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Malen mit Öl

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Eller:
Wichtig: Immer auf grundierter Leinwand oder einem anderen nicht-saugenden Untergrund malen! (Papier geht auf keinen Fall.) Ansonsten saugt sich der Öl-Anteil der Farbe da nämlich ein und die eigentliche Farbe hat dann nicht mehr genug Bindemittel und platzt ab.

Ansonsten verhält sich Öl beim Malen eigentlich fast genauso wie Acryl, bis auf die Tatsachen, dass man keine Strukturpasten benutzen kann, die Farbe (und die dazugehörigen Verdünner natürlich auch) bestialisch stinkt und eeeewig zum Trocknen braucht. XD Dafür ist allerdings die Lasierfähigkeit besser - was aber nur dann interessant wird, wenn man vorhat, in mehreren komplett durchgetrockneten Schichten zu malen. (Was halt eine enorme Geduld voraussetzen würde.)

Wenn man getrocknete Ölfarbe wieder anlösen möchte (ob nun von Pinseln oder von der Leinwand), braucht man Terpentin bzw. Terpentinersatz. (Vorsicht, feuergefährlich - die benutzten Lappen dürfen NICHT in den Hausmüll, da sie bei Fäulnis-Wärmeentwicklung zu spontaner Selbstentzündung neigen. Man darf se auch nicht zu lange in der geschlossenen Faust halten wegen Körperwärme. Und nicht in die Sonne legen. Am Besten, man hat einen Sondermüll-Behälter parat. Braucht man sowieso für die Reste einiger Farben. Einige Pigmente sind scheißgiftig. Deswegen kann man bei Ölfarben auch nicht so gut mit den Händen malen, leider.)

HotaruYagami:
Woah, das klingt gefährlich... und bei sowas stellt sich mir auch die Frage, ob der Aufwand und die Nachteile die Möglichkeiten der Ölmalerei wohl ausgleichen...?

Steht auf den Tuben eigentlich drauf, welche man in den Sondermüll geben muss und welche nicht?

Und kann ich das so verstehen, dass Leinöl zum Verdünnen noch flüssiger Farbe ist und Terpentin für getrocknete Farbe?

Eller:
Mh, die Farben, die ich aufbrauche, sind aber schon älter - ich glaube, einige dürften heutzutage gar nicht mehr verkauft werden. XD Bleiweiß... Böse, böse. Die meisten Tuben werden aber mit entsprechenden Umwelt-Warnungen versehen, ist ja sowieso inzwischen Pflicht.

Weißt du, Öl-Fans werden dir sagen, dass Ölbilder ALLE Unannehmlichkeiten wert sind. ;) Ich male bevorzugt mit Acryl - das kannst du als meine Antwort werten.

Und nein, nicht ganz. Das mit dem Öl und dem Terpentin ist wichtig, wenn man mehrere Farbschichten übereinander legt. Es gibt den Grundsatz "fett über mager", damit die unteren Schichten von neuen Farbschichten nicht wieder angelöst werden. Das bedeutet, beim Verdünnen nimmt man für die unteren Schichten mehr Terpentin und für die späteren Schichten einen immer höheren Öl-Anteil. Eben weil getrocknete Farbe von Öl nicht mehr angelöst wird.

Menschwerdung:
Uff, wo fang ich an ...

Papier kann man durchaus für Ölmalerei verwenden. Man muss es nur vorher großzügig mit Öl vollsaugen lassen, sodass das Papier von der Farbe kein Öl mehr saugt. Wir haben unsere Übungen immer auf etwas festeres, braunes Packpapier gemalt und es vorher mit nem dicken Pinsel kräftig mit einer Mischung aus Firnis und Öl bepinselt. Die Ergebnisse können sich sehen lassen:


Primamalerei heißt einfach nur, dass Du Farbe aus der Tube nimmst und losmalst. Es ist eigentlich so die übliche Art und Weise, wie man sich das Malen vorstellt.
Lasurmalerei hingegen heißt, dass Du viele dünne, durchsichtige (lasierende) Farbschichten übereinanderlegst. Das ist sehr zeitaufwendig, die Ergebnisse sind jedoch phänomenal. Die meisten alten Meister (Albrecht Dürer, Rembrandt,) haben lasierend gemalt.

Tja nun ist die Frage, ob Du jetzt einfach nur so malen willst, oder ob Du die traditionelle Ölmalerei der alten Meister lernen willst?

Einfach drauflos malen kann jeder. Man braucht nur ein mit Öl bepinseltes Papier oder eine Leinwand, ein paar Pinsel, Farbe aus der Tube, eine Palette oder Folie, auf der man die Farben ausdrücken und mit dem Pinsel aufnehmen kann, und los geht's!

