Wenn man heutzutage von christlichen Fundamentalisten hört, denkt man zuerst an diverse Vereinigungen und Erzkonservative in den USA, zumindest geht mir das so. Vor einigen Jahren kam dann die Erkenntnis, dass es auch in Deutschland solche Kräfte gibt. Anfangs dachte ich noch: „Okay, dass sind ein paar wenige Spinner, die eh nicht viel Einfluss haben.“
Angefangen mir mehr Gedanken über das ganze Thema zu machen habe ich, als ich meinen jetzigen Freundeskreis kennen gelernt habe.
Zusammen waren wir am Wochenende auf einer Gegendemo zum sog. 1000-Kreuze-Marsch. Die ganze Aktion war recht ernüchternd. Am Wochenende davor war eine Nazi – Demo mit entsprechender Gegendemo und Medienpräsenz. Unsere Aktion hingegen ist weitestgehend ungehört verklungen. Als die Polizisten aufgelaufen sind – immerhin zwei Hundertschaften für 100 Demonstranten und ca. 200 Gegendemonstranten) – habe ich Leute fragen gehört, was denn los sei. Ein Fußballspiel? Die beiden Herren habe ich dann schnell aufgeklärt.
Hier ein paar generelle Infos für euch:
Die Vereinigung, die den Marsch organisiert nennt sich EuroProLife. Ihr Ziel ist angeblich die Rettung von ungeborenem Leben. Wenn man allerdings auf der Homepage genauer schaut wird man schnell einen gefährlichen Unterton feststellen:
Dort wird behauptet, dass eine Frau, die die Möglichkeit hat abzutreiben das eigentliche Opfer ist:
„Wird dabei nicht gerade die Frau geopfert, indem man ihr die letzte Entscheidung überlässt“
Die Evolution wird abgestritten und die Schöpfungslehre vertreten:
„Die Entschlüsselung des menschlichen Erbgutes im Rahmen des Human-Genom-Projekts, ist ein wichtiger Fortschritt in der Wissenschaft. Jedoch werden einige Ergebnisse in manchen evolutionistischen Publikationen verdreht dargestellt.“
Schlussfolgerung:
Die Ähnlichkeiten beweisen nicht die Evolution, sondern die Schöpfung.
(Zitate alle von europrolife.com und angegliederten Seiten übernommen)
Wer hier weiterlesen will: http://europrolife.com/
(Ich konnte nach einiger Zeit nicht mehr…)
Zum einen wird sich hier gegen ein Selbstbestimmungsrecht der Frauen plädiert, zum anderen wird die biblische Schöpfung über alles gestellt. Weitere Punkt, die, wie ich zugeben muss nicht aus der Homepage ersichtlich sind, aber dennoch eine Rolle für die Protestaktionen gegen die Marschierenden gespielt hat, sind die homophobe Einstellung, sowie das reaktionäre Gedankengut, dass diese Menschen verbreiten möchten.
Dazu hier eine Homepage:
http://gegen1000kreuze.blogsport.de/
Persönlich finde ich es sehr wichtig auch hier im Land über diese Strömungen Bescheid zu wissen. Was mich u. a. persönlich ärgert war die Reaktion der Zeitung auf uns Gegendemonstranten, waren wir doch die Störenden. Selbst das Statement einer Freundin und mir, dass wir bei der Gegendemo mitlaufen, weil es uns wichtig ist gegen jegliche Art von Extremismus und Fundamentalismus zu sein, liest sich im entsprechenden Artikel negativ:
http://www.wn.de/Muenster/1000-Kreuze-Gebetsmarsch-fuer-das-Leben-Ungeborenem-Leben-verpflichtet
Was sind eure Gedanken zu der ganzen Sache. Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob es besser wäre diese Leute komplett zu ignorieren um ihnen gar keine mediale Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Ich bin mir leider nur allzu gut bewusst, dass das nicht geht und so –verzeiht, wenn ich mich wiederhole – finde ich gerade Aufklärung wichtig.
