem Roman nicht ausschließlich um die Malerei, und auch weniger um eine bestimmte Technik, Epoche, Stilrichtung… Allerdings erzählt er anschaulich von den (Selbst)zweifeln und Ängsten, die Künstler/Maler heimsuchen. Ich finde, der Roman zeigt auf beklemmende Art und Weise, wie leicht sich ein von falschem Ehrgeiz getriebener Künstler zu Fehleinschätzungen und Selbstüberschätzung hinreißen lässt.
Sprachlich ist der Roman - obwohl ca. 90 Jahre alt - sehr sehr gut verständlich; Perutz war in den 1920ern einer der Bestsellerautoren in Deutschland und von bsw. Tucholsky hoch geschätzt.