Darüber hinaus gibt's noch mehr:

Man kann die Farben verdünnen:
Das geht mit Öl - aber Achtung, jedes Öl härtet anders lange! Es gibt Öle, die in ein paar Tagen aushärten, und welche, die Wochen brauchen. Sogenanntes "Pflanzenöl" härtet nie! Also damit ein Bild malen wollen wäre äußerst kontraproduktiv.
Die Öle aus der Tube brauchen meistens eher lange. Man kann Farben auch mit Terpentin verdünnen, das stinkt jedoch bestialisch und das Ergebnis ist die Stinkerei definitiv nicht wert. Außerdem löst man damit die unteren Malschichten mit auf.

Farben selbst anmischen:
Ich habe Farben meistens selbst gemischt, weil die aus der Tube einfach schon fertig sind und man dann nicht mehr viel Spielraum hat, sie so zu verändern wie man sie gerade braucht. Ein kleines Häufchen Pigment auf die Palette und mit einer Pipette etwas Firnis und Öl dazu.

Firnis??
Eine Mischung aus Harz und Terpentin, die zum Verdünnen von Farben verwendet wird. Ich habe meine Farben immer aus Pigmenten, Firnis und etwas Öl gemischt, weil das Bild dadurch einfach etwas schneller trocknet. Bei Farben aus der Tube kann es sein, dass Du eine Woche warten musst, bis Du endlich drübermalen kannst bei dem Malen mit Firnis beschleunigt sich das, sodass ich an einem Tag schon viel schaffen, und schon am nächsten Tag weitermachen konnte.

Pinsel - Auswahl, Reinigung ...
Du brauchst dringend gute Pinsel! Sie sollten nicht unbedingt ein Vermögen gekostet haben, aber die 1-Euro-Wassermalkastenpinsel Deiner kleinen Schwester taugen absolut gar nichts. Warum?
Pinsel sind bei Ölmalerei etwas mehr strapaziert als bei Akryl- oder Aquarell-Malerei. Sie haben mit scharfen Mitteln zu tun (Firnis, Terpentin) und zum Schluss müssen sie auch noch ausgewaschen werden, was logischerweise nicht mit ein bisschen Wasser geht. Viele Leute reinigen ihre Pinsel nach dem Malen mit Terpentin. Ich habe es anders gelernt: Seife.  :haha: Yu, der Oberhammertipp des Jahrhunderts, aber mein voller Ernst.
Außerdem kann man den Pinseln auch was gutes tun, wenn man sie ab und zu mit Shampoo wäscht.
Ich benutze immer synthetische Pinsel, da die viel weicher und angenehmer sind als herkömmliche Haarpinsel. Sie haben meistens gelbe Haare, daran lassen sie sich leicht erkennen. Normale Pinsel sind meist etwas widerspenstiger und sie scheinen auch schneller Haare zu verlieren.
Achte darauf, dass der Pinsel nicht haart.

Malgrund:
Man kann auch selbst aus Kartoffelsäcken und Holzstäben Keilrahmen bauen und diese mit einer Mischung aus Knochenleim, Kreide und Firnis grundieren. Das Gepantsche macht einen Riesenspaß.  :wiiii:

Harzöl, Lasur und Grisaille, und Farbübergänge ...
Das Geheimnis, wieso die Bilder der alten Meister von vor 500 Jahren so perfekt aussehen, ist die Tatsache, dass sie nicht alles in einem Rutsch gemalt haben, sondern eine sehr aufwendige Technik hatten. Ich glaube, es wäre jetzt ein bisschen viel, alles zu erklären, aber ich versuch mal mich kurz zu halten:
Erstmal wird alles in Schwarz, Weiß und Graustufen aufgemalt. Dann, wenn das gehärtet ist, beginnt man damit, Schicht für Schicht abwechselnd Farbe - und Schatten/Licht aufzutragen. Farbschicht. Lichtschicht. Farbschicht. Lichtschicht. Und so weiter. Auf diese Weise entstehen auch diese wahnsinnig weichen, perfekten Übergänge. Man malt einfach nur immer wieder ein Stückchen mehr - anstatt es sofort in einem Rutsch mit dem Pinsel schmieren zu wollen.
Außerdem sehen Schatten oft total unnatürlich aus, wenn man versucht, sie farblich zusammenzumischen (so wie man es in Primamalerei macht)

Aber seid gewarnt: Sich das allein beibringen ist ... schwierig. Ich hab das damals bei einem Maler, der noch wie die alten Meister malte, beigebracht bekommen. Und allein in den viel zu kurzen sechs Wochen habe ich höchstens die Grundlagen mitbekommen. Er hatte viele Jahre lang einen Meister, und er brauchte 5 Jahre um diese Technik einigermaßen gut zu beherrschen. Also wenn ihr jetzt aufgrund meiner Erklärungen irgendwas versucht: Nicht geknickt sein, wenns überhaupt nicht so aussieht wie es soll  :wiiii:

Ich hab jetzt endgültig den Faden verloren und weiß auch nicht, was davon jetzt wirklich hilfreich war. Ich bin jetz auch nich der Oberexperte oder so, aber falls noch Fragen sind, oder falls ich jetz irgendwas total bescheuert erklärt hab, einfach nachhaken. Is immer schwierig, da nen Überblick zu vermitteln.

kampfmieze:
Eigentlich hat Menschwerdung schon alles gesagt, was man über Ölfarben wissen wollen könnte ^^ Aber ich will meinen Senf trotzdem noch dazumischen.

Wie Menschwerdung schon sagte, ist es viel einfacher und schöner, sich Farben selbst zu mischen. Malpigment ist allerdings sehr sehr teuer und ich habe bisher noch kein ganzes Fässchen aufgebraucht, also könnte man fast meinen, es lohnt sich ^^. Man kann sich die Pigmente allerdings auch aus hochwertiger Kreide abreiben. Das Ergebnis ist nicht professionell, aber trotzdem sehr schön. Statt Firnis kann man auch Leinöl geben, damit bewahrt das Bild immer einen leicht glänzenden, fettig anmutenden Schein, der die Farben leuchten lässt. Allerdings hat Firnis den absolut enormen Vorteil, dass man für ein normal großes Bild keine paar Monate braucht. Ich persönlich habe meine Bilder teilweise mit Firnis, teilweise mit Leinöl gemalt und nach einem halben Jahr bis Jahr, also wenn man erwarten kann, dass wirklich alles durchgetrocknet ist mit Leinöl eingerieben. Damit kann man Ölgemälde sehr lange haltbar machen. Auch Restauratoren verwenden diese Technik um das Bild geschmeidig zu halten oder zu machen.
Wenn man sich die Pigmentarbeiterei nicht antun will, kann man auch einfach direkt aus der Tube malen. Jeder muss seine eigene Technik finden, ich persönlich bin viel zu ungeduldig für Lasuren. Das tu ich mir nur an, wenn ich direkt mit Pigment arbeite, weil es dann einfach einen besonderen Reiz hat.

Wenn man ein Bild malt sollte man sich immer eine Frage vorne weg stellen: Ist der Weg das Ziel oder das Bild?
Will man einfach ein bestimmtes Bild malen, dann muss ich sagen, hat Öl keine Vorteile gegenüber Acryl (Achtung, Erfahrungswert, keine Richtlinie). Acryl hat viel mehr Auswahl an Farben, ist viel billiger bei gleicher Qualität, lässt sich viel angenehmer Verarbeiten und für Übergänge gibt es Acrylverzögerer. Außerdem ist Acryl Wasserlöslich was sowohl die Leinwand betrifft, die sich bei Fehlern waschen lässt, als auch die Pinsel.
Malt man allerdings ein Bild, weil man den Entstehungsprozess genießen will, weil man neue Erfahrungen auf ganz anderen Gebieten sehen will. Weil man die Ruhe und die Entspannung lange genießen will, dann eignet sich Ölfarbe. Wenn man sich einmal an Ölfarbe gewöhnt hat, geht es einem immer leichter von der Hand. Man muss nicht malen, wie die großen Meister, um ein kleines Meisterwerk zu erreichen. Allerdings sollte man viel viel Geduld haben und sehr detailliert arbeiten, um alle Vorteile von Ölfarbe genießen zu können.

Zum Pinsel auswaschen: Man sollte Ölpinsel NIE im Wasser stehen lassen. Das Öl bindet schneller ab, wenn es die ganze Zeit im Wasser steht und Wasser eignet sich absolut nicht als Lösungsmittel. Ein heißer Tipp, der vielleicht etwas komisch aussieht: Wodka oder Strohrum. Ich persönlich fülle, wenn ich mit Ölfarben arbeite, meinen Pinselhalter mit Strohrum 80. Den kann danach keiner mehr trinken (xD) aber er enthält sehr viel Ethanol. Ein kleiner Exkurs in die Chemie:
Wasser, H2O ist polar. Ein Alkanol ist grundsätzlich unpolar, kann aber in seinen kurzen Ketten auch Verbindungen mit H2O eingehen, weil es Wasserstoffbrückenbindungen eingeht. Mit zunehmender Kettenlänge, Pentanol aufwärts, nimmt die Wasserlöslichkeit ab. Während also Trinkalkohol, Ethanol noch Wasserlöslich ist, ist es Octanol nicht mehr. Octanol und Hexanol sind die Hauptbestandteile aus denen sich die Verbindung von Leinöl zusammen setzt. Allerdings lösen sich alle Alkanol gegenseitig, deswegen eignet sich Ethanol gut, weil man hats ja im Haus (Und Rum stinkt nicht so wie Terpentin und Spiritus).
Das Auswaschen selbst funktioniert gut mit Seife, wie Menschwerdung schon sagte. Einfach aus dem Grund, das Seife ALLES löst. Ist Ölfarbe einmal trocken, kriegt man sie nicht mehr Rückstandslos runter. Die Pigmente hinterlassen hässliche Flecken. Schwarz zum Beispiel hinterlässt Rostflecken, weil das Eisen nicht mehr gebunden ist und oxidiert.

Und damit schließe ich mich Menschwerdung auf der Suche nach dem Faden an ...
wo ist der nur hingekommen? >.<

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